12. Dezember 2005 15:25; Akt: 12.12.2005 16:13 Print

«Sie zeigten mir ihre Finger, die Nägel waren weg»«Sie zeigten mir ihre Finger, die Nägel waren weg»

Folter durch Elektroschock, gebrochene Knochen, abgerissene Fingernägel und Brandwunden wurde bei der Durchsuchung eines irakischen Gefängnisses festgestellt.

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Amerikanische und irakische Kräfte haben das Gefängnis in Bagdad vergangenen Donnerstag durchsucht, wie die New York Times berichtet. Dabei fanden sie 600 Häftlinge auf engstem Raum zusammengepfercht. Ein irakischer Offizier sagte, mindestens 12 Gefangene seien Opfer von schweren Misshandlungen gewesen. Einige wurden mit Elektroschock gequält, andere hatte gebrochene Gliedmassen oder Brandwunden von Zigaretten an Nacken und Rücken. «Zwei von ihnen haben mir ihre Finger gezeigt, die Nägel waren weg», berichtete der Offizier.

Das Gefängnis wird vom irakischen Innenministerium geleitet. Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari ordnete eine Untersuchung an und sprach von einem «ungesunden Phänomen». Seine Berater besuchten alle Haftanstalten im Irak, um zu prüfen, ob es weitere Fälle gebe. «Ich werde eine solche Behandlung von Gefangenen nicht dulden», sagte der Regierungschef. Die Entdeckung kurz vor der Wahl am Donnerstag könnte die Kritik an seiner Regierung verstärken. Die Oppositionsparteien und sunnitische Gruppen haben der Regierung und den Sicherheitskräften bereits in der Vergangenheit Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Das Ministerium erklärte, in der Haftanstalt seien 625 Menschen untergebracht gewesen. Nach einer Anweisung des Justizministeriums seien 75 von ihnen in andere Gefängnisse verlegt worden. Im vergangenen Monat hatten US-Truppen 173 unterernährte und teilweise misshandelte Häftlinge in einem Gefängnis des Innenministeriums im Stadtteil Dschadrija entdeckt.