09. Juni 2006 17:13; Akt: 10.06.2006 01:52 Print

Al Sarkawi lebte noch kurze ZeitAl Sarkawi lebte noch kurze Zeit

Der Terroristenführer Abu Mussab al Sarkawi überlebte offenbar die Explosion von zwei 500-Pfund-Bomben und war nicht sofort tot. Er hat nach der Bergung durch irakische Polizisten noch kurze Zeit gelebt.

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Er sei dann seinen Verletzungen erlegen, sagte US-Militärsprecher Generalmajor William Caldwell am Freitag bei einer Pressekonferenz in Bagdad. «Wir haben ihn tatsächlich noch lebend gesehen», sagte Caldwell. Al Sarkawi habe sich auf der Bahre bewegt und sei kurz danach gestorben. Er habe noch etwas gemurmelt, das aber nicht zu verstehen gewesen sei. Die US-Streitkräfte hatten am Donnerstag ein Foto des toten Führers der Terrorgruppe Al Kaida im Irak veröffentlicht.

Der Tod des 39-jährigen Al Sarkawi ist nach Einschätzung der US-Streitkräfte ein schwerer Schlag für Al Kaida im Irak. Die Gruppe sei damit aber nicht zerschlagen, sagte Caldwell. Als wahrscheinlichen Nachfolger Al Sarkawis nannte er den in Ägypten geborenen Abu Ajjub al Masri, der seit Februar 2005 von den US-Streitkräften als dessen enger Vertrauter geführt wird. Die beiden sollen sich erstmals 2001 in einem Ausbildungslager des Terrornetzwerks Al Kaida in Afghanistan getroffen haben. Al Masri gilt als Spezialist für den Bau von Autobomben.

Die US-Streitkräfte setzen unterdessen ihre Suche nach weiteren Führungspersonen von Al Kaida im Irak fort. Am Freitag fanden im ganzen Land fast 40 Razzien statt, wie Caldwell mitteilte. Bereits in den Stunden nach dem Angriff gegen Al Sarkawi am Mittwochabend starteten US-Soldaten im Irak eine gross angelegte Suchaktion. Dabei hätten sie wichtige Informationen gewonnen.

Aus Furcht vor Vergeltungsschlägen nach dem Tod Al Sarkawis erliess die irakische Regierung ein Fahrverbot. Um Anschläge mit Autobomben zu verhindern, durften in der Hauptstadt Bagdad und in der Provinz Dijala jeweils für mehrere Stunden keine Kraftfahrzeuge benutzt werden. Das Fahrverbot gelte in Bagdad am Freitag von 11.00 Uhr bis 15.00 Uhr und in der Provinz Dijala in den kommenden drei Tagen jeweils von 20.00 Uhr bis 06.00 Uhr, teilte ein Sprecher des irakischen Innenministeriums mit. Sowohl die Regierung in Bagdad als auch die US-Streitkräfte vermuten, dass das Blutvergiessen im Irak auch nach dem Tod Al Sarkawis weitergeht.

Bei einem Feuergefecht in Ghalibija westlich von Bakuba wurden am Freitag nach Angaben eines Arztes fünf Zivilpersonen getötet und drei weitere verletzt. In einem Fluss in der Nähe von Kut wurde die Leiche eines Mannes gefunden, der mit einer Uniform bekleidet war. In Bagdad wurde am Donnerstag der Generaldirektor der staatlichen Gesellschaft für Ölprojekte entführt.

59 Prozent der Amerikaner sehen Irak-Krieg als Fehler an

In einer Erhebung der Nachrichtenagentur AP erklärten 59 Prozent von 1.003 Befragten, die Entscheidung der US-Regierung für den Irak-Krieg sei ein Fehler gewesen. Im Dezember 2004 waren 34 Prozent dieser Meinung gewesen. Nur jeder Dritte zeigte sich mit der Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush zufrieden, Bushs Amtsführung allgemein stösst bei 35 Prozent der Befragten auf Zustimmung.

Zu den Berichten über Massaker amerikanischer Soldaten im Irak erklärten fast zwei Drittel (63 Prozent), solche Gräueltaten seien vermutlich Einzelfälle. 61 Prozent sind der Meinung, die Streitkräfte täten alles in ihrer Macht stehende, um irakische Zivilpersonen zu schützen.

(dapd)