Artenschutzkonferenz

18. März 2010 16:46; Akt: 18.03.2010 19:55 Print

Keine Rettung für Thunfisch und EisbärKeine Rettung für Thunfisch und Eisbär

Der Eisbär und der rote Thunfisch haben es nicht leicht. An der Artenschutzkonferenz wurde ein Handelsverbot für den Polarbewohner und den Delikatessen-Fisch abgelehnt.

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Sushi-Liebhaber können weiteressen - so lange es den Fisch noch gibt. Die Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES lehnten am Donnerstag in Doha ein Handelsverbot ab.

Der Antrag für ein Eisbär-Handelsverbot, den die USA gestellt hatten, scheiterte vor allem am Widerstand der Europäer. Aber auch die Vertreter Kanadas und Grönlands erklärten auf der Konferenz, es gebe keinen Grund für ein generelles Handelsverbot.

Die EU-Staaten begründeten ihre Ablehnung damit, dass der Eisbär schon jetzt genug geschützt sei, weil der Handel nur mit Einschränkungen erlaubt ist. Ausserdem sei es zwar richtig, dass der Lebensraum der grossen Bären schrumpft. «Das Eis schmilzt aber nicht so schnell, als dass dies die Eisbärenpopulation gefährdet», hiess es aus der EU-Delegation.

Die Tierschützer sprachen dagegen von einem «schwarzen Tag für den Eisbären». Daniela Freyer von der Organisation Pro Wildlife sagte: «Wenn von rund 20 000 Eisbären jährlich 1000 gejagt werden, ist das sicherlich nicht nachhaltig.» Der Eisbär vermehre sich nur langsam, und die Jagd ziele besonders auf jene Tiere ab, die für die Fortpflanzung wichtig seien.

Eisbären-Opfer im Streit zwischen den USA und Europa

Der EU gehe es jedoch nicht nur um die Jagd. «Man möchte die USA abstrafen, weil sie bei Klimakonferenzen keine Zugeständnisse macht und zu mehr Fortschritten auf dem Gebiet zwingen», meinte Freyer. «Der Eisbär ist das Bauernopfer für die Klimadiskussion geworden.»

Weltweit gibt es je nach Schätzung 20 000 bis 25 000 Eisbären. In den USA ist die Jagd auf den Polarbären (Ursus maritimus) generell verboten. In Grönland und Kanada ist die Eisbärjagd in einigen Regionen erlaubt.

Auch dem von Sushi-Liebhabern in aller Welt heiss begehrten Blauflossenthunfisch wird seine Schmackhaftigkeit zum Verhängnis. Die Artenschutzkonferenz lehnte ein von der EU vorgeschlagenes Handelsverbot für den rotfleischigen Fisch mit 72 zu 43 Stimmen ab.

Die Europäische Union hatte das Handelsverbot für den Fall angestrebt, dass der Verband der Fischereiindustrie die Überfischung auch künftig nicht verhindern sollte.

Die Schweiz bedauerte das Abstimmungsergebnis. «Die Befürchtungen, dass sich die Fischereinationen durchsetzen werden, haben sich leider bewahrheitet», schrieb Mathias Lörtscher, Ko-Leiter der Schweizer CITES-Delegation, als Reaktion in einem Blog.

Widerstand Japans beim roten Thunfisch

Die Kampagne gegen den Artenschutz für den Blauflossenthunfisch hatte Japan angeführt, das dadurch seine «Esskultur» bedroht sah. In Japan zahlen Fischhändler teilweise mehr als 140 000 Franken für ein grosses Exemplar dieses rotfleischigen Thunfischs, den sie grösstenteils aus den EU-Staaten erhalten und der vor allem zu Sushi und Sashimi verarbeitet wird.

Unterstützung erhielten die Japaner unter anderem von Libyen und der Türkei. Auch ein Vorschlag Monacos, den internationalen Handel mit dem Blauflossenthunfisch sofort und ohne Wenn und Aber zu verbieten, damit sich der Bestand wieder erholen kann, fiel aber durch.

Die Zahl der Blauflossenthunfische im Mittelmeer und im östlichen Atlantik ist in den vergangenen 50 Jahren um mehr als 85 Prozent zurückgegangen.

Nilkrokodil bleibt geschützt

Abgelehnt wurde in Doha auch ein Antrag Ägyptens, den internationalen Handel mit den einst vom Aussterben bedrohten Nilkrokodilen wieder zu erlauben. Von den Tieren soll es in Ägypten inzwischen wieder mehrere Tausend Exemplare geben. Im Nil selbst leben nach Einschätzung von Experten gar keine Krokodile mehr.

Der Antrag Mexikos, den kontrollierten Handel mit dem Beulenkrokodil (Crocodylus moreletii) wieder zuzulassen, wurde dagegen angenommen. Nach den Konferenzregeln muss jede Resolution der 175 Vertragsstaaten mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet werden.

(sda)