Islamisten-Terror in Indien
13. September 2008 21:54; Akt: 13.09.2008 21:54 Print
«Im Namen Allahs»: 22 Tote
Bei einer Serie von Bombenanschlägen in der indischen Hauptstadt Neu Delhi sind mindestens 22 Menschen getötet worden. Je nach Quelle wurden zwischen 70 und 100 Menschen verletzt, als die fünf Bomben nacheinander explodierten.
Indiens Innenminister Shivraj Patil sagte, die Bomben seien innerhalb von 45 Minuten in belebten Geschäftsquartieren detoniert. Er bezeichnete die Attentate als «Werk von Feinden der Nation». Nach Angaben eines Regierungsvertreters stieg die Zahl der Toten am Samstagabend auf 22.
In einer E-Mail übernahm die islamistische Gruppe «Indische Mudschaheddin» die Verantwortung für die Anschläge. Die Märkte in der Hauptstadt wurden nach den Anschlägen geschlossen.
Die erste Explosion ereignete sich um 18.30 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MESZ). Viele Menschen waren zu dieser Zeit für Wochenendeinkäufe unterwegs.
Zwei der Explosionen ereigneten sich im Herzen Neu Delhis, auf dem Connaught Place, an dem viele Geschäfte liegen. Auch das Quartier Greater Kailash, wo sich viele Touristen aufhalten, wurde von zwei Bomben getroffen.
Bomben mit Stahlkugeln gefüllt
Die Tatsache, dass sich die Explosionen ereigneten, als die Strassen voller Menschen gewesen seien, sei «ein Beweis für die teuflischen Absichten der Schuldigen, die eine Höchstzahl an Opfern und ein Höchstmass an Schäden verursachen wollten», sagte der Innenminister.
Die Polizei fand nach eigenen Angaben zudem drei nicht explodierte Bomben: eine davon befand sich in einem Kino und eine weitere nahe der Sehenswürdigkeit India Gate. Einem Experten zufolge waren die Bomben mit Stahlkugeln gefüllt, um möglichst grossen Schaden anzurichten.
Indiens Regierungschef Manmohan Singh kündigte ein hartes Vorgehen gegen den Terrorismus an. Präsidentin Pratibha Patil verurteilte die «sinnlose Gewalttat».
«Im Namen Allahs»
Die Nachrichtenagentur Press Trust of India berichtete von einer E-Mail der «Indischen Mudschaheddin», die nur Minuten nach den Anschlägen bei mehreren Medien einging. Der Fernsehsender NDTV veröffentlichte den Text, in dem die Gruppe erklärte, sie habe im Namen Allahs «erneut zugeschlagen».
Die «Indischen Mudschaheddin» hatten sich auch zu einer Anschlagserie im Juli im westindischen Ahmedabad bekannt, bei der 45 Menschen ums Leben kamen. Zuvor war die Gruppe unbekannt.
Indien wird seit drei Jahren von Anschlägen erschüttert. Das schlimmste in dieser Zeit ereignete sich im Juli 2006 in der Wirtschaftsmetropole Mumbai. Bei den Anschlägen auf Züge und Bahnhöfe waren 186 Menschen getötet worden.
Pakistan verurteilt Attentat
In Neu Delhi waren im Oktober 2005 durch drei Bomben 66 Menschen getötet worden. Für die Taten wurden damals von Pakistan unterstützte islamistische Rebellengruppen verantwortlich gemacht.
Islamabad bestreitet regelmässig eine Verwicklung. Nach dem Attentat in Ahmedabad hatten Indien aber eingeräumt, dass auch im eigenen Land Islamisten aktiv sind.
Die Pakistanische Regierung verurteilte das jüngste Attentat scharf. Präsident Asif Ali Zardari und Premier Yousaf Raza Gilani äusserten Entsetzen und Trauer über «den Verlust wertvollen menschlichen Lebens.» Gilani teilte mit: «Die Elemente, die in solche abscheuliche Taten verwickelt sind, sind Feinde der Menschheit.»
(sda)































