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«Tag des Zorns»
20. März 2010 13:48; Akt: 21.03.2010 14:39 Print
Russlandweite Demonstrationen gegen Putin
In etwa 50 russischen Städten haben Tausende gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung und für mehr politische Freiheiten demonstriert. Bei den meist nicht genehmigten Protesten wurden zahlreiche Teilnehmer festgenommen.

Demonstranten in Wladiwostok fordern den Rücktritt der russischen regierung.
Allein in den Städten Moskau, St. Petersburg, Wladiwostok und Kaliningrad seien am Samstag insgesamt rund
Oppositionsanhänger demonstrieren in St. Petersburg.(Bild: Reuters)
In Moskau wurden bei einer ungenehmigten Veranstaltung mindestens 70 Menschen festgenommen. Die meist jugendlichen Demonstranten seien grob in Polizeibusse gestossen worden, sagte der Menschenrechtler Lew Ponomarjow nach Angaben der Agentur Interfax. Auch aus dem nordrussischen Archangelsk sowie aus Nowosibirsk und Irkutsk in Sibirien wurden Festnahmen gemeldet.
«Wie in Russland allgemein mit Demonstrationen umgegangen wird, das erinnert schon an den Iran», klagte der Chef der Menschenrechtsorganisation Memorial, Oleg Orlow. Die Polizeiführung begründete die landesweiten Festnahmen mit den Worten, die Demonstranten hätten «Unbeteiligte gefährdet».
«Ohne Veränderung wird Russland zusammenbrechen»
In Kaliningrad protestierten rund 4000 Demonstranten vor allem gegen die Regionalregierung. Bei der Kundgebung mahnten Sprecher sofortige Reformen in der Ostsee-Exklave an, in der unlängst bereits
In der zweitgrössten russischen Stadt St. Petersburg demonstrierten rund tausend Menschen und riefen den gebürtigen Petersburger Putin zum Rücktritt auf. Der Regierungschef unternehme nichts gegen steigende Arbeitslosenzahlen, niedrige Renten und höhere Preise, klagten Vertreter der liberalen Jabloko-Partei.
«Ohne Veränderung in der russischen Führung wird Russland unter der Korruption und der schlechten Politik zusammenbrechen», sagte ein 43-jähriger Demonstrationsteilnehmer.
Auch in Wladiwostok im äussersten Osten Russlands gingen mehr als tausend Menschen auf die Strasse. Auf Plakaten protestierten sie gegen erhöhte Steuern für importierte Gebrauchtwagen oder die Bevorzugung von Wirtschaftsmagnaten «auf Kosten des Volkes». Ein Transparent mit der Aufschrift «Putin, erschiess dich» musste auf Anordnung der Behörden entfernt werden.
In der Wolga-Stadt Kasan rund 800 Kilometer östlich von Moskau sagte eine Demonstrantin, sie beziehe umgerechnet nur 139 Euro Rente. «Da lasse ich mich lieber ins Gefängnis sperren und stricke dort Handschuhe.»
Protest gegen Umweltverschmutzung
In Irkutsk demonstrierten 500 Menschen gegen das Betreiben einer auf Veranlassung Putins wiedereröffneten Papierfabrik. Die Bevölkerung befürchtet, dass diese erneut giftige Abwässer in den als UNESCO-Welterbe geschützten Baikalsee leitet.
Führende Politiker wie Putin und Kremlchef Dmitri Medwedew äusserten sich nicht zu den Protesten, die unter dem Motto «Tag der Wut» im Internet organisiert worden waren. Regierungskritiker und Menschenrechtler kündigten für Ende März neue Demonstrationen gegen Arbeitslosigkeit, Korruption und Polizeiwillkür an.
(dapd)



























