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AKW-Havarie
05. Juni 2008 06:58; Akt: 05.06.2008 12:36 Print
Atom-Alarm: Nur ein dummes Versehen
Nach einem Zwischenfall im Kühlsystem des slowenischen AKW Krško wurde europaweit Alarm ausgelöst. Angst vor Strahlung ist unbegründet - doch bange wird einem wegen des stümperhaften Katastrophenmanagements.
Nach dem Zwischenfall im slowenischen Atomreaktor Krsko haben die slowenischen Behörden einen Fehler bei der Benachrichtigung der zuständigen Behörden eingeräumt. Menschen und Umwelt seien nicht gefährdet worden, hiess es.
Archivbild des slowenischen Atomkraftwerks in Krško nahe der Grenze zu Kroatien. (Bild: AFP)
Nationale Alarmzentrale informiert
Die Nationale Alarmzentrale (NAZ) des Bundes ist am Mittwoch gegen 18.30 Uhr über den Störfall im slowenischen Atomkraftwerk Krško informiert worden. Und zwar über das europäische Alarmierungssystem ECURIE, wie NAZ-Sprecherin Cindy Seiler am Abend auf Anfrage der AP sagte. Der Pikettdienst der NAZ habe in der Folge mit Brüssel, mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien sowie mit den slowenischen Behörden Kontakt aufgenommen. Die slowenischen Behörden haben laut der Sprecherin bestätigt, dass es einen Störfall gegeben hat. Eine genaue Untersuchung des Störfalls sei für Donnerstag geplant, sagte die NAZ-Sprecherin. Die NAZ ist die Fachstelle des Bundes für ausserordentliche Ereignisse. (ap)
Falsches Formular benutzt
Der Zwischenfall sei im benachbarten Österreich zunächst als Übung der Strahlenschutzbehörde gemeldet worden, hiess es nach slowenischen Medienberichten. Dies bestätigte der österreichische Umweltminister Josef Pröll.
Das Vertrauen in das slowenische Alarmsystem sei massiv infrage gestellt. Pröll verlangte von Sloweniens Regierung eine Aufklärung des Zwischenfalls.
Zunächst sei aus Versehen ein falsches Formular benutzt worden, sagte der Leiter der slowenischen Atomschutzbehörde, Andrej Stritar. Dieser Fehler sei später korrigiert worden, sagte er gegenüber dem slowenischen Fernsehsender TVS.
EU-Kommission löst Alarm aus
Die EU-Kommission hatte nach dem Vorfall über ein spezielles Warnsystem alle 27 Mitgliedsstaaten der EU informiert. Sofort wurde die Meldung mit Priorität verbreitet und sorgte für einige Unruhe. Das slowenische Umweltministerium zeigte sich wegen des europaweiten Alarms jedoch erstaunt, da die Behörden in Ljubljana den Zwischenfall selbst als «eher gering» einstuften.
Aus dem «primären System» des Atomreaktors sei Wasser ausgetreten, hiess es nach Angaben der slowenischen Atomsicherheitsbehörde. Daraufhin sei der nahe der kroatischen Grenze gelegene Meiler schrittweise vorsorglich abgeschaltet worden.
Menschen und Umwelt seien nicht gefährdet worden. Auch von der EU kam Entwarnung: «Die Lage kann als vollständig unter Kontrolle betrachtet werden», schrieb die EU-Behörde. Gemäss dem österreichischen Umweltministerium wurde keine erhöhte Radioaktivität in Österreich gemeldet.
Das deutsche Umweltministerium warnte vor «unnötiger Dramatik». Bei dem europaweiten Alarm handle es sich um ein Schnellinformationssystem der EU.
Stilllegung gefordert
Die Umweltorganisation Greenpeace hingegen bezeichnete den europaweiten Alarm als «ungewöhnlich». Dieser werde nur ausgelöst, wenn es zu einem Unfall gekommen sei, oder in einer Notsituation, wenn eine Kernschmelze drohe. Das System sei als Reaktion auf das Reaktorunglück von Tschernobyl eingerichtet worden, erläuterte Breuer.
Das Atomkraftwerk Krško im Südosten Sloweniens ist bereits vor knapp fünf Jahren wegen einer Störung vorübergehend abgeschaltet worden. Der 31-jährige Meiler ist das einzige Atomkraftwerk auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien.
Es gehört zur Hälfte Slowenien und Kroatien. Es produziert etwa 20 Prozent des slowenischen und 15 Prozent des kroatischen Strombedarfs. Vor allem österreichische Umweltschützer fordern seit Jahren die Stilllegung des Atomkraftwerks.
(sda)

























