AKW-Havarie

05. Juni 2008 06:58; Akt: 05.06.2008 12:36 Print

Atom-Alarm: Nur ein dummes VersehenAtom-Alarm: Nur ein dummes Versehen

Nach einem Zwischenfall im Kühlsystem des slowenischen AKW Krško wurde europaweit Alarm ausgelöst. Angst vor Strahlung ist unbegründet - doch bange wird einem wegen des stümperhaften Katastrophenmanagements.

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In einem Reaktor im kanadischen Chalk River bei Ottawa kommt es zu einer schweren Explosion. Der Reaktorkern wird bei einer partiellen Kernschmelze zerstört. In einer Wiederaufbereitungsanlage im russischen Kyschtym explodiert ein Tank mit radioaktiven Abfällen. Dabei werden grosse Mengen an radioaktiven Substanzen freigesetzt. Im britischen Atomreaktor in Windscale - seit 1983 Sellafield genannt - wird nach einem Brand eine radioaktive Wolke freigesetzt, die sich über Europa verteilt. Im Schweizer Versuchsreaktor von Lucens kommt es zu einer partiellen Kernschmelze. Die radioaktiven Trümmer werden erst 2003 abtransportiert. Wieder kommt es in Windscale zu einer schweren Explosion, bei der ein grosser Teil der Anlage verseucht wird. Kurzschlüsse in zwei Hochspannungsleitungen führen im deutschen Atomkraftwerk Gundremmingen in Bayern zu einem Totalschaden. Das Reaktorgebäude ist mit radioaktivem Kühlwasser verseucht. Maschinen- und Bedienungsfehler führen im US-Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg zum Ausfall der Reaktorkühlung, die eine partielle Kernschmelze und die Freisetzung von radioaktiven Gasen zur Folge hat. Kernschmelze im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl. Fachleute geben die Zahl der zu erwartenden Toten mit zwischen 4.000 und 100.000 an. 4.000 Menschen erkrankten infolge des Unfalls an Schilddrüsenkrebs. In einem Brennelementewerk in der japanischen Stadt Tokaimura setzt nach einer unvorschriftsmässigen Befüllung eines Vorbereitungstanks eine unkontrollierte Kettenreaktion ein. Das umstrittene tschechische Atomkraftwerk Temelin geht ans Netz. Bis Anfang August 2006 werden von der Anlage fast 100 Störfälle gemeldet. Eine Wasserstoffexplosion verursacht im Atomkraftwerk Brunsbüttel einen Störfall. Der Reaktor wird erst auf auf Drängen der Kontrollbehörden im Februar 2002 zur Inspektion vom Netz genommen. Nach einem Kurzschluss wird im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark einer von drei Reaktoren automatisch von der Stromversorgung getrennt. Der Reaktor wird heruntergefahren. Die schleswig-holsteinischen Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel werden nach Zwischenfällen per Schnellabschaltung vom Netz genommen. In den folgenden Wochen gibt es immer wieder Pannen. Wegen eines Lecks im Kühlkreislauf wird der Reaktor Krsko in Slowenien abgeschaltet.

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Nach dem Zwischenfall im slowenischen Atomreaktor Krsko haben die slowenischen Behörden einen Fehler bei der Benachrichtigung der zuständigen Behörden eingeräumt. Menschen und Umwelt seien nicht gefährdet worden, hiess es.

Falsches Formular benutzt

Der Zwischenfall sei im benachbarten Österreich zunächst als Übung der Strahlenschutzbehörde gemeldet worden, hiess es nach slowenischen Medienberichten. Dies bestätigte der österreichische Umweltminister Josef Pröll.

Das Vertrauen in das slowenische Alarmsystem sei massiv infrage gestellt. Pröll verlangte von Sloweniens Regierung eine Aufklärung des Zwischenfalls.

Zunächst sei aus Versehen ein falsches Formular benutzt worden, sagte der Leiter der slowenischen Atomschutzbehörde, Andrej Stritar. Dieser Fehler sei später korrigiert worden, sagte er gegenüber dem slowenischen Fernsehsender TVS.

EU-Kommission löst Alarm aus

Die EU-Kommission hatte nach dem Vorfall über ein spezielles Warnsystem alle 27 Mitgliedsstaaten der EU informiert. Sofort wurde die Meldung mit Priorität verbreitet und sorgte für einige Unruhe. Das slowenische Umweltministerium zeigte sich wegen des europaweiten Alarms jedoch erstaunt, da die Behörden in Ljubljana den Zwischenfall selbst als «eher gering» einstuften.

Aus dem «primären System» des Atomreaktors sei Wasser ausgetreten, hiess es nach Angaben der slowenischen Atomsicherheitsbehörde. Daraufhin sei der nahe der kroatischen Grenze gelegene Meiler schrittweise vorsorglich abgeschaltet worden.

Menschen und Umwelt seien nicht gefährdet worden. Auch von der EU kam Entwarnung: «Die Lage kann als vollständig unter Kontrolle betrachtet werden», schrieb die EU-Behörde. Gemäss dem österreichischen Umweltministerium wurde keine erhöhte Radioaktivität in Österreich gemeldet.

Das deutsche Umweltministerium warnte vor «unnötiger Dramatik». Bei dem europaweiten Alarm handle es sich um ein Schnellinformationssystem der EU.

Stilllegung gefordert

Die Umweltorganisation Greenpeace hingegen bezeichnete den europaweiten Alarm als «ungewöhnlich». Dieser werde nur ausgelöst, wenn es zu einem Unfall gekommen sei, oder in einer Notsituation, wenn eine Kernschmelze drohe. Das System sei als Reaktion auf das Reaktorunglück von Tschernobyl eingerichtet worden, erläuterte Breuer.

Das Atomkraftwerk Krško im Südosten Sloweniens ist bereits vor knapp fünf Jahren wegen einer Störung vorübergehend abgeschaltet worden. Der 31-jährige Meiler ist das einzige Atomkraftwerk auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien.

Es gehört zur Hälfte Slowenien und Kroatien. Es produziert etwa 20 Prozent des slowenischen und 15 Prozent des kroatischen Strombedarfs. Vor allem österreichische Umweltschützer fordern seit Jahren die Stilllegung des Atomkraftwerks.

(sda)