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Sarrazin tritt zurück
09. September 2010 20:46; Akt: 09.09.2010 22:52 Print
«Das hält auf die Dauer keiner durch»
Der wegen seiner Ausländer-Thesen umstrittene Thilo Sarrazin tritt von seinem Amt im Vorstand der Bundesbank zurück - «einvernehmlich», wie es heisst.
Ein Rauswurf von Thilo Sarrazin aus dem Vorstand der deutschen Notenbank hatte sich abgezeichnet. Nun kommt er seiner Arbeitgeberin zuvor. Unter Berücksichtigung der öffentlichen Diskussion werde er seine Zusammenarbeit mit der Bundesbank zum Monatsende beenden. Die Trennung erfolge einvernehmlich. Sarrazin habe Bundespräsidenten Christian Wulff gebeten, ihn von seinem Amt zu entbinden, teilte die Bundesbank am Donnerstag mit.
Thilo Sarrazin tritt als Bundesbankvorstand zurück. Hier in Berlin an einer Podiumsdiskussion beim 5. Kongress zu Migration und demographischem Wandel. (Bild: Keystone/AP)
Ein Sprecher Wulffs sagte, dass der Bundespräsident dem Antrag Sarrazins entsprechen werde und die einvernehmliche Lösung mit der Bundesbank begrüsse. Den Antrag auf eine vorzeitige Entlassung Sarrazins zog die Bundesbank zurück. Dem Bundespräsidenten bleibt somit eine heikle Entscheidung erspart. Juristen hatten bezweifelt, ob die Abberufung im Falle einer Klage Sarrazins eine gerichtliche Prüfung standhalten würde.
Der Bankvorstand dankte Sarrazin in der Mitteilung «für die von ihm als Mitglied des Vorstands geleistete Arbeit». Beide Seiten würden sich in dieser Angelegenheit nicht mehr äussern, hiess es weiter.
Sarrazin weicht dem Druck
Sarrazin sagte, für ihn sei die jüngste Zeit nicht einfach gewesen. Er habe ein wichtiges Sachthema aufgegriffen und dann vor der Frage gestanden, ob er sich mit der gesamten politischen Klasse und 70 Prozent der veröffentlichten Meinung in Deutschland anlegen wolle. «Diese Situation hält auf die Dauer keiner durch», sagte er. Jetzt könnten die Leute nicht mehr sagen: «Der Bundesbankvorstand hat gesagt...», sondern «Sarrazin hat gesagt...» Damit könne er leben.
Im politischen Abseits
Sarrazin hat sich mit seinem Buch «Deutschland schafft sich ab» und vorbereitenden Interviews immer mehr ins politische Abseits manövriert. Der 65 Jahre alte SPD-Politiker unterstellt Migranten, insbesondere Muslimen, mangelnde Integrationsfähigkeit.
Er verbreitet unter anderem die These, «muslimische Migranten» würden wegen höherer Geburtenraten auf Dauer Staat und Gesellschaft in Deutschland übernehmen. Sarrazin hatte in der hitzigen Debatte über sein Buch zudem davon gesprochen, alle Juden teilten ein bestimmtes Gen.
In Umfragen hatte der strittige Banker viel Zustimmung, aus politischen Parteien aber überwiegend kräftigen Gegenwind erhalten. So hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel Sarrazin scharf kritisiert und der Bundesbank die Abberufung nahegelegt. Die Bundesbank müsse bedenken, dass auch sie ein Aushängeschild Deutschlands sei, sagte sie.
Diskussion in der SPD geht weiter
In der SPD steht Sarrazin vor einem Rauswurf. Die Diskussion darüber ging am Donnerstag weiter. Der Vorsitzende der Partei im Südwesten, Nils Schmid, sprach sich deutlich für einen Ausschluss aus. «Es wäre fatal, wenn die Partei nicht gegen Sarrazins rassistische Thesen vorgehen würde», sagte Schmid der «Stuttgarter Zeitung».
Nach einer am Vortag veröffentlichten Umfrage fiel die SPD durch die parteiinterne Diskussion um Sarrazins Ausschluss in der Wählergunst mit 25 Prozent auf ihren schlechtesten Wert seit Mitte Mai.
Bestseller
Ungeachtet der Kritik hat sich Sarrazins Buch zu einem Bestseller entwickelt. Vergangene Woche sagte ein Sprecher der Deutschen Verlags-Anstalt, derzeit werde die sechste Auflage gedruckt. Die Gesamtauflage liege nun bei
(sda/dapd)


























