Naturschutz

29. Juli 2010 17:56; Akt: 29.07.2010 18:25 Print

Galápagos kein «gefährdetes Gebiet» mehrGalápagos kein «gefährdetes Gebiet» mehr

Die Galápagos-Inseln gelten nicht mehr als gefährdetes Naturgebiet. Die UNESCO nahm die Inselgruppe von einer entsprechenden Liste.

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Die Galapagos-Inseln gelten nicht mehr als gefährdetes Gebiet. (Bild: Keystone)

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Die UNESCO entschied auf einer Sitzung ihres Welterbekomitees in Brasilia überraschend, den Archipel rund tausend Kilometer westlich der Küste Ecuadors von der Liste der bedrohten Gebiete zu streichen.

Der Entscheid sei gegen den Widerstand der Schweiz, Schwedens und Australiens getroffen worden, hiess es am Mittwoch in der brasilianischen Hauptstadt. Mit dem Schritt sollten die Anstrengungen der ecuadorianischen Regierung zur Erhaltung des einzigartigen Ökosystems gewürdigt werden, teilte das brasilianische Kulturministerium mit.

Ist die Streichung verfrüht?

Viele Naturschützer sehen die Streichung von der Roten Liste allerdings wenig enthusiastisch. Die Streichung sei «verfrüht», kritisierte die Generalsekretärin der Nichtregierungsorganisation IUCN, Julia Marton-Lefèvre. Jetzt müsse es darum gehen, die Schutzmassnahmen weiter konsequent umzusetzen. Edwin Naula, der Direktor des Nationalparks Galápagos, betonte, «die Tatsache, dass wir von der Roten Liste gestrichen wurden, verpflichtet uns nun noch mehr, alles für die Verwirklichung der Massnahmen zu tun, die eine nachhaltige Entwicklung der Inseln garantieren».

Damit wird aber auch der schmale Grad sichtbar, auf dem die Bewahrer des Naturparadieses balancieren: Verarmte Inselbewohner sind nicht zum Umweltschutz fähig, Wohlstand kann aber nur aus dem Tourismus kommen. Viele der rund 100 000 Touristen besuchen die Inseln nur von Luxus-Schiffen aus, die den 20 000 Inselbewohnern keine Einnahmen bringen. Die UNESCO hatte die Galápagosinseln mit der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt, darunter die Riesenschildkröten, 1978 zum Weltnaturerbe erklärt. Angesichts einer immer stärkeren Zuwanderung vom wesentlich ärmeren Festland sowie eines ausufernden Tourismus wurde die Inselgruppe dann 2007 für gefährdet erklärt. Grund waren vor allem die Umweltschäden durch Müll, Abwässer, Lärm und Ölunfälle.

Angst vor «blinden Passagieren»

Am gefährlichsten für das fragile Ökosystem, das Charles Darwin zu der Evolutionstheorie inspirierte, halten Experten jedoch das Eindringen fremder Tier- und Pflanzenarten. Mit jeder Versorgungsladung vom Festland können «blinde Passagiere» auf die Insel gelangen. So bissen wilde Hunde hunderte der trägen Leguane tot, zehntausende Ziegen frassen den Schildkröten das Futter weg.

Die Regierung in Quito hatte als Gegenmassnahmen unter anderem die zwangsweise Rücksiedlung von illegalen Bewohnern der Inseln zum Festland angeordnet. Auch soll der Tourismus besser kontrolliert und die Fähigkeit der Inseln zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln und Energie aus Sonnen- und Windkraft verbessert werden.

Der Archipel aus 13 Haupt- und 17 kleineren Inseln verfügt über eine weltweit einzigartige Vielfalt an Flora und Fauna und gehört deshalb seit 1978 zum Welterbe der UNESCO.

(sda)