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Ex-Präsident
16. September 2009 17:29; Akt: 16.09.2009 17:29 Print
Carter nennt Attacken auf Obama «rassistisch»
Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter bricht ein Tabu: Die heftigen Proteste gegen Barack Obama seien häufig durch Rassismus motiviert. Viele Amerikaner könnten sich nicht mit einem schwarzen Präsidenten abfinden.
Kaum ein US-Präsident wurde so kurz nach Amtsantritt so heftig angefeindet wie Barack Obama. Als «Nazi», «Sozialist» oder «Dieb» wird er aus der rechten Ecke angefeindet, wobei die Grenzen des guten Geschmacks des Öfteren überschritten werden, etwa wenn Obama mit Hitler-Schnauz dargestellt wird. Vordergründig geht es um seine angeblich überrissenen Reformpläne und die massive Ausgabenpolitik.
Einer seiner Vorgänger hat nun ausgesprochen, was viele denken: Die Attacken auf Obama seien «nicht bloss das übliche Resultat einer ernsthaften Debatte über die Einführung eines staatlichen Gesundheitsprogramms», sagte Ex-Präsident Jimmy Carter am Dienstag in Atlanta. Ein grosser Teil der Animosität basiere auf Rassismus: «Es gibt ein tief sitzendes Gefühl bei vielen in diesem Land, dass ein Afroamerikaner nicht Präsident sein sollte.»
Gegenüber dem Fernsehsender NBC legte Carter nach: «Viele Weisse glauben, dass ein Afroamerikaner nicht dafür qualifiziert ist, dieses grossartige Land zu führen.» Dies sei eine fürchterliche Tatsache, «die mich betrübt und mit tiefer Sorge erfüllt». Das Verhalten des republikanischen Abgeordneten Joe Wilson, der während Obamas Rede vor dem Kongress zur Gesundheitsreform mit dem Zwischenruf «Sie lügen!» für Aufsehen sorgte, bezeichnete Jimmy Carter als «niederträchtig». Der Präsident sei nicht nur Regierungs-, sondern auch Staatschef und müsse «mit Respekt behandelt werden».
Weisses Haus will auf Attacken reagieren
Das Repräsentantenhaus stimmte am Dienstag weitgehend entlang der Parteilinien einer Resolution zu, die Wilsons Verhalten verurteilt. Sein Sohn Alan, ein Irak-Veteran, der in Carters Heimatstaat Georgia als Generalstaatsanwalt kandidiert, wies die Kritik zurück: Sein Vater sei «in keinster Weise ein Rassist». Gemäss BBC war Joe Wilson in jungen Jahren jedoch Mitarbeiter eines Politikers, der die Rassentrennung befürwortete, und er stimmte dafür, die Flagge der Südstaaten – für viele Schwarze ein rassistisches Symbol – auf dem Parlamentsgebäude seines Heimatstaates South Carolina hochzuziehen.
Die Rassenfrage ist in den USA nach wie vor ein heisses Eisen, die Bezeichnung «Rassist» gilt als einer der schlimmsten Vorwürfe überhaupt. Anita Dunn, Kommunikationschefin des Weissen Hauses, spielte gegenüber der «Washington Post» das Thema herunter: «In Zeiten von grossem Stress und Wandel gibt es immer Leute, die sich bedroht fühlen und Angst haben.» Dennoch überlegt man im Weissen Haus, wie man auf die Attacken besser reagieren kann, ohne ihnen zu viel Gewicht zu geben.
(pbl)



























