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Krawalle
11. Dezember 2008 14:59; Akt: 11.12.2008 22:58 Print
Jugendliche greifen Polizeiwachen in Athen an
In Griechenland ist ein Ende der Unruhen nicht in Sicht. Die Hauptstadt Athen ist auch am Donnerstag von Strassenschlachten und Plünderungen erschüttert worden. In mehreren Vierteln kam es nach Polizeiangaben zu Krawallen, während sich Hunderte Jugendliche vor dem Korydallos-Gefängnis versammelten.
Dorthin sollte der Polizist gebracht werden, durch dessen Schuss am Samstag ein 15-Jähriger starb - was die tagelangen Ausschreitungen ausgelöst hatte. Der 37-jährige Polizist wird des Totschlags und des «verbotenen Gebrauchs» seiner Dienstwaffe beschuldigt, seinem 31-jährigen Kollegen, der ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt, wird Beihilfe vorgeworfen. Der Anwalt der Polizisten sieht seinen Mandanten durch ein ballistisches Gutachten jedoch entlastet.
Ganze Strassenviertel in Athem sind verwüstet(Bild: AFP/Louisa Gouliamaki)
Demonstranten und Polizisten treffen im Zentrum Athens aufeinander, 11. Dezember 2008.(Bild: Keystone/AP)
Keine Reue: «Öl ins Feuer»
Der Jugendliche sei durch einen Querschläger getötet worden, sagte Rechtsanwalt Alexis Kougias. Der Polizist sagte aus, er habe nur Warnschüsse abgegeben. Viele Menschen sind darüber verärgert, dass er bislang keine Reue gezeigt hat. Das sei, als werde «Öl ins Feuer» gegossen, titelte eine Zeitung.
Unterdessen brach ein Streit zwischen dem Rechtsbeistand des Polizisten und den Anwälten der Familie des Opfers aus. Ersterer versuchte, das Opfer als bekannten Fussballhooligan darzustellen.
Zudem soll der 15-Jährige aus der Privatschule verwiesen worden sein, was dementiert wurde. «Der Junge wird noch einmal getötet, indem der Rechtsanwalt solche fürchterlichen Gerüchte verbreitet», kommentierte die Zeitung «Eleftherotypia». Die Rechtsanwälte der Familie des Opfers wiesen die Behauptungen mit Abscheu zurück.
Brandsätze auf Polizeireviere
Für Freitag kündigten mehrere Vereinigungen von Studierenden eine Grossdemonstration in Athen an. Am Donnerstag griffen den sechsten Tag in Folge Dutzende Studierendengruppen die Polizei in Athen und anderen Städten des Landes an.
Studenten bewarfen 20 Polizeiwachen in Athen mit Steinen und Flaschen, warfen Autos um und blockierten Strassen. Die Polizei antwortete mit dem Einsatz von Tränengas. Im nordgriechischen Thessaloniki belagerten rund 500 Menschen das Polizeipräsidium. Die gewalttätigen Proteste setzten sich auch am Abend fort. In Athen zogen rund 400 linksgerichtete Demonstranten von der Universität zum Parlamentsgebäude. Dabei kam es zu vereinzelten Zusammenstössen mit der Polizei.
Seit Beginn der Unruhen am Samstag wurden mindestens 70 Menschen verletzt und rund 100 verhaftet. Wenige Stunden nach dem Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos gingen tausende von Jugendlichen aus autonomen und anarchistischen Kreisen in mehreren griechischen Städten auf die Strasse, zerstörten Autos und Geschäfte und errichteten brennende Barrikaden.
Auch friedliche Proteste
Zahlreiche Schüler und Studierende gingen auf die Strassen, um sich von den Randalierern zu distanzieren. «Wir sind eure Kinder, keine Randalierer», skandierten sie.
Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis reiste trotz der Proteste zum EU-Gipfel nach Brüssel. Seine Regierung steckte schon vor den Krawallen in der Krise, die Auseinandersetzungen erhöhten den Druck aber massiv. Die oppositionellen Sozialisten, die in Umfragen in Führung liegen, fordern Neuwahlen.
Schweigeminute im Parlament und Aufruf der Kirche
Mit einer Schweigeminute hat das griechische Parlament am Donnerstag des von einem Polizisten erschossenen Jugendlichen gedacht, dessen Tod schwere Unruhen ausgelöst hat. Den geschädigten Einzelhändlern sagte Regierungschef Konstantinos Karamanlis eine kurzfristige Finanzhilfe von jeweils
Den Aufrufen der Behörden zu einer Beruhigung schloss sich auch die einflussreiche griechisch-orthodoxe Kirche an. «Diese Tragödie kann nicht damit gelöst werden, dass das Eigentum von Menschen, die selbst Probleme haben, in Brand gesetzt und zerstört wird», sagte Erzbischof Ieronymos.
Protestaktionen in europäischen Städten
In der Nacht zum Donnerstag war es auch ausserhalb Griechenlands zu Protestaktionen gekommen. In Madrid wurden laut Polizei neun Menschen festgenommen, nachdem rund 200 Demonstranten eine Polizeiwache, Banken und Geschäfte angegriffen hatten. In Barcelona wurden während einer ähnlichen Protestaktion ein Mädchen aus Griechenland und ein weiterer Ausländer festgenommen. Zwei Polizisten wurden verletzt. Die Proteste wurden Medienberichten zufolge über das Internet organisiert.
In Kopenhagen demonstrierten etwa 150 Jugendliche, 63 wurden laut Polizei nach Ausschreitungen festgenommen. In Rom und Sofia hielten Demonstranten Plakate des von der Polizei erschossenen 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos hoch. Vor der Botschaft in der italienischen Hauptstadt warfen Aktivisten Autos um, in New York schleuderte ein Passant einen Ziegelstein gegen das Konsulat. In Istanbul sprühten Unbekannte ein Anarchistenzeichen an die Hauswand der Vertretung. In Bordeaux steckten Unbekannte vor dem griechischen Konsulat zwei Autos in Brand. Die Tür der Vertretung wurde beschädigt.
Der Tod des Jugendlichen Demonstranten hat Griechenland schockiert, der Regierung wird zudem schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. Anwohner und Ladeneigentümer beschweren sich, dass die Polizei nur sich selbst geschützt habe. Meinungsumfragen stellen der Regierung ein verheerendes Zeugnis aus, die Opposition fordert den Rücktritt.
(AP/SDA)


























