03. März 2007 16:31; Akt: 03.03.2007 18:26 Print
Die Schläger von der Polizei
Tausende Linker zogen in St. Petersburg demonstrierend durch die Strassen. Während sie gegen die Einschränkungen der Bürgerrechte skandierten, bereitete sich eine Truppe polizeilicher Schläger auf ihren «Interventionseinsatz» vor.
Die Polizisten sind kurz darauf gegen Mittag im Nahkampf mit hartem Körpereinsatz und mit Schlagstöcken gegen die Teilnehmer der unbewilligten Kundgebung vorgegangen.
Der gewaltsame Interventionseinsatz hatte Dutzende von Verhaftungen zur Folge. (Bild: Keystone/DMITRY LOVETSKY)
Die Teilnahme an der unbewilligten Kundgebung brachte viele Beteiligte in eine ungemütliche Lage. (Bild: Keystone/DMITRY LOVETSKY)
Mehrere tausende Mitglieder liberaler und linker Gruppen zogen durch die Innenstadt und protestierten gegen Einschränkungen der Demokratie und der Bürgerrechte. Die Behörden hatten lediglich eine Versammlung fern vom Stadtzentrum genehmigt. Die Polizei nahm einige der Organisatoren fest, darunter den Vorsitzenden der radikalen National-Bolschewistischen Partei, Eduard Limonow, und den unabhängigen Stadtrat Sergej Gulgajew.
6000 Demonstranten
Vertreter der Opposition sprachen trotz der Festnahmen von einem Erfolg. Tausende Menschen seien ihrem Aufruf trotz der Einschüchterung durch die Behörden gefolgt. Der frühere Schachweltmeister Garry Kasparow sagte im Sender Echo Moskau, rund 6000 Menschen hätten sich an der Kundgebung beteiligt. Nach Schätzungen der Nachrichtenagentur AP waren es mehr als 3000 Demonstranten.
Sperren durchbrochen
Sie hatten sich dem Kundgebungsverbot widersetzt und zogen über die Hauptstrasse von St. Petersburg, den Newski-Prospekt, und blockierten den Verkehr. Die Polizei setzte Schlagstöcke ein und nahm zahlreiche Demonstranten fest. Mehr als 3000 Menschen durchbrachen jedoch die Sperren und setzten die Demonstration fort, bis die Polizei 40 Minuten später erneut einschritt und Verdächtige festnahm. Die Aktivisten trugen Plakate mit der Aufschrift «Russland ohne Putin» und «Wir wollen Wahlen». Sie forderten den Rücktritt von Bürgermeisterin Valentina Matwijenko, einer Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Ihr wurden Korruption und Inkompetenz vorgeworfen.
Kampf für demokratische Rechte geht weiter
Die Behörden zerstörten «die von der Verfassung garantierten Strukturen, Rechte und Freiheiten», erklärte der frühere Ministerpräsident Michail Kasjanow, der jetzt zu den Führern der Oppositionsbewegung gehört, der Nachrichtenagentur AP. Russland durchlebe leider eine sehr schwere Zeit, «aber wir werden weiter für unsere Rechte kämpfen».
In St. Petersburg wird im März ein neues Stadtparlament gewählt. Allerdings wurde die Jabloko, eine der beiden grössten liberalen Parteien des Landes, nach eigenen Angaben grundlos von der Wahl ausgeschlossen.
(ddp)

























