05. August 2007 00:47; Akt: 05.08.2007 12:48 Print

Seuchenkatastrophe wegen Labor-VirusSeuchenkatastrophe wegen Labor-Virus

Der erneute Ausbruch der Tierseuche ist das Werk von Menschen: Das in Südengland aufgetretene Virus der Maul- und Klauenseuche ist offenbar auf Viren aus einem Labor zurückzuführen.

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Der auf einem Bauernhof südwestlich von London gefundene Erreger ist nach Behördenangaben identisch mit einem Virenstamm, der in einem nahen Forschungsinstitut verwendet wird. Die Regierung sicherte zu, alles zu tun, um die hochansteckenden Seuche einzudämmen. Bei der letzten Epidemie vor sechs Jahren hatte sich die Krankheit rasend schnell ausgebreitet, sieben Millionen Tiere wurden damals getötet.

Der Hinweis, dass der Erreger aus einem Labor stamme, wecke Hoffnung, dass die Maul- und Klauenseuche schnell gestoppt werden könne, erklärte ein Vertreter des Veterinärverbandes BCVA. Obwohl es bis am Sonntag zunächst keine Bestätigung dafür gab, dass das Virus aus den Einrichtungen in Pirbright nahe dem Fundort der infizierten Tiere stammt, wurde die Gegend weiträumig abgeriegelt. Im Umkreis von zehn Kilometern wurde eine Sonderzone eingerichtet.

Das britische Agrarministerium hatte zuvor mitgeteilt, bei dem Virusstrang handle sich sich um einen Typ, der vor 40 Jahren von Forschern isoliert worden sei und jüngst nicht bei Tieren aufgetreten sei. Es würden aber weitere Ursachen für den Ausbruch der Tierseuche geprüft, teilten die zuständigen Behörden mit.

Eines der beiden Labore, Merial, wird gemeinsam von den Pharmaunternehmen Merck & Co aus den USA und Sanofi-Aventis betrieben. Das andere ist in staatlicher Hand.

Die britische Regierung verhängte ein Exportverbot für lebende Tiere, Fleisch sowie Tierprodukte wie Milch und untersagte landesweit den Transport von Paarhufern wie Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen. Premierminister Gordon Brown brach seinen Urlaub ab und leitete am Samstag in London eine Krisensitzung, nachdem der Ausbruch der Seuche am Vortag bekannt geworden war. Seine Regierung werde alles tun, um die Krankheit auszurotten, versicherte Brown. «Unsere Priorität muss schnelles und entschlossenes Handeln sein.» Der britischen Regierung war 2001 vorgeworfen worden, zu langsam gehandelt und damit die Ausbreitung der Seuche ermöglicht zu haben.

Die rund 60 Tiere auf dem Hof bei Wanborough, rund 50 Kilometer südwestlich von London, wurden am Samstag notgeschlachtet. Auch Tiere einer Nachbarfarm sollten getötet werden. Scheiterhaufen wie 2001 soll es nach Angaben der Behörden aber nicht geben - die Bilder hatten damals viele Briten schockiert.

Laut BVET kein Handlungsbedarf

Das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) sieht nach dem Fall von Maul- und Klauenseuche (MKS) in Südengland keinen Handlungsbedarf für die Schweiz. Vorerst würden keine besonderen Massnahmen ergriffen, sagte BVET-Sprecherin Cathy Maret am Wochenende.

Das sofortige Exportverbot Britanniens garantiere die Sicherheit, sagte Maret auf Anfrage. Alle Importe der vergangenen Monate seien untersucht worden, doch habe es keine Auffälligkeiten gegeben. Was den Import von lebenden Tieren betrifft, so wurden letzten Monat elf Schafe zu Versuchszwecken für das Institut für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe (IVI) in Mittelhäusern im Kanton Bern importiert. Sie werden vorsichtshalber auf MKS untersucht, am IVI aber im Zusammenhang mit einer anderen Krankheit gebraucht, wie Maret sagte. Zum Import von Fleischprodukten oder Wolle vor der Exportsperre sagte Maret, dass die Mengen sehr gering seien. Die Gefahr, das solche Produkte mit Rindern, Schafen oder Schweinen in Kontakt gekommen seien, sei sehr gering. Der Verzehr von MKS-verseuchten Produkten wäre laut Maret für den Menschen unbedenklich.

Zur mutmasslichen Herkunft des MKS-Erregers in Britannien aus einem Labor sagte Maret, das BVET sei sehr daran interessiert, die britischen Untersuchungsergebnisse anschauen zu können. In allen solchen Labors, auch im IVI, herrschten ähnliche, sehr hohe Sicherheitsstandards. «Vielleicht können wir von dem britischen Fall etwas lernen», sagte Maret. Trotz sehr strenger Sicherheitsmassnahmen gebe es aber nie 100-prozentige Sicherheit, betonte sie.

(dapd)