Castro-Kritik

08. September 2010 18:13; Akt: 10.09.2010 12:32 Print

Iran soll Israels Ängste ernst nehmenIran soll Israels Ängste ernst nehmen

Fidel Castro rät Mahmud Ahmadinedschad, mit seinen Tiraden gegen Israel aufzuhören. Eine ungewöhnliche Geste unter befreundeten Staaten.

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Mahmud Ahmadinedschad erhält eine Geschichtslektion von Fidel Castro. (Bild: Keystone)

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Fidel Castro, der ehemalige Staatschef Kubas, befürchtet offenbar eine baldige Konfrontation zwischen Israel, den USA und dem Iran. Aufgeschreckt über einen Beitrag im «Atlantic Magazine», lud er den Journalisten Jeffrey Goldberg zum Gespräch nach Havanna. Dort wandte sich Castro in ungewöhnlich direkten Worten an den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Kuba und Iran pflegen seit langem freundschaftliche Beziehungen.

Kindheitserinnerungen

Er kritisierte Ahamdinedschad für dessen Leugnung des Holocausts und erklärte, die iranische Regierung würde dem Frieden besser dienen, wenn sie die «einzigartige» Geschichte des Antisemitismus anerkennen und die existentiellen Ängste der Israelis ernst nehmen würde.

In diesem Zusammenhang erinnerte sich Castro, wie er als Kind erstmals mit Antisemitismus konfrontiert wurde. Am Karfreitag hätten die Leute auf dem Land jeweils gesagt: «Die Juden haben Gott getötet.» Er selbst habe als Kind nicht gewusst, was ein Jude ist. Er wusste, es gab Vögel, die «Juden» genannt wurden, weil sie grosse Nasen hatten. «So ignorant war die Bevölkerung damals!», fügte er an.

«Juden schlechter dran als Moslems»

Der iranischen Regierung rät er, die Konsequenzen des theologischen Antisemitismus verstehen zu lernen: «Niemand ist so verunglimpft worden wie die Juden. Mehr als die Moslems heute, denn den Juden wurde die Schuld für alles gegeben.» Die iranische Regierung sollte verstehen, dass die Juden aus ihrem Land vertrieben wurden und überall auf der Welt als «Gottesmörder» verfolgt und misshandelt worden sind. «Die Juden haben eine Existenz durchlebt, die viel härter ist als unsere. Nichts ist mit dem Holocaust vergleichbar.»

Castro sagte weiter, er verstehe aber auch iranische Ängste vor einem israelisch-amerikanischen Angriff. Seiner Ansicht nach werden amerikanische Sanktionen und israelische Drohungen die iranische Führung nicht davon abhalten, Atomwaffen zu entwickeln. Im Unterschied zu Kuba sei Iran ein «tief religiöses Land» und religiöse Führer neigen weniger zu Kompromissen. Er gab zu bedenken, dass selbst das säkulare Kuba amerikanischen Forderungen seit 50 Jahren erfolgreich widersteht.

Fidel erfindet sich neu

Die unerwartete Kritik am verbündeten Iran und die ebenso unerwartete Sympathiebekundung für Israel, immerhin der wichtigste Verbündete des amerikanischen Erzfeindes, erklärt sich Jeffrey Goldberg so: Der ehemalige Revolutionsführer ist gerade daran, sich auf der internationalen Bühne als «Elder Statesman» neu zu erfinden. Dafür hat er jetzt die Zeit, die er als Staatschef nicht hatte.

(kri)