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07. März 2008 00:17; Akt: 07.03.2008 08:43 Print
Attentäter war als orthodoxer Jude verkleidet
Der Palästinenser, der in einer Jerusalemer Talmudschule ein Blutbad anrichtete und acht Menschen erschoss, ging auf besonders perfide Art und Weise vor: Um sich Zugang zum Gebäude zu verschaffen, hatte er sich als orthodoxer Jude verkleidet.
Die Gewalt ist nach Jerusalem zurückgekehrt: Beim schwersten Anschlag in Israel seit über einem Jahr sind in einer Jerusalemer Religionsschule neun Menschen getötet worden. Drei Talmud-Schüler wurden lebensgefährlich verletzt.
(Bild: Keystone)
Libyen steht quer
Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten hat Libyen im UNO-Sicherheitsrat eine Verurteilung der Gewalt in Nahost verhindert. Die USA hatten eine Erklärung vorgeschlagen, die weniger Gewicht hat als eine formale Resolution, um den Anschlag auf eine jüdische Religionsschule in Jerusalem und einen tödlichen Hinterhalt auf eine israelische Militärstreife an der Grenze zum Gazastreifen vom Donnerstag zu verurteilen.
Wegen des Widerstandes Libyens verfehlte der Vorstoss jedoch die notwendige einstimmige Unterstützung des Gremiums. Libyen habe eine ausgewogenere Formulierung gefordert, in der auch die israelischen Aktionen im Gazastreifen verurteilt würden, erklärte ein libyscher Diplomat. Der amerikanische UNO-Botschafter Zalmay Khalilzad kritisierte diese Haltung. Sie mache es schwierig für den Sicherheitsrat, um die Entwicklungen in der Region positiv zu beeinflussen. (sda)
Ein Attentäter ist am Donnerstagabend in eine jüdische Religionsschule in Jerusalem eingedrungen und hat dort nach israelischen Angaben acht Menschen getötet. Dutzende weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Ein Offizier der israelischen Armee hörte die Schüsse, eilte zu Hilfe und erschoss den Angreifer. Nach Angaben eines Polizeisprechers handelte es sich entgegen ersten Angaben um einen Einzeltäter, der in Ostjerusalem lebte. Es war der erste Anschlag militanter Palästinenser seit über vier Jahren in Jerusalem.
Perfide Verkleidung
Der als orthodoxer Jude verkleidete Palästinenser war in die Religionsschule Merkas Harav in der Nähe des Hauptbahnhofs eingedrungen. Der mit einer Kalaschnikow und einer Pistole bewaffnete Attentäter schoss laut Augenzeugen rund zehn Minuten lang um sich. Der Leiter des Rettungsdienstes Saka, Jehuda Meschi Sahav, betrat nach der Tat die Schule. «Das ganze Gebäude sieht wie ein Schlachthaus aus», sagte er.
Der gemässigte palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte den Anschlag. Dagegen erklärte die radikal-islamische Hamas, der Anschlag sei eine «normale Antwort auf die Verbrechen der Besatzungsmacht» Israel. Im Gazastreifen und auch in Libanon kam es zu Freudenfeiern und Hupkonzerten.
Nach israelischen Medienangaben soll sich eine bisher unbekannte Gruppe zu dem Attentat bekannt haben, die offensichtlich der libanesischen Hisbollah nahe steht. Die Aussage konnte bislang nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden.
Verbindung zur Siedlerbewegung
Die Talmud-Schule Mercas Harav im Viertel Kirjat Mosche ist ein bekanntes religiöses Studienzentrum. Ihm werden enge Verbindungen zur jüdischen Siedlerbewegung im Westjordanland nachgesagt. Zwischen 2001 und 2004, dem Höhepunkt der israelisch-palästinensischen Kämpfe, war Jerusalem häufig der Schauplatz palästinensischer Anschläge, darunter zahlreiche Selbstmordattentate auf Busse.
(dapd)

























