07. März 2008 00:17; Akt: 07.03.2008 08:43 Print

Attentäter war als orthodoxer Jude verkleidetAttentäter war als orthodoxer Jude verkleidet

Der Palästinenser, der in einer Jerusalemer Talmudschule ein Blutbad anrichtete und acht Menschen erschoss, ging auf besonders perfide Art und Weise vor: Um sich Zugang zum Gebäude zu verschaffen, hatte er sich als orthodoxer Jude verkleidet.

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Die Gewalt ist nach Jerusalem zurückgekehrt: Beim schwersten Anschlag in Israel seit über einem Jahr sind in einer Jerusalemer Religionsschule neun Menschen getötet worden. Drei Talmud-Schüler wurden lebensgefährlich verletzt.

Ein Attentäter ist am Donnerstagabend in eine jüdische Religionsschule in Jerusalem eingedrungen und hat dort nach israelischen Angaben acht Menschen getötet. Dutzende weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Ein Offizier der israelischen Armee hörte die Schüsse, eilte zu Hilfe und erschoss den Angreifer. Nach Angaben eines Polizeisprechers handelte es sich entgegen ersten Angaben um einen Einzeltäter, der in Ostjerusalem lebte. Es war der erste Anschlag militanter Palästinenser seit über vier Jahren in Jerusalem.

Perfide Verkleidung

Der als orthodoxer Jude verkleidete Palästinenser war in die Religionsschule Merkas Harav in der Nähe des Hauptbahnhofs eingedrungen. Der mit einer Kalaschnikow und einer Pistole bewaffnete Attentäter schoss laut Augenzeugen rund zehn Minuten lang um sich. Der Leiter des Rettungsdienstes Saka, Jehuda Meschi Sahav, betrat nach der Tat die Schule. «Das ganze Gebäude sieht wie ein Schlachthaus aus», sagte er.

Der gemässigte palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte den Anschlag. Dagegen erklärte die radikal-islamische Hamas, der Anschlag sei eine «normale Antwort auf die Verbrechen der Besatzungsmacht» Israel. Im Gazastreifen und auch in Libanon kam es zu Freudenfeiern und Hupkonzerten.

Nach israelischen Medienangaben soll sich eine bisher unbekannte Gruppe zu dem Attentat bekannt haben, die offensichtlich der libanesischen Hisbollah nahe steht. Die Aussage konnte bislang nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden.

Verbindung zur Siedlerbewegung

Die Talmud-Schule Mercas Harav im Viertel Kirjat Mosche ist ein bekanntes religiöses Studienzentrum. Ihm werden enge Verbindungen zur jüdischen Siedlerbewegung im Westjordanland nachgesagt. Zwischen 2001 und 2004, dem Höhepunkt der israelisch-palästinensischen Kämpfe, war Jerusalem häufig der Schauplatz palästinensischer Anschläge, darunter zahlreiche Selbstmordattentate auf Busse.

(dapd)