17. Juli 2006 15:20; Akt: 17.07.2006 15:27 Print

«Sie haben elf Mal auf ihn geschossen»«Sie haben elf Mal auf ihn geschossen»

Für die irrtümliche Tötung eines Brasilianers nach den Terroranschlägen von London werden die beteiligten Polizisten nicht zur Rechenschaft gezogen. Die Angehörigen sind empört über das Urteil.

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Dies sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft zum Abschluss einer Untersuchung am Montag in London. Die beiden Polizisten, die am 22. Juli 2005 die tödlichen Schüsse auf Jean Charles de Menezes abgegeben hätten, seien «davon ausgegangen, dass er ein Selbstmordattentäter war.»

Sie könnten deshalb nicht wegen der Tötung belangt werden. Allerdings sei der gesamte Einsatz von «operationellen Fehlern» begleitet gewesen, weswegen die Londoner Polizei als Ganzes mit Strafmassnahmen rechnen müsse.

Fehlverhalten der Polizei

Justizsprecher Stephen O'Doherty betonte, dass eine Summierung von Fehlverhalten verschiedener Amtsträger zu der Tragödie geführt habe, dass sich dabei aber kein Einzelner in strafrechtlichem Sinne schuldig gemacht habe.

Deshalb solle die Londoner Polizei kollektiv wegen Verstosses gegen Gesundheits- und Sicherheitsrichtlinien belangt werden. Der Polizeibehörde droht dabei eine Geldstrafe.

Im Verlauf der sechsmonatigen Ermittlungen habe die Kommission vorübergehend Anklagen wegen Mordes, Totschlags und Dokumentenfälschung erwogen, sagte der Sprecher. Diese Vorwürfe seien aber fallengelassen worden.

«Eine gewisse Anzahl von Individuen hat Planungs- und Kommunikationsfehler begangen, die in der Summe zum tragischen Tod von De Menezes führten, aber kein Einzelner hat sich in hinreichendem Masse eines kriminellen Vergehens schuldig gemacht.»

Mit elf Schüssen getötet

Die Hinterbliebenen von De Menezes zeigten sich empört über den Befund der Ermittler. «Es ist absolut unglaublich, es ist eine Schande», sagte ein Cousin von De Menezes in London.

Die geplante Belangung der Polizei wegen Verstosses gegen Gesundheits- und Sicherheitsrichtlinien sei «unsinnig». Er erinnerte an die Todesumstände seine Cousins: «Sie haben elf Mal auf ihn geschossen.»

Britische Polizisten hatten den 27-jährigen Brasilianer Jean Charles de Menezes für einen Selbstmordattentäter gehalten und ihn am 22. Juli vergangenen Jahres in der U-Bahn erschossen. Am 7. Juli 2005 waren bei Selbstmordanschlägen in der Londoner U-Bahn 56 Menschen getötet worden.

(sda)