Pakistan

27. April 2009 15:32; Akt: 27.04.2009 15:52 Print

Armee nimmt Taliban unter BeschussArmee nimmt Taliban unter Beschuss

Nach scharfer Kritik der USA hat die pakistanische Regierung Soldaten entsandt, um den Vormarsch der radikalislamischen Taliban aufzuhalten. Sie reagiert damit auf die Ängste des Westen um Pakistans Atomwaffen-Arsenal.

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Seit Beginn der Offensive am Sonntag wurden 46 Menschen getötet. Die Regierung hatte Kampfverbände und paramilitärische Einheiten, die von Hubschraubern und Artillerie verstärkt wurden, in den Bezirk Dir im Norden des Landes geschickt. Bei den Kämpfen wurde nach offiziellen Angaben auch mindestens ein Soldat getötet. Viele Zivilisten flohen und konnten nur das Nötigste mitnehmen. Die Taliban sprachen von neun getöteten Soldaten und zwei eigenen Verlusten.

Am Wochenende hatten die Taliban angekündigt, sie würden sich aus dem Bezirk Buner zurückziehen. Sie waren dort bis auf 100 Kilometer auf die Hauptstadt Islamabad vorgerückt, was internationale Besorgnis ausgelöst hatte. Der Bezirk Dir gehört zur Region, in der der Friedensvertrag gilt, den die Regierung und die Taliban im Februar für das nördliche Swat-Tal vereinbart hatten. Es gestattete den Taliban, in der Region das islamische Recht, die Scharia, einzuführen.

Die USA als wichtigster Verbündeter Pakistans hatten das Abkommen scharf kritisiert. Aussenministerin Hillary Clinton beschuldigte die Regierung in Islamabad, vor den Taliban und anderen Extremisten einzuknicken. Präsident Asif Ali Zardari bat am Montag um Unterstützung aus dem Ausland, damit seine in Finanznöten steckende Regierung verhindern kann, dass das Atomwaffenarsenal in die Hände der Taliban oder des mit ihr verbündeten Terrornetzwerks Al Kaida fällt.

Taliban-Anführer sitzt fest

Taliban-Sprecher bezeichneten den Friedensvertrag am Montag als «wertlos, da die pakistanischen Herrscher handeln, um den Amerikanern zu gefallen». Die Kämpfer seien im Alarmzustand und warteten die Weisung ihres geistlichen Anführers Sufi Muhammad ab. Der Kleriker sitzt derzeit im Dir-Tal fest, seine Anhänger haben den Kontakt zu ihm verloren. Muhammad hatte den Vertrag ausgehandelt.

Die Taliban stellen sich gemäss CNN als «Robin Hoods» dar, welche die konservative und arme Landbevölkerung gegen die regierenden Eliten verteidigen, die als korrupte Unterdrücker gelten. Damit haben sie gemäss einem lokalen Vertreter von Amnesty International offenbar durchaus Erfolg: «Sie verjagen einige Diebe und installieren eine sehr schnelle und harte Justiz. Damit sind sie in gewissen Orten sogar willkommen.» Auch im Bezirk Buner sollen sie laut BBC nach wie vor präsent sein.

Unklarheit über Ausmass der Bedrohung

Über das Ausmass der Bedrohung sind sich die Experten nicht einig. Während die einen vor einem baldigen Sturz der pakistanischen Regierung warnen, mit entsprechenden Konsequenzen für die Atomwaffen, glauben andere eher, dass die Taliban einzelne «Fürstentümer» einrichten wollen. Allerdings gibt es Berichte, wonach die Islamisten bereits einige Zellen in Grossstädten wie Karachi gebildet haben.

Die wachsende Besorgnis im Westen über die Lage in Pakistan dokumentiert auch der geplante Besuch des britischen Premierministers Gordon Brown, den die britische Botschaft am Montag ankündigte. Dabei werde es nicht zuletzt um die Zusammenarbeit im Kampf gegen den internationalen Terrorismus gehen, hiess es.

(pbl/ap)