Memoiren

01. September 2010 11:42; Akt: 01.09.2010 15:26 Print

Blair bezeichnet Brown als «Katastrophe»Blair bezeichnet Brown als «Katastrophe»

«Unerträglich», «schwierig», «null emotionale Intelligenz» – der britische Ex-Premierminister Tony Blair hat in seinen Memoiren mit Nachfolger Gordon Brown abgerechnet.

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Die ewigen Rivalen Tony Blair und Gordon Brown im April 2007, kurz vor der Übergabe der Macht. (Bild: Keystone/rui Vieira)

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In dem am Mittwoch erschienenen Buch «A Journey» («Eine Reise») schreibt Blair, Browns Zeit an der Regierungsspitze sei «eine Katastrophe» gewesen. Es sei von Anfang an «unklug» gewesen, dass ihn Brown als Premierminister ersetzt habe: «Es konnte nicht funktionieren.» Er habe überlegt, Gordon Brown in dessen Zeit als Schatzkanzler zu feuern, hält Blair fest, doch dies hätte «die Partei und die Regierung destabilisiert».

Brown übernahm im Jahr 2007 den Parteivorsitz und das Amt des Regierungschefs von seinem ewigen Rivalen Blair. Dieser hatte zuvor drei Parlamentswahlen in Folge gewonnen; Brown verlor im Mai dieses Jahres gleich seine erste. In der drei Jahre währenden Amtszeit Browns hatte Blair sich öffentliche Kritik an seinem Nachfolger verboten.

In den Memoiren holt er dies nun nach: «Politisches Kalkül: ja. Politische Gefühle: nein. Analytische Intelligenz: absolut. Emotionale Intelligenz: null.» Gordon Brown habe die Wahl verloren, weil er die Reformen von New Labour aufgegeben habe. Blair schreibt aber auch, er habe nie den Respekt vor der «Stärke, Fähigkeit und Brillanz» von Brown verloren.

Irak-Krieg verteidigt

Über den früheren US-Präsidenten George W. Bush äussert sich Tony Blair positiver. Er beschreibt ihn als intelligent, als «wahren Idealisten» und als Mann von Integrität. In «A Journey» verteidigt Blair auch seine Entscheidung, 2003 gemeinsam mit den USA in den Krieg gegen den Irak zu ziehen. «Ich kann die Entscheidung nicht bedauern», schreibt er.

Gleichwohl sei er «unendlich betrübt» über die vielen Toten des Krieges – britische Soldaten, Verbündete, irakische Zivilisten, Diplomaten. Die Zeit nach dem Einmarsch sei «furchtbar» gewesen, er habe aber nie den «Albtraum» erwartet, der sich ergeben habe. Blair will alle Erlöse aus dem Verkauf seiner Biografie einer Hilfsorganisation spenden, die schwerverwundete Kriegsveteranen unterstützt. Medienberichten zufolge hat er bereits vor Veröffentlichung des Buches umgerechnet 7,2 Millionen Franken erhalten.

Verhältnis zum Alkohol

Auf persönlicher Ebene berichtet Blair von seinem Verhältnis zum Alkohol. Er habe «einen Whisky oder einen Gin-Tonic vor dem Abendessen» getrunken, «dann ein oder zwei Gläser Wein». Er habe zwar geglaubt, er habe die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum, aber ihm sei auch klar gewesen, dass die Drinks dabei seien, ihm eine Stütze zu werden.

Wenige Stunden nach seiner Veröffentlichung sprang «A Journey» bei Amazon auf Platz zwei der britischen Verkaufsliste. Das Buch soll in zwölf Ländern erscheinen, die deutsche Ausgabe kommt am 8. September in den Handel. Neben der gedruckten Version wird ein E-Book sowie ein von Blair selbst gesprochenes Hörbuch verkauft.

(pbl/sda/dapd)