Koranverbrennung

09. September 2010 14:06; Akt: 09.09.2010 14:52 Print

Ein Brandstifter empört die WeltEin Brandstifter empört die Welt

von Peter Blunschi - Ein fanatischer US-Prediger will den Koran verbrennen und versetzt die Welt in Aufruhr. Wer ist dieser Mann, der sagt, nur einer könne ihn noch aufhalten?

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Ein Einzelkämpfer bringt die Medien auf Trab: Terry Jones am Mittwoch auf dem Grundstück seiner Kirche in Gainesville. (Bild: Reuters/Scott Audette)

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Hillary Clinton zeigte sich empört: «Es ist bedauerlich, dass ein Pastor in Florida mit einer Kirchengemeinde, die nicht mehr als 50 Mitglieder zählt, diesen empörenden und schändlichen Plan machen kann und die Aufmerksamkeit der gesamten Welt auf sich zieht», schimpfte die US-Aussenministerin. «Aber das ist die Welt, in der wir derzeit leben.»

Eine bizarre Welt, in der Tat. Der 58-jährige Terry Jones, Vorsteher der winzigen Freikirche «Dove World Outreach Center» in Gainesville, hat es geschafft, mit der am 11. September geplanten Verbrennung von mehreren hundert Exemplaren des Korans die Mächtigen gegen sich aufzubringen. Das Weisse Haus, die UNO, der Vatikan und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilten die Provokation. Selbst Hollywoodstar Angelina Jolie befand bei ihrem Besuch in Pakistan, sie finde «kaum Worte» für ein solches Vorhaben.

Er wäscht seine Hände in Unschuld

US-General David Petraeus, der oberste NATO-Kommandant in Afghanistan, fürchtet um die Sicherheit seiner Soldaten. Nicht zu unrecht: «Wenn die USA diese Verbrennung zulassen, gefährden sie nicht nur die Beziehungen zu Afghanistan, sondern auch zur restlichen muslimischen Welt», sagte ein Sprecher des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai zu «Spiegel Online». Bereits gab es erste Demonstrationen und Ausschreitungen.

Terry Jones stört dies offenbar nicht. Die weltweite Empörung scheint den Eiferer mit dem struppigen Haar und dem buschigen Schnauz eher noch anzustacheln. Man sei «nicht verantwortlich für gewalttätige Reaktionen als Vergeltung für unseren Protest», hält die Kirche auf ihrer Website fest. Der Brandstifter wäscht seine Hände in Unschuld. «Wir müssen den radikalen Elementen des Islam eine klare Botschaft senden», erklärte Jones.

Prediger in Köln

Wer aber ist dieser Mann, der es mit seiner Provokation zielsicher verstanden hat, die heutige, im permanenten Aufgeregtheitszustand befindliche Medienwelt aufzuscheuchen? Bis vor rund zweieinhalb Jahren lebte und predigte der ehemalige Hotelmanager in Köln. Dort leitete er die evangelikale Freikirche, die «Christliche Gemeinde Köln». Mit einigem Erfolg, bis 1000 Leute nahmen an den Gottesdiensten des Charismatikers teil.

Jones sei schon immer «radikal in seinem Glauben gewesen», sagen Gemeindemitglieder. Mit der Zeit sei er jedoch immer extremer geworden. Es habe «ein Klima der Angst und Kontrolle geherrscht», sagte ein ehemaliges Mitglied zu «Spiegel Online». Der Pastor und seine Ehefrau Sylvia hätten keinen Widerspruch akzeptiert und immer eindringlicher nach Geld gefragt. Bis heute hält sich der Verdacht, dass Jones Einnahmen aus dem Verkauf von Kleidern und Möbeln in die eigene Tasche gesteckt hat.

Schliesslich wurde der Prediger von der Gemeinde rausgeworfen, worauf er in die USA zurückkehrte. Die Zahl der Mitglieder sank danach auf rund 80. Sie distanzieren sich klar von der geplanten Koranverbrennung. «Das ist nicht das, was unser christlicher Glaube lehrt», sagte Gemeindemitarbeiter Thomas Müller der Nachrichtenagentur DAPD. Terry Jones habe ein «übersteigertes Geltungsbedürfnis», meinte er.

In amerikanischer Tradition

Bei aller Empörung steht Jones durchaus in der amerikanischen Tradition, wie der Religionsexperte der Website «Politics Daily» festhält: Seine Gemeinde ist eine von unzähligen, die sich im Geist der Pfingstbewegung über das ganze Land ausgebreitet haben. Und während sich deren Vertreter einst von der «sündigen», weltlichen Gesellschaft abgewandt hatten, stehen sie seit einigen Jahrzehnten an vorderster Front im politischen «Kulturkampf», gegen Abtreibung, gegen Homosexuelle, gegen den Islam.

In dieses Bild passt auch Terry Jones, einfach in extremster Form. Dass die grosse Mehrheit der evangelikalen Christen in den USA sich gegen ihn stellt, scheint ihn nicht zu bewegen. «Wir werden nicht nachgeben», sagte er am Mittwoch dem Fernsehsender NBC. Ein Hintertürchen allerdings lässt der Brandstifter offen: Gott habe seine Gemeinde zur Koranverbrennung aufgefordert: «Ich vermute, er könnte auch etwas anderes von uns verlangen.»

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  • Giovanna am 13.09.2010 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wer sind denn die wahren Brandstifter?

    Im indischen Teil von Kaschmir haben wütende Muslime eine christliche Missionsschule angezündet, weil in den USA eine Gruppe Christen Koran-Seiten zerrissen hatte. Da die Schule in der Stadt Tangmarg aufgrund von Unruhen bereits zuvor geschlossen worden war, habe es keine Verletzten gegeben, sagte ein Polizeivertreter der Nachrichtenagentur AFP.

  • Giovanna am 13.09.2010 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    Die Iraner drehen durch

    Kaum zu fassen, dass Studenten, von denen man wohl erwarten dürfte, dass sie noch denken können, zu so was imstande sind: "Die Studenten wollten eine Polizeikette vor der Schweizer Botschaft durchbrechen, die in Teheran die diplomatischen Interessen Washingtons vertritt. Die Demonstranten forderten den Tod des evangelikalen Predigers Terry Jones". Das grenzt in meinen Augen an Wahnsinn. Diese Leute sind im wahrsten Sinne des Wortes religionskrank. Wenn Studenten sich zu so was herablassen, was soll man von dem einfachen Volk erwarten? Diese "Religion" ist wahrhaftig höchst gefährlich!

  • Giovanna am 12.09.2010 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Die neue, "korrekte" Demokratie

    Wenn die andauernd beleidigte Leberwürste verzweifelt nach einem Anlass suchen und ihn auch stets finden, um in die Luft zu springen, handelt es sich um ein eindeutig gestörtes Verhalten und massive Minderwertigkeitskomplexe. Dreht einer mal den Spiess um, schon ist der Teufel los und die linkspopulistischen Medien machen uns auf der Stelle darauf aufmerksam, dass in einer Demokratie was für die erste Gattung als völlig legitim gilt, für den Rest selbstverständlicht nicht gelten darf. Ich habe den Verdacht, dass die Linkspolulisten mächtig Angst vor der Religion des Friedens haben.