Ölpest

08. September 2010 08:26; Akt: 08.09.2010 09:13 Print

Golf von Mexiko wird nicht zur «Todeszone»Golf von Mexiko wird nicht zur «Todeszone»

Laut einer Studie der US-Regierung entstehen nach der Öl-Katastrophe keine Todeszonen. Der Bericht rechtfertigt unter anderem den Einsatz von Chemikalien.

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Ölkatastrophe im Golf von Mexiko: Elf Menschen starben, tausende von Vögeln und Fischen sind verendet, über 700 Millionen Liter Öl sind ins Meer geflossen. 20. April 2010: Die Ölplattform Deepwater im Golf von Mexiko explodiert. Elf von 126 Arbeitern sterben, die andern werden evakuiert, drei von ihnen schwer verletzt. 21. April 2010: Die Bohrinsel steht in Flammen. Löschversuche verlaufen erfolglos. 22. April 2010: Deepwater sinkt. Die Ölplattform gehört der Schweizer Transocean mit Sitz im schweizerischen Zug, der britische Konzern BP hat sie von Transocean geleast. 28. April 2010: Ölarbeiter versuchen, eine Sperre um das auslaufende Öl zu errichten. Erfolglos. 30. April 2010: Das Öl erreicht die Küste. Die Pelikane «verölen». 3. Mai 2010: US-Präsident Barack Obama erklärt die Katastrophe zum Ereignis von nationaler Bedeutung. 3. Mai 2010: BP kündigt an, alle Kosten der Katastrophe zu übernehmen. 7. Mai 2010: Eine Stahlbetonglocke wird über das Leck gestülpt. Ohne Erfolg. Mai 2010: Das Sterben geht weiter. Mai 2010: Ölschwaden auf dem Wasser. Mai 2010: Die US-Navy versucht, das Öl kontrolliert abzubrennen. Erfolglos. Mai 2010: Pelikan im mexikanischen Golf. 11. Mai 2010: Protest im US-Senat während eines BP-Hearings. 12. Mai 2010: BP versucht, eine kleinere Glocke über das Loch zu stülpen. Ohne Erfolg. 15. Mai 2010: Protest am Firmensitz der Plattformbesitzerin Transocean in Zug. 26. Mai 2010: Die Aktion «Top Kill» soll das Leck mit Schlamm versiegeln. Erfolglos. 2. Juni 2010: Die US-Behörden leiten strafrechtliche Schritte gegen BP ein. 3. Juni 2010: Das Öl erreicht die Traumstrände Floridas. 17. Juni 2010: BP-Chef Tony Hayward redet von einer «beispiellosen Serie von Fehlern». 29. Juni 2010: BP gibt zu, dass die Schäden eventuell unbezahlbar sind. 2. Juli 2010: Serie von Fehlern geht weiter: Augenzeugen berichten, BP schütte an gewissen Stränden einfach Sand über das Öl. 3. Juli 2010: Der Supertanker «A Whale» wird als Öl-Sauger eingesetzt. Erfolglos. 10. Juli 2010: Ein am 4. Juni installierter Trichter wird entfernt. Das Öl fliesst wieder völlig ungehindert ins Meer. 12. Juli 2010: Eine neue Glocke wird über das Leck gestülpt. 18. Juli 2010: Serie von Fehlern geht weiter: BP veröffentlicht auf ihrer Website ein manipuliertes Foto, das Geschäftigkeit im BP-Katastrophenzentrum vortäuscht. Im Original war der Bildschirm im unteren Bild weiss. Ab 15. Juli 2010: Die neu installierte Absaugglocke schliesst das Leck. Erstmals seit Beginn der Katastrophe fliesst kein Öl mehr ins Meer. Die Verseuchung ist aber nach wie vor omnipräsent. 19.9.2010: Die defekte Ölquelle im Golf von Mexiko ist endgültig versiegelt. Fünf Monate nach Beginn der Ölpest gelang es BP-Experten, die Quelle mehrere Tausend Meter unter dem Meeresboden mit Zement zu verschliessen.

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Bei der Zersetzung des während der BP-Katastrophe im Golf von Mexiko ausgetretenen Öls entstehen Wissenschaftlern zufolge keine gefürchteten «Todeszonen». Das Öl werde von Mikroben zersetzt, ohne dass diese den Sauerstoff im Meer aufbrauchten, heisst es in einer Studie der US-Regierung.

Der Bericht rechtfertigt damit im Nachhinein den umstrittenen Einsatz von Chemikalien, die das Öl weit unter der Wasseroberfläche aufbrechen sollten. In einigen von der Ölpest betroffenen Gebieten sei der Sauerstoffgehalt zwar um 20 Prozent verringert. Dadurch entstünden aber noch keine «Todeszonen», in denen Fische nicht überleben können, heisst es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

In der Tiefe Chemikalien ins Wasser gelassen

Der Konzern BP hatte in 1500 Metern Tiefe rund 2,9 Millionen Liter Chemikalien ins Wasser gelassen. So sollte das Öl in kleinste Tröpfchen aufgebrochen werden, so dass es leichter von Mikroben «aufgegessen» werden kann. Wenn der Sauerstoffgehalt im Wasser auf ein gefährliches Level gesunken wäre, hätten die Behörden den Einsatz der Chemiekeule gestoppt, sagte Greg Wilson von der Umweltbehörde EPA. Bedenken gegen die Mittel gab es unter anderem wegen ihrer Giftigkeit und der langfristigen Auswirkungen auf das Leben im Meer.

Im Auftrag der US-Regierung berieten im Mai rund 50 Wissenschaftler über den Einsatz der Chemikalien und empfahlen trotz anfänglicher Zweifel einstimmig ihre weitere Verwendung, wie Ron Tjeerdema von der University of California Davis erklärte. Ed Overton von der Louisiana State University räumte ein, über mögliche langfristige Schäden durch die Chemiekeule werde man möglicherweise erst in Jahren Bescheid wissen.

(dapd)