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Krieg in Gaza
05. Januar 2009 09:18; Akt: 05.01.2009 09:59 Print
Heftige Bodenkämpfe - überfüllte Spitäler
Zwei Tage nach Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen setzt die israelische Armee ihre Angriffe auf Ziele der radikal-islamischen Hamas-Organisation fort. Auf dem Boden wurden 30 Ziele angegriffen, von der Luft aus 130. Die Spitäler im Gazastreifen platzen aus allen Nähten.
Bei den jüngsten Kämpfen seien sechs israelische Soldaten verletzt worden, berichtete die Zeitung «Haaretz» am Montag in ihrer Onlineausgabe. Hamas-Kämpfer würden mit Panzerabwehrraketen und Mörsern auf die vorrückenden Einheiten feuern.
Sonnenuntergang von der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen aus gesehen am 4. Januar 2009.(Bild: Reuters)
Weltweite Proteste
In mehreren Ländern demonstrierten am Samstag Zehntausende gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen. Die grösste Kundgebung fand mit rund
In Paris gingen nach Angaben der Veranstalter
In Grossbritannien versammelten sich in rund 20 Städten ebenfalls mehr als
In Genf versammelten sich am späten Sonntagnachmittag auf der Place des Nations zwischen 300 und 400 Menschen, um gegen die israelische Militäraktion im Gazastreifen zu protestieren. «Wir sind alle Palästinenser» wurde skandiert.
In Deutschland wurden am Samstag mehr als
In Istanbul riefen Zehntausende Türken in Sprechchören «Tod für Israel» und «Wir sind alle Palästinenser». In Australien demonstrierten am Sonntag etwa 5000 Menschen.
Die israelische Luftwaffe griff in der Nacht nach eigenen Angaben 130 Ziele im Gazastreifen an. Die Angriffe richteten sich laut einer Armeesprecherin vor allem gegen eine als Waffenlager genutzte Moschee in Dschabalija sowie gegen Waffenverstecke in Wohnhäusern und Fahrzeuge, die für den Transport von Raketenwerfern genutzt wurden.
Am frühen Montagmorgen waren in der Stadt Gaza heftige Explosionen zu hören. Die israelische Kriegsmarine bombardierte offenbar die Stadt. Laut Augenzeugen wurden auch die wichtigsten Verkehrsachsen im Gazastreifen bombardiert.
Fünf Kinder getötet
Bei den Angriffen auf Gaza wurden am Montag nach Angaben palästinensischer Ärzte fünf Kinder getötet. Drei Kinder starben demnach durch das Geschoss eines Panzers im Stadtviertel Seitun, zwei weitere beim Beschuss des Flüchtlingslagers Schati durch die israelische Kriegsmarine, wie der Chef des palästinensischen Rettungsdienstes, Muawija Hassanein, mitteilte.
Ein norwegischer Arzt berichtete im Nachrichtensender CNN, dass sich seit Beginn der Bodenoffensive die Zahl der im Spital eintreffenden Verletzten verdreifacht habe. Ein Drittel der Verletzten seien Kinder und Frauen.
Bereits am Vortag hatten Helfer von katastrophalen Verhältnissen in den überfüllten Spitälern im Gazastreifen berichtet.
Gazastreifen geteilt
Israels Präsident Schimon Peres sagte am Sonntag in einem Fernsehinterview, es wäre inakzeptabel, dass die Hamas ihren Raketenbeschuss fortsetze und Israel eine Feuerpause verkünde. «Die Hamas braucht eine echte und ernsthafte Lektion und die bekommt sie jetzt.» Eine erneute Besetzung der Küstenregion schloss Peres aus.
Die israelische Armee hatte den Gazastreifen bei ihrem Vormarsch am Sonntag in zwei Zonen geteilt. Truppen kreisten Gaza ein. Das israelische Radio berichtete, in der Stadt sei es am Montagmorgen zu Schiessereien zwischen israelischen Soldaten und militanten Hamas-Angehörigen gekommen.
Im Norden waren Explosionen zu hören, als die Soldaten vorrückten. Sie forderten die Bewohner auf, ihre Häuser zu verlassen, damit sie bei den Kämpfen nicht verletzt würden. Einige Familien suchten Zuflucht in einer von der UNO geführten Schule.
IKRK besorgt
Das IKRK äusserte sich unterdessen besorgt über die sich verschlechternde humanitäre Lage in dem Palästinensergebiet. Seit zwei Tagen verweigerten die israelischen Behörden einem Ärzteteam des IKRK den Zugang zum Gazastreifen, um das wichtigste Spital der Region, El Schiffa, zu unterstützen, sagte ein Mitarbeiter.
Das UNO-Büro zur Koordinierung humanitärer Einsätze erklärte derweil, im Gazastreifen sei der Strom praktisch komplett ausgefallen. Die Spitäler von Gaza-Stadt seien auf Generatoren angewiesen. Die Notstrom-Anlagen drohten jedoch jederzeit zusammenzubrechen. Im Falle einer Panne seien zahlreiche Patienten in Lebensgefahr.
Seit Israel am 27. Dezember seine Offensive mit Luftangriffen gestartet hat, wurden nach UNO-Angaben mehr als 500 Palästinenser getötet, mindestens ein Viertel von ihnen Zivilisten. Vier Israelis kamen seither bei Raketenangriffen der Hamas ums Leben. Bei der am Samstagabend begonnenen israelischen Bodenoffensive wurde ein Soldat getötet und 48 weitere verletzt.
Bevölkerung gegen Bodenoffensive
Die Unterstützung für den Beginn des Militäreinsatzes war in Israel selbst nach einer Woche gross. Nach einer Umfrage der Tageszeitung «Maariv» unterstützen 85 Prozent der Befragten die laufende Militäroffensive.
Aber jetzt beginnt für Regierung und Armee das Problem: Nur 42 Prozent wünschten sich eine Bodenoffensive. Dazu kommt, dass am 10. Februar in Israel ein neues Parlament gewählt wird. Der Ausgang der Militäroffensive ist für Erfolg oder Misserfolg der gegenwärtigen Regierungskoalition mitentscheidend.
USA verunmöglichen Waffenruhe in Gaza
Ein Entschluss für einen Waffenstillstand ist im Weltsicherheitsrat am Widerstand der USA gescheitert. Eine neuerliche Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand würde von der Hamas nicht befolgt und wäre daher der Glaubwürdigkeit des Weltsicherheitsrats abträglich, sagte der stellvertretende amerikanische UN-Botschafter Alejandro Wolff am Samstag in New York.
Die Initiative ging von arabischen Staaten aus. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach sich am Samstag für einen sofortigen Waffenstillstand aus. Ban telefonierte mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Dabei habe er seine Enttäuschung über den Einmarsch von Bodentruppen zum Ausdruck gebracht.
Der libysche UN-Botschafter Giadalla Ettalhi kritisierte, dass sich die USA allen Bemühungen um einen Kompromiss widersetzt hätten. Der britische UN-Botschafter John Sawers sagte, er sei «sehr enttäuscht», dass keine Entschliessung zustande gekommen sei.
Pentagon war von Anfang an informiert
Das US-Verteidigungsministerium war vorab über den Beginn der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen informiert. Das berichtete der Fernsehsender CNN am Sonntag unter Berufung auf Mitarbeiter des Pentagons. Ein Sprecher des Weissen Hauses, Gordon Johndroe, hatte zuvor erklärt, die US-Regierung stehe in ständigem Kontakt mit Israel. «Wir drücken weiterhin unsere Besorgnis über die Lage der Zivilisten und die humanitäre Situation aus», sagte Johndroe.
Israel hat die USA vor der Bodenoffensive nach den Worten von US-Vizepräsident Dick Cheney jedoch nicht um ihr Einverständnis gebeten. Die Regierung in Jerusalem habe kein OK aus Washington beantragt, erklärte Cheney am Sonntag dem Fernsehsender CBS. Die israelische Führung habe vermutlich entschieden, dass die Luftangriffe gegen die radikalislamische Hamas nicht ausreichten, sagte Cheney.
Schweiz erneuert Aufruf zu Waffenstillstand
Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) appellierte am Sonntag «inständig an die Konfliktparteien, die Feindseligkeiten sofort und dauerhaft zu beenden».
«Der Raketenbeschuss durch die Hamas muss ebenso gestoppt werden wie die israelische Militäraktion, damit die Leiden der Zivilbevölkerung ein Ende nehmen», fordert das Aussendepartement in einer Mitteilung vom Sonntag.



























