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Sexueller Missbrauch
17. März 2010 19:03; Akt: 17.03.2010 19:25 Print
Küng fordert Entschuldigung des Papstes
Der Vatikan hat die Stimmen, die dem Papst Mitwissen bei den sexuellen Übergriffen auf Minderjährige unterstellen, als Verschwörung abgetan. Duch nun fordert auch der Schweizer Theologe Hans Küng mit detailierter Begründung ein päpstliches mea culpa.
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Benedikt XVI. trage als Papst und als langjähriger Präfekt der Glaubenskongregation die Verantwortung dafür, dass die Kirche solche Missbrauchsfälle geheim gehalten habe - zum Schutz ihrer Priester und zum Leidwesen der betroffenen Kinder, schrieb Hans Küng in einem Gastbeitrag für die «Süddeutsche Zeitung» vom Mittwoch. «Die Wahrhaftigkeit würde es verlangen, dass der Mann, der seit Jahrzehnten die Hauptverantwortung für die weltweite Vertuschung hatte, eben Joseph Ratzinger, sein eigenes «mea culpa» (meine Schuld) spricht», schrieb der katholische Tübinger Theologe weiter. «Bei keinem Menschen in der Kirche gingen so viele Missbrauchsfälle über den Schreibtisch wie gerade bei ihm», heisst es dort weiter.
Ein Pfarr-Administrator aus dem Kanton Schwyz hat gestanden, sich in den 1970er-Jahren an mindestens einem Minderjährigen sexuell vergangen zu haben. Das Bistum Chur ist am Montag per E-Mail von einem Opfer des heute 69-jährigen Paters kontaktiert worden, wie das Bistum am Mittwoch mitteilte. Das Opfer bezichtigt den Schweizer, im österreichischen Vorarlberg in Mehrerau bei Bregenz und im deutschen Birnau mehrere Ministranten missbraucht zu haben.
Nachdem das Bistum den seit 1992 in einer Schwyzer Gemeinde als Pfarr-Administrator tätigen Mann mit den Vorwürfen konfrontiert hatte, gab der Mann mindestens einen Übergriff zu, wie Bischofsvikar Christoph Casetti zur Nachrichtenagentur SDA sagte. Der Pater demissionierte nach seinem Geständnis sofort. Auf Empfehlung seines Abtes und des Churer Bischofs Vitus Huonder zeigte sich der Priester zudem bei der Polizei in Bregenz an.
Keine Übergriffe im Bistum Chur
Das Bistum Chur habe bisher nichts über die Übergriffe des Paters gewusst, sagte Casetti. Auch seien bis jetzt keine Straftaten aus der Tätigkeit des Mannes in der Diözese Chur bekannt. Das Bistum ist laut Casetti nur bedingt für den Fall zuständig, da der Priester Mitglied des Klosters Mehrerau ist und nach seiner Demission in keinem Verhältnis mehr zu Chur steht. Man warte jetzt ab, ob sich allfällige Opfer aus der Schweiz melden. Anzeige wegen Missbrauchs hatte das Bistum allerdings vor rund zwei Wochen gegen einen anderen Mann erstattet. Es handelt sich laut Casetti um eine in der Seelsorge tätige Person, die dem Bistum Chur angehört. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.
Von den Missbrauchsfällen bei den Regensburger Domspatzen habe Ratzinger ohne Zweifel gewusst, heisst es in dem Beitrag. Schliesslich sei er acht Jahre lang Professor in Regensburg gewesen und habe eine sehr enge Verbindung zu seinem Bruder Georg gehabt, der damals Domkapellmeister war.
Ratzinger für Vergehen von Pädophilem verantwortlich gemacht
Als Erzbischof von München und Freising habe er die Verantwortung dafür getragen, dass ein wegen sexuellen Missbrauchs versetzter Priester in der Gemeindearbeit in Oberbayern eingesetzt wurde, wo er sich erneut an Jugendlichen verging. Als Präfekt der Glaubenskongregation habe Ratzinger 2001 dafür gesorgt, dass alle Missbrauchsfälle unter päpstliche Geheimhaltung gestellt wurden.
Rigoristisch-verklemmte Sexualmoral
Küng rief die Bischöfe auf, stärker nach den Ursachen des Missbrauchsskandals in der katholische Kirche zu fragen: «Es besteht ein Unterschied zwischen den individuellen Missbrauchsfällen in Schulen ausserhalb der katholischen Kirche und den systematischen und deshalb oft gehäuften Fällen in einer Institution, in der noch immer eine rigoristisch-verklemmte Sexualmoral herrscht, die im Zölibatsgesetz gipfelt.»
Küng fordert seit längerem, das Gebot der Ehelosigkeit für katholische Priester aufzuheben. Weil er das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen bezweifelte, wurde ihm 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.
Bis zu seiner Emeritierung 1996 blieb Küng Direktor des Instituts für Ökumenische Forschung Professor an der Universität im süddeutschen Tübingen. Küng ist ausserdem Initiator und Präsident der Stiftung Weltethos.
(sda)

























