Schlag ins Gesicht

13. Dezember 2009 19:03; Akt: 14.12.2009 08:53 Print

Mann schlägt Berlusconi blutigMann schlägt Berlusconi blutig

Nach einer Parteiveranstaltung in Mailand hat ein Angreifer dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi eine Statuette des Mailänder Doms ins Gesicht geschleudert. Berlusconi verlor zwei Zähe und erlitt einen Nasenbeinbruch. Der Angreifer ist offiziell wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung beschuldigt worden.

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Ein Angreifer hat dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi Medienberichten zufolge am Sonntag bei einer Veranstaltung in Mailand verletzt. Wie die italienischen Medien berichteten, war es dem Mann gelungen, zu dem nach seiner Rede ins Auto steigenden Berlusconi vorzudringen und ihm mit einer kleinen Statue des Mailänder Doms einen Schlag ins Gesicht zu versetzen.

Zunächst hatte es geheissen, der Angreifer habe Berlusconi mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der Regierungschef fiel zu Boden und wurde anschliessend rasch von Einsatzkräften mit einem Auto in Sicherheit gebracht. Das italienische Fernsehen RAI zeigte Bilder Berlusconis mit blutender Lippe (siehe Video unten).

Mit Miniaturausgabe des Mailänder Doms geschlagen?

Kurze Zeit später zeigte sich Berlusconi nochmals - offenbar um zu zeigen, dass er nicht schwer verletzt war. Er wurde nach Angaben des Fernsehsenders Sky TG24 in ein Krankenhaus in der norditalienischen Wirtschaftsmetropole gebracht. Nach Angaben der Ärzte hat der Premierminister wegen einer internen und externen Unterlippenverletzung Blut verloren, zwei Zähne seien beschädigt worden. Zudem erlitt er einen Nasenbeinbruch. Berlusconi, der von seinem persönlichen Arzt behandelt wurde, sei stets bei Bewusstsein gewesen. Er sei wohlauf, müsse aber die nächsten 24 Stunden im Spital beobachtet werden, berichteten die Ärzte nach Angaben italienischer Medien.

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(Quelle: YouTube.com)

Täter ist psychisch angeschlagen

Der Täter wurde nach dem Angriff sofort festgenommen und in U-Haft gesetzt. Er wurde identifiziert. Er ist offiziell wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung beschuldigt worden. Die Klage sei von dem für Terrorismus zuständigen Mailänder Staatsanwalt Armando Spataro erhoben worden, meldete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Sonntagabend. Staatsanwalt Spataro begründete den Vorwurf des Vorsatzes damit, dass der Angreifer auch ein Kruzifix und Tränengasspray in seiner Jackentasche gehabt habe. Beim Angreifer handelt sich um einen 42-jährigen, bisher unbescholtenen Mann. Er sei nicht vorbestraft, ist aber seit rund zehn Jahren wegen psychischer Probleme in Behandlung.

Angriff wurde verurteilt

Ein Sprecher Berlusconis erklärte auf Anfrage zunächst, ihm lägen keine Informationen zu dem angeblichen Zwischenfall bei der Parteiveranstaltung in Norditalien vor. Der konservative Regierungschef hatte dort vor Anhängern eine lange Rede gehalten.

Staatspräsident Giorgio Napolitano verurteilte den Angriff und sprach Berlusconi seine volle Solidarität aus. Die mit Berlusconi verbündete Lega Nord sprach von einem «faschistischen Klima». Auch der Chef der oppositionellen Demokratischen Partei, Pier Luigi Bersani, bezeichnete den Angriff als «unglaublich».

Der in seiner Politik und in seinem Auftreten heftig umstrittene Berlusconi war in Mailand, um eine Mobilisierungskampagne seines rechten Lagers für die Regionalwahlen im März anzuführen. Er hatte eine Rede vor Tausenden Anhängern seiner Partei Pdl (Volk der Freiheit) gehalten und der politischen Linken «Hass und Missgunst» vorgeworfen. Zudem kritisierte er erneut die Richter als «politisiert».

Als «Clown» beschimpft

Zu Beginn der Veranstaltung war Berlusconi von rund einem Dutzend Menschen ausgebuht und ausgepfiffen sowie als «Clown» beschimpft worden. Der Regierungschef rief ihnen daraufhin mehrfach laut zu, sie sollten sich schämen. Daraufhin gerieten die Demonstranten und Ordnungskräfte der Veranstaltung aneinander, woraufhin die Polizei eingriff.

Berlusconi war bereits am Silvesterabend 2004 in Rom leicht verletzt worden. Ein 28-jähriger Maurer aus der norditalienischen Stadt Mantua hatte mit einem Stativ nach ihm geworfen und ihn am Kopf verletzt, als er auf der Piazza Navona spazieren ging. Er wurde zu vier Monaten Haft verurteilt.

(kub/sda/dapd)