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Heftige Kämpfe um Gaza
06. Januar 2009 15:39; Akt: 06.01.2009 20:34 Print
Angriff auf UNO-Schulen: Opferzahl steigt
Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind zwei Schulen der UNO getroffen worden. Dabei kamen mindestens 46 Menschen ums Leben. Auch drei Israelis kamen bei Gefechten ums Leben.
Beim bislang folgenschwersten Angriff seit Beginn der elftägigen Militäroffensive Israels im Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben mindestens 46 Menschen vor einer Schule getötet worden. Wie die Gesundheitsbehörde am Dienstag in Gaza weiter mitteilte, wurden mehr als 150 weitere Menschen verletzt. Nach Augenzeugenberichten hatten sich die Opfer ausserhalb einer UNO- Schule im Flüchtlingslager Dschebalia auf einem Spielplatz aufgehalten, als Raketen und Panzergranaten explodiert seien. Die israelische Armee prüft nach Angaben einer Sprecherin die Berichte.
Die Schule in Dschebalija vor dem israelischen Angriff.(Bild: Keystone/AP)
IKRK stellt «humanitäre Krise» fest
Im Gazastreifen besteht nach Einschätzung des Internationalen Roten Kreuzes eine «humanitäre Krise» in vollem Ausmass. Die Lage für die palästinensische Zivilbevölkerung sei «als Folge von zehn Tagen ununterbrochener Kämpfe extrem und traumatisch», sagte der Delegationsleiter der Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Pierre Krähenbühl, am Dienstag in Genf. Die Nacht zum Dienstag sei nach Informationen von IKRK-Mitarbeitern in Gaza die «bisher schrecklichste» gewesen. Die Zahl von getöteten oder verletzten Bewohnern steige weiter, sagte Krähenbühl. Die prekäre Stromversorgung in der Stadt Gaza könne jeden Augenblick zusammenbrechen, so dass dann auch 500 000 Menschen ohne sauberes Wasser wären
In der Schule des UNO-Hilfswerkes für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) in dem Flüchtlingslager im nördlichen Gazastreifen hatten sich nach Angaben einer UNO-Mitarbeiterin zwischen 800 und 1000 Menschen in Sicherheit gebracht.
Die israelische Armee sei informiert gewesen, dass in einigen UNO- Schulen Familien untergebracht worden seien, deren Häuser zerstört worden waren, sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörde. Ausserdem habe auf dem Dach eine blaue Fahne der UNRWA geweht.
Nach Augenzeugenzeugenberichten wurde die Schule von Kampfflugzeugen und Panzern angegriffen, nachdem militante Palästinenser aus einem an die Schule grenzenden Gebiet mit Mörsergranaten auf israelische Truppen geschossen hatten.
Granatsplitter hätten Löcher in Klassenzimmer gerissen. Schuhe und Kleidungsstücke lägen auf dem Boden verstreut. Überall gebe es Blutlachen. Fenster seien zersplittert.
Nach Angaben der Gesundheitsbehörde handelt es sich um die vierte Schule, die von der israelischen Armee in den vergangenen Tagen angegriffen worden ist. Nach dem bislang tödlichsten Angriff sei die Zahl der palästinensischen Todesopfer seit Beginn der Offensive am 27. Dezember auf über 600 gestiegen. Weitere 2600 Menschen seien verletzt worden.
Israelis bei «Friendly Fire» getötet
Wie die Zeitung «Haaretz» berichtete, kamen drei Soldaten durch Beschuss eigener Truppen ums Leben, ein weiterer sei schwer verletzt worden. Die drei israelischen Soldaten starben, als ein israelischer Panzer ein leerstehendes Gebäude in Dschabalia, in dem die Männer Deckung gesucht hatten, unter Beschuss nahm. 24 weitere Soldaten wurden den Berichten des israelischen Onlinedienstes Y-Net zufolge durch das sogenannte «Friendly Fire» verletzt, vier von ihnen schwer.
Einer befand sich den Angaben zufolge am Morgen noch in kritischem Zustand. Damit erhöhte sich die Zahl der seit Beginn der Militäroperation im Gazastreifen getöteten israelischen Soldaten auf vier.
Israelische Medien berichteten am Dienstagmorgen unter Berufung auf Armeeangaben, dass bei den Kämpfen zwischen israelischen Soldaten und der in Gaza herrschenden radikal-islamischen Hamas allein am Montag schätzungsweise 100 Palästinenser getötet worden seien. 80 Palästinenser seien festgenommen worden. Die Armee habe Gaza praktisch eingekreist. Kämpfer der Hamas hätten die vorrückenden Truppen mit Mörser-Granaten beschossen.
Auch am Montag feuerten militante Palästinenser nach israelischen Angaben wieder mehr als 40 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel ab. Seit Beginn der Militäroperation am 27. Dezember wurden vier Israelis durch Raketen getötet.
Waffenruhe gefordert
Die arabischen Länder versuchten unterdessen in New York, den UNO-Sicherheitsrat zu einer Erklärung zu bewegen, in der eine sofortige und nachhaltige Waffenruhe im Gazastreifen und deren Überwachung durch internationale Kräfte gefordert wird. Am Dienstag wurden Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sowie die Aussenminister Frankreichs und Grossbritanniens, Bernard Kouchner und David Miliband, zu weiteren Gesprächen am UNO-Hauptsitz erwartet.
Die Vorlage der Araber ruft nach Angaben des Liga-Generalsekretärs Amre Mussa auch nach dem Rückzug aller israelischen Truppen aus dem Gazastreifen, der Öffnung der Grenzübergänge, humanitärer Hilfe für die Bevölkerung und neuen Verhandlungen über einen Nahost-Frieden. Israel lehnt eine Waffenruhe bislang ab. Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte dazu am Montag, die Offensive werde fortgesetzt.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy, der sich ebenfalls zu einer Vermittlungsmission in der Region aufhält, rief erneut zu einer raschen Waffenruhe auf. «Wir können nicht verstehen, wie eine Demokratie wie Israel erlauben kann, dass die humanitäre Situation in Gaza immer schlechter wird», sagte Sarkozy nach Gesprächen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Ramallah.
Quelle: SDA/AP
(sda)


























