Selbstmord in der Zelle

27. November 2008 13:41; Akt: 01.12.2008 12:54 Print

Rheinfelden-Mörder: Suizid war genau geplantRheinfelden-Mörder: Suizid war genau geplant

Nach Angaben des Bezirksamtes Aarau hat der vergangene Woche verurteilte Mörder, Klaus L., seinen Suizid genau geplant: «Es gab keine Anzeichen für den Selbstmord». Der Anwalt von Klaus L. möchte trotzdem eine Untersuchung einleiten.

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Mordprozess in Rheinfelden: Grossandrang vor der Urteilsverkündung. (Bild: Simon Ertler/20 Minuten Online)

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«Ich war es nicht und ich mag nicht mehr.» Laut Dieter Gautschi, Bezirksamtmann von Aarau, waren dies die Kernbotschaften des kurzen Abschiedsbriefes, den Klaus L. in seiner Zelle hinterliess. Der wegen Mord an seiner Frau verurteilte L. hatte sich heute gegen vier Uhr früh mit einem Leintuch erhängt. Gautschi sagt, dass es keine Anzeichen für den Suizid gegeben habe. «In seinem Abschiedsbrief schreibt er, er habe alles mögliche gemacht, dass der Suizid nicht bemerkt und verhindert werden könne», so Gautschi.

Zudem sei Klaus L. von einem Arzt durchgecheckt worden und habe sich auch lange mit ihm unterhalten, woraus sich aber keine Anzeichen für einen Suizid ergeben hatten. Trotzdem habe man den 52-Jährigen regelmässig überwacht. «Seine Zelle wurde Tag und Nacht kontrolliert», so Gautschi.

«Suizid erstaunt mich nicht»

Vom Suizid überrascht wurde auch Urs Oswald. Der Verteidiger von Klaus L. habe seinen Mandanten seit dem Wochenende nicht mehr gesehen, und damals habe es keine konkreten Anzeichen für einen Selbstmord gegeben. «Erstaunt bin ich aber nicht», sagt Oswald. Sein Mandant habe durch das Urteil unter enormer Belastung gestanden. Die zwei Jahre in der Isolationshaft hätten an ihm genagt, «er hatte keine Kraft mehr». Genau dies schrieb L. in seinem Abschiedsbrief, wie Gautschi sagt: «Er schrieb, er habe keine Kraft mehr, sich gegen die Vorwürfe zu wehren und seine Unschuld zu beteuern.»

Laut Oswald habe Klaus L. für heute Nachmittag um vier Uhr einen Termin mit einem Psychiater gehabt. «Warum dies aber erst sechs Tage nach der Urteilsverkündung geschehen sollte, ist mir unklar», so Oswald. Er will sowohl die Haftbedingungen wie die Todesumstände thematisieren. «Ich werde den Finger auf jeden wunden Punkt halten, der auftaucht.»

Gautschi sagt: «Man hat alle nötigen Schritte eingeleitet um einen solchen Vorfall zu verhindern.» Ob es trotzdem Versäumnisse des Gefängnisses gab, und was die genaue Todesursache von Klaus L. war, wird die eingeleitete Untersuchung ergeben. Das Bezirksamt Aarau will innerhalb eines Monats die Untersuchung beenden und über das Resultat informieren, so Gautschi.

Zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt

Das Bezirksgericht Rheinfelden hatte den Physiotherapeuten nach einem acht Tage dauernden Indizienprozess am Freitag des Mordes schuldig gesprochen und ihn zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Kaum hatte die Gerichtspräsidentin das Wort «schuldig» ausgesprochen, brach der Verurteilte zusammen.

Unschuld immer beteuert

Der 52-Jährige hatte den Mord an seiner Ehefrau von Anfang an bestritten. An dieser Version hielt er bis zu seinem Tod fest. Der ehemalige Leiter der Physiotherapie in der Reha-Klinik Rheinfelden sass während rund zweieinhalb Jahren in Einzelhaft im Untersuchungsgefängnis. Weil er nie ein Geständnis abgelegt hatte, konnte er nicht in den vorzeitigen Strafvollzug verlegt werden.

(meg/sda/amc)