Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
09. Dezember 2006 12:11; Akt: 09.12.2006 18:25 Print
Basel: Strafverfahren wegen Erdbeben
Nach dem Auslösen eines unerwartet starken Erdbebens in Basel hat die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Nach dem unerwartet heftigen Erdstoss, der am frühen Freitagabend den Raum Basel erschüttert hatte, bleiben die Arbeiten am Geothermieprojekt «Deep Heat Mining» vorläufig eingestellt. Das Erdbeben der Stärke 3,4 hatte zahlreiche Leute aufgeschreckt.
Ausgelöst wurde das Erdbeben beim Einpressen von Wasser in eine Tiefe von fünf Kilometern. Die Verantwortlichen der für das Projekt zuständigen Geopower Basel AG entschuldigten sich am Samstag vor den Medien dafür, die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt zu haben. Eine Gefährdung habe jedoch nicht bestanden.
Strafverfahren eingeleitet
Die Basler Staatsanwaltschaft eröffnete noch am Freitagabend ein Strafverfahren gegen die Projektverantwortlichen und stellte Daten sicher. Als Straftatbestände in Frage kommen Sachbeschädigung und Schreckung der Bevölkerung.
Nach dem von einem lauten Knall begleiteten Erdstoss gingen bei den Rettungsdiensten rund 1000 Anrufe ein, wie Einsatzleiter Rolf Meyer von der Krisenorganisation Basel-Stadt sagte. Rund zehn Meldungen betrafen Sachbeschädigungen wie Risse in der Fassade oder herunter gefallene Gegenstände. Die Bevölkerung wurde via Radio über das Erdbeben informiert. Verletzt wurde niemand.
Als das Erdbeben der Stärke 3,4 auf der Richterskala um 17.48 Uhr den Raum Basel erchütterte, hatte die Geopower die auslösenden Einpressversuche mit Wasser bereits gestoppt. Denn schon am frühen Freitagmorgen um 4.06 Uhr hatte ein Erdstoss der Stärke 2,7 viele Menschen aufgeschreckt. Nun lässt die Geopower den Druck auf das natürliche Niveau absinken.
Die für das Geothermieprojekt «Deep Heat Mining» nötigen Einpressversuche wurden Anfang Dezember in Kleinhüningen gestartet. Unter hohem Druck wurde Wasser durch eine 5009 Meter tiefe Bohrung ins Gestein gepresst, um dessen Durchlässigkeit zu erhöhen. Aus der Tiefe soll dereinst Wärme für ein Pilot-Kraftwerk gewonnen werden.
Erdbeben erwartet
Dass es bei den Einpressversuchen zu Erdbeben kommen kann, hatten die Projektverantwortlichen erwartet. Entsprechende Ereignis- und Massnahmenpläne waren denn auch Bestandteil der Baubewilligung, wie es an der Medienkonferenz hiess. Hingegen waren auch Fachleute von der Intensität des Erdstosses vom Freitagabend überrascht worden.
Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) hat seit Dienstagabend rund um das Bohrloch Kleinhüningen rund 100 Erdbeben registiert. Von diesen erreichten vereinzelte wie erwartet eine Magnitude zwischen 2 und 3. Bei den übrigen Erdstössen waren die Werte tiefer.
Eine Erdbeben der Stärke 3,4 sei nicht zu erwarten, aber auch nicht auszuschliessen gewesen, sagte Nicolas Deichmann vom SED. Beben dieser Stärke gebe es in der Schweiz pro Jahr drei bis vier, Schäden gebe es dabei jeweils keine.
Dass der Erdstoss in Basel so gut zu spüren war, führt Deichmann auf die geringe Kerntiefe von fünf Kilometern zurück. Auch am Samstag wurden noch Erdstösse registriert.
Projekt sistiert
Die Verantwortlichen der Geopower sistierten das Projekt am Freitagabend, noch bevor die kantonale Krisenorganisation dies verlangen konnte. Die Ereignisse und Messresultate werden nun wissenschaftlich untersucht. Bereits in zwei Wochen soll ein Expertentreffen stattfinden.
Für die Basler Regierung und die Behörden soll ein Bericht ausgearbeitet werden. Für die Bevölkerung wurde zudem ein Call Center eingerichtet, das ab Sonntag unter der Nummer 061 275 97 50 erreichbar ist.
Die Weiterführung des Projekt und damit auch die zweite geplante Bohrung hängt laut der Geopower vom Ergebnis der Abklärungen ab. Bisher wurden in das Projekt mit Gesamtkosten von 80 Mio. Fr. rund 56 Mio. Fr. investiert.
Ein Abbruch wäre weltweit ein negatives Signal, hiess es. Das Basler Projekt will den Nachweis erbringen, dass sich mit Tiefengeothermie nachhaltig Wärme und Strom gewinnen lassen.
(dapd)

























