Die Löcher von Hellikon

14. Januar 2010 11:04; Akt: 14.01.2010 11:31 Print

Wie ein Fass ohne BodenWie ein Fass ohne Boden

von Marius Egger - Die Höhlenforscher haben in Hellikon weiterführende Gänge entdeckt. Ein Höhlensystem gibt es nicht. Doch die beiden Erdlöcher könnten unterirdisch verbunden sein - und den Acker weiter zum Einsturz bringen.

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Der Krater der ersten Doline, die am 20. Dezember entdeckt wurde. Am 12. Januar 2010 seilten sich Höhlenforscher in die Erdlöcher ab und machten die ersten Bilder. Knapp 14 Meter misst der tiefere der beiden Krater. Die Forscher entdeckten weiterführende Gänge. Diese waren sind jedoch unpassierbar. Gefahr in idyllischer Schneelandschaft: Die Dolinen in Hellikon im Kanton Aargau. Trotz der Abschrankungen gibt es immer wieder Schaulustige, welche die Löcher im Feld aus der Nähe betrachten. Am Dienstagmorgen sind die Geophysiker eingetroffen. Sie untersuchen den Untergrund mit elektrischen Messungen. In einer Begehung nehmen die Wissenschaftler einen ersten Augenschein von den Löchern. Die warme Luft aus dem Untergrund steigt als Dampf aus dem Boden. Der Schnee erschwert die Untersuchungen. Ziel ist herauszufinden, wie weit sich die unterirdischen Hohlräume erstrecken. Möglicherweise sind sogar Häuser gefährdet. Die Wissenschaftler verlegen Kabel für den elektrischen Strom Dieser wird über Stangen in den Boden eingeführt. Und mit einem Messgerät gemessen. Die Medien sind zahlreich vor Ort. Für die Löcher im Boden interessieren sich auch Höhlenforscher. Sie wollen in die Dolinen einsteigen. Ausgerüstet dafür sind fünf Personen. Begleitet von den Medien begeben sich die Höhlenforscher zu einer Doline. Dort begutachten sie zuerst das Loch im Boden. Der Höhlenforscher Fabrice Franz steigt in die Doline ein. Er ist von einem Kollegen gesichert. Doch die Höhle führt nicht weit. Und zu instabil ist das Erdreich. Die Doline droht einzustürzen.

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Es war ein waghalsiges Unterfangen. Das weiss auch Andy Blaser. «Im Moment ist es sehr kriminell, da hinunter zu steigen», sagt das Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung Sektion Nordwest-Schweiz. Trotzdem wagten Blaser und sein Kollege Fabrice Franz am Dienstag den Abstieg in die mittlerweile berühmten Löcher von Hellikon. Und brachten so als erste Fotos aus den Tiefen des Aargauer Acker mit (siehe Diashow).

Eine gröbere Sache

«Wir haben Fortsetzungen entdeckt. Aber die sind schlicht unpassierbar», sagt Blaser. Mit einem Höhlensystem hätten sie nicht rechnen können. Doch ganz unspektakulär sind die Erkenntnisse aus den Tiefen dennoch nicht. «Wir vermuten, dass die beiden Löcher unterirdisch zusammenführen», sagt Blaser und gibt zu Bedenken: «Wenn der Boden taut, könnte das eine gröbere Sache geben.» Will heissen: Weitere Teile des Ackers drohen einzubrechen oder könnten sich zu einem grossen Krater ausweiten. «Risse an der Oberfläche deuten darauf hin, dass sich die Einsturzlöcher noch vergrössern werden und weitere tiefe Krater entstehen», schätzt auch Geologe Peter Lüdin.

Wie gross das Ausmass tatsächlich ist, wird durch Geowissenschaftler weiter abgeklärt. Christoph Donié vom Expertenteam, das mit den Messungen beauftragt wurde, hinkt dem Fahrplan hinterher. Erste Erkenntnisse haben die Experten trotzdem. Gemeinderat Josef Hasler hat diese erste Einschätzung erhalten, wie die «Basler Zeitung» berichtet. Die Nachricht hat ihn nicht gefreut: «Es hat mich schon überrascht, dass die Geologen eine weitere Gefahr nun noch im Hang auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse orten.» Gefahr für das Dorf bestehe vorläufig nicht, der Gemeinderat möchte aber langsam wissen, was Sache ist, so Hasler weiter.

Wird die Doline zum Abfallkübel?

Dolinen sind in der kalkhaltigen Umgebung allerdings kein neues Phänomen. Sie entstehen, wenn Wasser im Kalkgestein unterirdische Hohlräume auswäscht und diese einstürzen. Bereits vor 20 Jahren seien rund 2 Kilometer vom jetzigen Standort Dolinen aufgetaucht, sagt Höhlenforscher Andy Blaser. Damals habe man zur Stabilisation Eisenbahnschwellen im Loch verlegt und die Löcher aufgefüllt. «Wegen der Grundwasserverschmutzung darf man heute aber keine Bahnschwellen mehr verwenden», sagt Blaser. Auch Bauschutt oder Beton seien aus demselben Grund nicht erlaubt. Wie der Acker wieder begehbar gemacht werden kann, ist derzeit offen. Nach den Erforschungen ist für Blaser aber klar: «Einfach Kies hineinschütten dürfte schwierig werden. Dieser Acker ist ein Fass ohne Boden.»

Bleibt zu hoffen, dass die Erdlöcher nicht zum Abfallkübel verkommen. Diese Befürchtung ist laut Blaser nicht unbegründet. Vor allem im Westschweizer Jura und in Frankreich habe er dieses Problem schon angetroffen. In Frankreich sollten die Höhlenforscher einst eine Grube von Kadaver befreien, die von Unbekannten in einer Doline versenkt wurden. Die Übung musste abgebrochen werden. Blaser: «Die Gase waren zu stark.» In Hellikon ist das bisher noch nicht passiert. «Die Löcher waren sauber.»

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  • André Fischer am 03.02.2010 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    an den Kopfschüttler

    Wie man über "so was" Witze machen kann? Ganz einfach, indem man über Humor verfügt. Und zur Beantwortung Ihrer zweiten Frage. Ja, das würde ich wohl.

  • Reto Kieser am 27.01.2010 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    mit Kies auffüllen zum 2ten

    Manchmal zweifle ich schon etwas an Entscheidungsträgern: Mit Kies auffüllen und erledigt ist das ganze. Ein Gutachten hat ja nichts gebracht. Also nichts für die Gemeinde, für den Gutachter vermutlich $$$. Im Sponsoring Zeitalter dürfte für Werbefläche ein gratis Kieslieferant aufzutreiben sind: . Oder so.

  • julius am 27.01.2010 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Hellikon-Löcher

    Soeben habe ich (gerüchteweise) vernommen, dass das schweizerische Landesmuseum im Sommer 2010 diese Löcher für die Oeffentlichkeit ausstellen wird. Die SBB planen viertelstündliche Extrazüge nach Zürich. Ein Spezialzug fährt jeweils langsam durch die Löcher.