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Bootsdrama auf Bielersee
30. Juli 2010 13:41; Akt: 30.07.2010 16:13 Print
Bootsführer, 74, meldet sich zu Wort
Der 74-jährige Tatverdächtige hält es «für undenkbar», mit dem Unglück auf dem Bielersee etwas zu tun zu haben. Laut Polizei steht er aber im Mittelpunkt der Ermittlungen.
Kurz nachdem die Polizei heute Freitag den Fokus auf den 74-Jährigen Bootsführer gerichtet hat, meldet sich dieser über seinen Anwalt zu Wort. Der verdächtige Bootsführer hält eine Beteiligung an dem tragischen Bootsunglück vom 11. Juli auf dem Bielersee «für undenkbar», wie er am Freitag in einer Mitteilung schreibt.
Er sei an jenem Tag tatsächlich am späten Nachmittag mit seinem Boot auf dem Bielersee unterwegs gewesen, schreibt der 74-Jährige in einer von seinem Anwalt verbreiteten Stellungnahme. Weder er noch die beiden anderen Personen auf dem Boot hätten etwas Aussergewöhnliches festgestellt.
«Schwere Belastung»
Bereits am 13. Juli habe die Seepolizei sein Boot untersucht. Am 15. Juli sei er von der Polizei befragt worden. Er habe alle verlangten Auskünfte der Wahrheit entsprechend erteilt.
Er begrüsse es, dass sein Boot sichergestellt worden sei. Es liege in seinem Interesse, dass der Fall rasch aufgeklärt werde. «Ich hoffe sehr, dass der Verdacht, welcher für meine Frau und mich eine schwere Belastung darstellt, durch die technischen Untersuchungen am Boot entkräftet wird.»
Unabhängig von den Ermittlungen spricht der Bootsführer der Familie und dem Verlobten des Opfers sein Beileid aus.
Im Fokus der Ermittlungen
Die Polizei allerdings bestätigte heute, dass der 74-Jährige aus der Region Biel im Fokus der Ermittlungen steht – wie zuvor in verschiedenen Medienberichten spekuliert worden war. Er bestritt aber auch gegenüber den Journalisten jegliche Schuld.
Der Polizei sagte er offenbar dasselbe: «Er erklärte in ersten Befragungen, am fraglichen Tag auf dem See gewesen zu sein, aber vom Unglück nichts mitbekommen und damit nichts zu tun zu haben», schreibt die Polizei in einer Medienmitteilung. Am 11. Juli wurde er von zwei Personen auf dem Bootsausflug begleitet, doch auch diese wollen «vom Unglück keine Kenntnis genommen haben». Bei den Mitinsassen handelt es sich um «zwei Frauen aus dem Umfeld des Mannes», sagt Polizeisprecher Michael Fichter zu 20 Minuten Online.
Übereinstimmende Beschreibungen
Die Übereinstimmungen zu den Aussagen von Stephan F., dem einzigen Augenzeugen des Unfalls, sind frappant: Gemäss seinen Aussagen befanden sich auf dem Schiff «zwei bis drei weitere Personen». Auch der Bootstyp und die Beschreibung des Besitzers decken sich mit den Aussagen von Stephan F., dem Freund der beim Unfall getöteten Angela.
Wie die Polizei in der Mitteilung weiter schreibt, sei das Boot des 74-Jährigen «von mehreren Personen vor oder nach dem Unglück gesehen worden». Das Boot hat die Polizei bereits beschlagnahmt, wie sie nun bestätigte. Der Mann wurde nicht in Untersuchungshaft genommen. «Es liegen keine Haftgründe vor», sagt Fichter auf Anfrage. Haftgründe sind unter anderen Kollusionsgefahr und Fluchtgefahr.
Ermittlung wegen fahrlässiger Tötung
«Die Suche nach möglichen Spuren des Unfalles an dem Boot ist sehr aufwändig», bremst die Polizei die Erwartungen auf eine schnelle Aufklärung des Unglückes. Die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung dauern an. Bis zu einer allfälligen Verurteilung gelte nach wie vor die Unschuldsvermutung.
Ob es sich bei dem 74-Jährigen um dieselbe Person handelt, die sich laut Medienberichten bei seiner Versicherung über die Haftung von Personenschäden mit Motorboot erkundete, ist unklar. Das Alter stimmt aber offenbar exakt überein. Der Mann soll seiner Versicherung mitgeteilt haben, er habe «Mist gebaut».
Die weiteren Ermittlungen werden von der Sonderkommission (Soko) getätigt, die wenige Tage nach dem Bootsdrama eingesetzt wurde. Wie die Polizei heute mitteilte, wurde die Soko per sofort personell reduziert.
(amc/meg/sda)


























