Drama von Biel

11. September 2010 06:51; Akt: 11.09.2010 09:48 Print

Polizei jagt Peter K. im IndustriequartierPolizei jagt Peter K. im Industriequartier

Am Freitagabend durchkämmte die Polizei die Wälder und Felder im Osten Biels auf der Suche nach Peter K. Mit einem Grosseinsatz im Industriequartier Biel-Bözingen konnte er aber nicht gefasst werden.

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Neun Tage lang hielt der Amokrentner Peter Hans Kneubühl im September 2010 Biel in Atem. Er wurde dem Amok-Rentner zum Verhängnis: Diensthund Faro steht im Sold der Kapo Basel-Land und stellte Peter K. im Morgengrauen des 17. Septembers 2010. Dem Gemüsebeet im unteren Bildrand entlang ging Peter, als die Polizei eintraf. Die Polizisten verfolten ihn. Dann liess der Hundeführer Faro los. Als der Hund Peter K. stellte, liess er sich widerstandslos festnehmen. Er wurde durch den Hundebiss leicht verletzt, war aber ansonsten in guter gesundheitlicher Verfassung. Die Fähnchen zeigen den Weg von Peter K. Wollte er sich im Gemüsefeld gerade sein Frühstück holen? Die Stelle befindet sich am Waldrand, nur 15 Minuten von der Taubenlochschlucht entfernt am Rand der Stadt Biel. Seither sitzt der brühmteste Rentner von Biel im Regionalgefängnis in Untersuchungshaft. Noch am Vortag war die Polizei einem Hinweis aus Pieterlen BE nachgegangen. Mit Hunden jagten sie über ein Feld in Richtung Schrebergärten. Ausgangspunkt war offenbar das Altersheim in Pieterlen. Am Nachmittag des 16. Septembers, kurz vor drei Uhr, waren dort Kastenwagen vorgefahren. Im Altersheim soll eine Tante des Amok-Rentners wohnen, erzählten Anwohner. Die Kapo Bern veröffentlichte am 13. September ein neues Foto, das dem bisherigen nicht gerade ähnlich sieht. Ein zweites neu veröffentlichtes Bild zeigt den 67-Jährigen als Heimwerker. Bisher stellte sich die Kapo Bern Peter K. so vor. Sie hatte ein Bild aus den 80er-Jahren künstlich altern lassen. Doch das Bild zeigte den Vater von Peter K. «Peter, bitte melde dich»: Mit diesen Flugblättern versuchte die Kapo Bern Kontakt mit Peter K. herzustellen. Die Polizei warf diese am Montag in der Region Biel aus Kleinflugzeugen. Peter K. fand auch Anhänger: Am Montag 13. September demonstrierten rund 20 Personen für Peter K. und forderten einen «Notausgang» für den Rentner. Während Peter K.s Flucht bewachten ununterbrochen Polizisten das Lindenquartier in Biel. Die Schule blieb geschlossen. Denn laut Gerüchten von Anwohnern soll er in der Nacht auf Sonntag 12. September zum zweiten Mal bei seinem Haus aufgetaucht sein. Vermutungen wurden auch laut, Peter K. habe ein unterirdisches Gangsystem gebaut. Mit Spezialgeräten suchte die Polizei darum nach Hohlräumen. In der Nacht auf Donnerstag 8. September 2010 war Peter K. aus dem Haus am Mon-Désirweg in Biel geflohen, nachdem er sich dort über 20 Stunden verschanzt hatte. Das Haus war in einem ungepflegten Zustand: Der Garten war verwildert ... ... das Garagentor beschädigt. Peter K. soll das Haus seit einem Jahr kaum verlassen haben. Es soll aber im Mittelpunkt des Dramas stehen: Nach Informationen der Behörden sollte das Haus im Bieler Lindenquartier zwangsversteigert werden. In der Folge hatte sich der 67-Jährige am Mittwoch vor dem ersten Besichtigungstermin darin mit seinem Gewehr verschanzt. Die Polizei hatte versucht, mit Peter K. zu sprechen. Mehrere Polizeifahrzeuge, eine Ambulanz und Feuerwehrleute waren aufgefahren. Doch Peter K. war nicht bereit zum Gespräch: Er verbarrikadierte sich im Haus... ...die Polizei rückte deshalb mit einem Grossaufgebot an. Die Beamten umstellten das Wohnhaus. 40 Personen mussten aus dem Quartier evakuiert werden oder konnten nicht nach Hause gehen. In der Nacht auf Mittwoch eskalierte die Situation: Peter K. schoss mehrmals auf Polizisten und verletzte einen Beamten schwer - obwohl dieser eine schusssicheren Weste trug. Derweil entwich der Rentner - unbemerkt. Die Polizei bemerkte anscheinend erst gegen Mittag, dass der Senior geflohen war. Die Polizei weitete in der Folge das Suchgebiet aus. (Bild von der Berner Kantonspolizei zur Verfügung gestellt) Ein Armeehelikopter kreiste über Biel mit Wärmebildkamera. Der naheliegende Wald wurde genauso zum Zielgebiet wie Büren an der Aare. Dutzende Mitglieder von Spezialeinheiten aus der ganzen Schweiz standen im Einsatz. Doch Peter K. ist weiterhin flüchtig und «mit einem Gewehr bewaffnet und gefährlich», meinte François Gaudy, Polizeichef der Region Berner Jura/Seeland, an einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag. Die Bevölkerung müsse zwar nicht beunruhigt sein, Gaudy mahnte allerdings zur Vorsicht. Im Verlauf des Donnerstags suchte die Polizei an Bushaltestellen, ... ... in Parks, ... ... in Gärten, ... ... an Quartierstrassen und am Bahnhof in Biel nach dem Rentner. Das gesamte Lindequartier wurde am Donnerstagmorgen 9. September abgeriegelt und die Schule geschlossen. Eine landesweite Fahndung wurde ausgelöst: Dennoch konnte Peter K. in der Nacht auf Samstag, 11. September nochmals zurückkehren, erneut auf Beamte schiessen und wieder abtauchen.

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Grössere Polizeikräfte hatten sich gemäss einem Leser-Reporter am Freitagabend gegen 20:30 Uhr in der Nähe des Rolex-Neubaus in Biel-Bözingen formiert. Ihr Ziel: Den seit Tagen flüchtigen Peter K. aufspüren. Im Wiesland im Anschluss ans Industrie- und Gewerbequartier und im nahe gelegenen Wald wimmle es von Polizisten. «Scharfschützen liegen im Gras auf der Lauer», berichtet der Leser-Reporter. Zwei Helikopter seien in der Luft.

Plötzlich sei Hektik aufgekommen, als Polizisten mit Nachtsichtgeräten und Hunden ein Feld durchsuchten. Der Leser-Reporter konnte aus der Distanz nichts ausmachen, was nach einer Verhaftung aussah.

Nach der Aktion hätte sich ein Teil der Beamten bei einem Schützenhäuschen versammelt, andere seien direkt weggefahren. Um 22:45 durchsuchten sie scheinbar den Wald südlich des Industriequartiers und der A5. Ein Helikopter zog dort seine Runden. Ein zweiter Leser-Reporter bestätigte, dass sich die Suchtrupps nun scheinbar wieder in Richtung Lindenquartier orientieren. Dort hatte das Drama am Freitag seinen Anfang genommen und dorthin war Peter K. in der letzten Nacht zurückgekehrt, um erneut das Feuer auf die Polizei zu eröffnen.

Polizei mit «getarnten Einsatzkräften»

Hinweise und Erkenntnisse aus der Bevölkerung hätten zwar zu mehreren Interventionen im Grossraum Biel geführt, schreibt die Polizei am Freitagabend in einem Communiqué. Dennoch habe der Gesuchte bisher nicht gefasst werden können.

Die Untersuchungsbehörden glauben, dass es Peter K. vor allem auf Polizei und Verwaltungsstellen abgesehen hat. Für die Bevölkerung bestehe «keine unmittelbare Gefahr». Sie gehen allerdings davon aus, dass Peter K. erneut sein Wohnhaus im Bieler Lindequartier aufsuchen könnte. Das hatte er bereits in der Nacht auf Freitag getan und dabei auch mehrere Schüsse auf Beamte abgegeben, aber keinen verletzt.

Die Polizei will das Quartier weiterhin scharf bewachen. Ein Teil der sichtbaren, uniformierten Präsenz soll aber durch «getarnte Einsatzkräfte» ersetzt werden, wie es in der Medienmitteilung heisst.

Am Freitagnachmittag kreiste ein Super-Puma der Armee mit einer Wärmekamera längere Zeit über Magglingen oberhalb von Biel. Bewaffnete Polizisten kontrollierten den Eingang zur Seilbahn, dem Funic, das von Biel in die Nachbargemeinde hinauffährt, wie ein SDA-Korrespondent vor Ort feststellte. Kurz vor 15 Uhr seien aber in Leubringen/Magglingen keine Polizeikräfte mehr zu sehen gewesen.

Erneute Schüsse auf Polizisten

In der Nacht auf Freitag hatte Peter K. erneut auf Polizisten geschossen. Kurz nach 00.30 Uhr erschien er in der Nähe seines Hauses im Bieler Lindenquartier und schoss unvermittelt auf die Polizei. «Wir erwiderten sofort das Feuer, ohne Peter K. allerdings zu treffen», erklärte François Gaudy an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz. Der Bieler Polizeichef gestand gleichzeitig ein, dass die Polizei am Donnerstag «keine konkreten Anhaltspunkte zum Aufenthaltsort des Täters gehabt hat». Offenbar überraschte der 67-Jährige die Polizei – trotz Schusswechsel konnte er vom Tatort fliehen. Gemäss Gaudy schoss er aus «aus grosser Distanz, weshalb wir ihn nicht gleich sahen.»

«Zuerst sind drei Schüsse gefallen. Nach einer kurzen Pause folgten zwei weitere», sagte ein Nachbar zu 20 Minuten Online. Wenige Minuten nach dem Schusswechsel kreiste erneut ein Armeehelikopter über dem Lindenquartier. Laut dem Anwohner waren in der Nacht nur noch wenige Polizisten im Quartier präsent, die sich vor allem auf den Kreuzungen zeigten. Nach dem Vorfall fühlt er sich von der Polizei nicht mehr beschützt – und spricht deutliche Worte: «Der Polizeieinsatz wirkte auf mich stümperhaft.» Polizeichef Gaudy verteidigte den Einsatz an der Medienkonferenz: Man habe nach dem Schusswechsel sofort die Einsatzkräfte verstärkt. «Peter K. hat immer noch einen Vorsprung vor uns», so Gaudy. Er kenne im Quartier jedes Haus und jeden Busch. «Die Fahndung läuft und wir sind an ihm dran.»

Hier jagte die Polizei am Freitagabend Peter K.

Polizei befürchtete Sprengsatz

Die Polizei ist offenbar vom Gewaltpotenzial des 67-Jährigen überrascht worden: «Peter K. ist äusserst gewalttätig, mehr als wir uns vorstellen konnten», so Gaudy im Rückblick auf die Geschehnisse in der vergangenen Nacht. Das fliesse in die weitere Einsatzplanung ein. Die Polizei wird wohl nicht mehr zögern, auf Peter K. zu schiessen. Der Grund scheint klar: Gemäss Gaudy wollte man das Haus nicht stürmen, weil man befürchtete, dass er über «Waffen verfüge, die ein Haus hochgehen lassen» könnten. Der Polizeichef betonte aber an der Medienkonferenz, dass sich seine Wut «wohl gegen die Behörden und die Polizei richte».

Die Geschehnisse seien für die Polizei wie die Bevölkerung «schwierig». Gaudy ruft die Bevölkerung auf, nicht in Panik zu geraten, die Augen offen zu halten und auffällige Sachen zu melden. Und dies gelte nicht nur für die Quartierbewohner: Gemäss Gaudy sei die Wahrscheinlichkeit gross, dass Peter K. das Lindenquartier verlassen hat. Die Quartierbewohner konnten inzwischen tatsächlich wieder zurück in ihre Häuser und sich vor allem auch frei bewegen, wie ein Augenschein vor Ort zeigt. Allerdings bleibt die Schule im Quartier auch am Freitag geschlossen.

Der Grosseinsatz läuft weiter

Vor dem Haus von Peter K. ist um acht Uhr ein Schreiner vorgefahren, Polizeifotografen waren am Werk. Der Bereich rund um das Haus bleibt abgesperrt. Auch die Spurensicherung ist vor Ort eingetroffen. Es machte den Anschein, als hätte die Polizei den 67-Jährigen gefasst. Doch der Schein trügt: «Peter K. ist immer noch auf der Flucht», sagt Polizei-Sprecher Stefan von Below. Es laufe immer noch ein Grosseinsatz. «Die Polizisten werden situativ verschoben, weshalb es den Eindruck erwecken kann, dass sie abrücken», so von Below.

Die Polizei steht seit 48 Stunden mit einem Grossaufgebot im Einsatz. Seit Donnerstagabend läuft eine Fahndung nach Peter K. Die Polizei hat aus diesem Grund ein Bild veröffentlicht und die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche gebeten. Die Behörden gehen davon aus, dass der Senior gewaltbereit ist. Hinweise erbittet die Polizei an die Nummer 031 634 34 34.

«Er schoss ohne Vorwarnung auf den Polizisten»

Das Drama um Peter K. begann bereits am Mittwochmorgen (siehe Infobox). Seither belagerte die Polizei das Haus von K. In der Nacht auf Donnerstag eskalierte die Situation: «Um ein Uhr ist der Täter aus dem Haus gekommen und hat mit einem Gewehr ohne Vorwarnung auf die Polizisten geschossen», sagte ein Polizeisprecher. Ein Beamter sei trotz einer schusssicheren Weste schwer verletzt worden. Nach einer Notoperation sei der Gesundheitszustand stabil. K. konnte während der Nacht auf Donnerstag unbemerkt aus dem Haus flüchten.

(am, rub, feb/sda)

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  • Fritz Meyer am 14.09.2010 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Teurer Wahnsinn

    Die Polizei hat schon mehr Geld ausgegeben, als das Haus wert ist. Da sieht man wieder wo die Prioritäten liegen. Schämt euch und lasst den alten Mann in Ruhe.

  • N. Iveau am 14.09.2010 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht Informiert

    Seine Schwester will den Erbanteil, er hat das Geld nicht, also erreicht sie vor Gericht eine Zwangsversteigerung, von dessen Erlös die Hälfte an sie gehen soll. Nichts mit Behördenwillkür. Dann entscheidet er sich dafür auf einen Polizisten zu schiessen und nun wird er gejagt. Hoffentlich mit Erfolg. So etwas geht einfach nicht. Dieser Mann ist NICHT im Recht. Wer das nicht einsieht, der hat aus meiner Sicht ein Problem. Allgemein sind viele Kommentare hier wieder vom untersten Niveau.

  • McGyver am 14.09.2010 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Hoert auf dem Mann ein Denkmal schmieden zu wollen. Shaltet mal Euer Gehirn, ein bevor Ihr was schreibt. Genau Ihr seit es naehmlich die vielleicht einmal Hilfe benoetigt von Polizei und Staat. Und obwohl mich die Steuerrechnung(en) und die Gesetze auch nerven bin ich froh um die Sicherheit in der Schweiz. In einer Gesellschaft braucht es Gesetze sonst laufen wir ins Chaos. Ich hoffe auf Chris's genesung und wuensche seiner Familie viel Kraft. Und Euch Polizisten da drausen Viel Erfolg und lasst Euch nicht unterkriegen.