Drama von Biel

09. September 2010 22:10; Akt: 25.09.2010 13:41 Print

Peter K. ist auf der FluchtPeter K. ist auf der Flucht

Der 67-jährige Peter K. aus Biel versetzt seit Donnerstagmorgen das Lindenquartier in Angst und Schrecken. Mit Gewalt will der Rentner vermeiden, dass sein Elternhaus zwangsversteigert wird.

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Neun Tage lang hielt der Amokrentner Peter Hans Kneubühl im September 2010 Biel in Atem. Er wurde dem Amok-Rentner zum Verhängnis: Diensthund Faro steht im Sold der Kapo Basel-Land und stellte Peter K. im Morgengrauen des 17. Septembers 2010. Dem Gemüsebeet im unteren Bildrand entlang ging Peter, als die Polizei eintraf. Die Polizisten verfolten ihn. Dann liess der Hundeführer Faro los. Als der Hund Peter K. stellte, liess er sich widerstandslos festnehmen. Er wurde durch den Hundebiss leicht verletzt, war aber ansonsten in guter gesundheitlicher Verfassung. Die Fähnchen zeigen den Weg von Peter K. Wollte er sich im Gemüsefeld gerade sein Frühstück holen? Die Stelle befindet sich am Waldrand, nur 15 Minuten von der Taubenlochschlucht entfernt am Rand der Stadt Biel. Seither sitzt der brühmteste Rentner von Biel im Regionalgefängnis in Untersuchungshaft. Noch am Vortag war die Polizei einem Hinweis aus Pieterlen BE nachgegangen. Mit Hunden jagten sie über ein Feld in Richtung Schrebergärten. Ausgangspunkt war offenbar das Altersheim in Pieterlen. Am Nachmittag des 16. Septembers, kurz vor drei Uhr, waren dort Kastenwagen vorgefahren. Im Altersheim soll eine Tante des Amok-Rentners wohnen, erzählten Anwohner. Die Kapo Bern veröffentlichte am 13. September ein neues Foto, das dem bisherigen nicht gerade ähnlich sieht. Ein zweites neu veröffentlichtes Bild zeigt den 67-Jährigen als Heimwerker. Bisher stellte sich die Kapo Bern Peter K. so vor. Sie hatte ein Bild aus den 80er-Jahren künstlich altern lassen. Doch das Bild zeigte den Vater von Peter K. «Peter, bitte melde dich»: Mit diesen Flugblättern versuchte die Kapo Bern Kontakt mit Peter K. herzustellen. Die Polizei warf diese am Montag in der Region Biel aus Kleinflugzeugen. Peter K. fand auch Anhänger: Am Montag 13. September demonstrierten rund 20 Personen für Peter K. und forderten einen «Notausgang» für den Rentner. Während Peter K.s Flucht bewachten ununterbrochen Polizisten das Lindenquartier in Biel. Die Schule blieb geschlossen. Denn laut Gerüchten von Anwohnern soll er in der Nacht auf Sonntag 12. September zum zweiten Mal bei seinem Haus aufgetaucht sein. Vermutungen wurden auch laut, Peter K. habe ein unterirdisches Gangsystem gebaut. Mit Spezialgeräten suchte die Polizei darum nach Hohlräumen. In der Nacht auf Donnerstag 8. September 2010 war Peter K. aus dem Haus am Mon-Désirweg in Biel geflohen, nachdem er sich dort über 20 Stunden verschanzt hatte. Das Haus war in einem ungepflegten Zustand: Der Garten war verwildert ... ... das Garagentor beschädigt. Peter K. soll das Haus seit einem Jahr kaum verlassen haben. Es soll aber im Mittelpunkt des Dramas stehen: Nach Informationen der Behörden sollte das Haus im Bieler Lindenquartier zwangsversteigert werden. In der Folge hatte sich der 67-Jährige am Mittwoch vor dem ersten Besichtigungstermin darin mit seinem Gewehr verschanzt. Die Polizei hatte versucht, mit Peter K. zu sprechen. Mehrere Polizeifahrzeuge, eine Ambulanz und Feuerwehrleute waren aufgefahren. Doch Peter K. war nicht bereit zum Gespräch: Er verbarrikadierte sich im Haus... ...die Polizei rückte deshalb mit einem Grossaufgebot an. Die Beamten umstellten das Wohnhaus. 40 Personen mussten aus dem Quartier evakuiert werden oder konnten nicht nach Hause gehen. In der Nacht auf Mittwoch eskalierte die Situation: Peter K. schoss mehrmals auf Polizisten und verletzte einen Beamten schwer - obwohl dieser eine schusssicheren Weste trug. Derweil entwich der Rentner - unbemerkt. Die Polizei bemerkte anscheinend erst gegen Mittag, dass der Senior geflohen war. Die Polizei weitete in der Folge das Suchgebiet aus. (Bild von der Berner Kantonspolizei zur Verfügung gestellt) Ein Armeehelikopter kreiste über Biel mit Wärmebildkamera. Der naheliegende Wald wurde genauso zum Zielgebiet wie Büren an der Aare. Dutzende Mitglieder von Spezialeinheiten aus der ganzen Schweiz standen im Einsatz. Doch Peter K. ist weiterhin flüchtig und «mit einem Gewehr bewaffnet und gefährlich», meinte François Gaudy, Polizeichef der Region Berner Jura/Seeland, an einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag. Die Bevölkerung müsse zwar nicht beunruhigt sein, Gaudy mahnte allerdings zur Vorsicht. Im Verlauf des Donnerstags suchte die Polizei an Bushaltestellen, ... ... in Parks, ... ... in Gärten, ... ... an Quartierstrassen und am Bahnhof in Biel nach dem Rentner. Das gesamte Lindequartier wurde am Donnerstagmorgen 9. September abgeriegelt und die Schule geschlossen. Eine landesweite Fahndung wurde ausgelöst: Dennoch konnte Peter K. in der Nacht auf Samstag, 11. September nochmals zurückkehren, erneut auf Beamte schiessen und wieder abtauchen.

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Peter K.* ist auf der Flucht. Am Donnerstagabend hat die Berner Kantonspolizei eine Grossfahndung nach dem Mann eingeleitet, ein Bild veröffentlicht und die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Suche gebeten. Die Polizeipräsenz in Biel und Umgebung wurde erhöht.

Zwei Leser-Reporter berichten, dass die Suche am Donnerstagnachmittag bis nach Büren an der Aare ausgeweitet worden war. Einer sah Polizisten mit einem Hund bei einem Wald. Ein anderer Leser schrieb, ein Superpuma ziehe dort seine Kreise sowie über Safern und Meinisberg. Auch über dem Wald des Lindenquartiers kreist nach Angaben eines dritten Leser-Reporters wieder ein Helikopter mit Wärmebildkamera.

Gefährlicher Querulant

Die Behörden gehen davon aus, dass Peter K. gewaltbereit ist. Gemäss «Schweiz Aktuell» ist der Schütze aus Biel ein bekannter Querulant. Am Mittwoch hätte er zum Psychiater gebracht werden sollen. Als die Beamten auftauchten, ging das Drama los. Gegen den 67-jährigen Schützen wurde angeblich ein fürsorgerischer Freiheitsentzug angeordnet.

Der Bieler Regierungsstatthalter Werner Könitzer hatte den Entzug, sprich die Verhaftung, befohlen. Als die Polizei vor seinem Haus auftauchte, verschanzte er sich mit seiner Waffe.

Nach K.s Flucht beschützte die Polizei das Amt des Regierungsstatthalters. Aufgrund verschiedener Briefwechsel habe man «eine Drohung ableiten können», sagte Könizer gemäss «Schweiz Aktuell».

Gefahr für die Bevölkerung

Polizeichef Gaudy sagte gemäss SDA, die Bevölkerung müsse zwar nicht beunruhigt sein. «Wir müssen allerdings davon ausgehen, dass der Mann bewaffnet ist - dies stellt immer eine Gefahr für die Bevölkerung dar», stellte Gaudy klar. Gemäss Gaudy ist der Schütze mit einem Gewehr bewaffnet. Ob es ein Sturmgewehr ist und ob der Mann einen Waffenschein besitzt, konnte der Polizeichef gemäss SDA nicht sagen.

Noch am frühen Nachmittag hatte sich die Polizei bei der Fahndung nach dem Schützen auf das Lindenquartier bei Biel konzentriert. Mittlerweile wurde für die direkten Anwohner aber Entwarnung gegeben, sie durften in ihre Häuser zurückkehren: «Um 19:15 Uhr teilte uns die Polizei mit, dass wir zurückkönnen. Wir wurden zu Fuss zu unserem Haus begleitet. Mit den Fahrzeugen durften wir nicht hinfahren», berichtet Stefanie, die zuvor mit vier weiteren Familienangehörigen in der Zivilschutzanlage ausharrte.

Wie das Drama seinen Anfang nahm

Die grosse Aufregung im Bieler Wohnquartier Linde begann am Mittwochmorgen. «Um 10 Uhr morgens gab es einen riesigen Krach, es fielen Schüsse. Dann wiesen uns Polizisten an, unsere Wohnungen innert fünf Minuten zu verlassen», sagt eine Anwohnerin zu 20 Minutes Online.

Nachdem verschiedene Behördenstellen versucht hatten, mit dem Mann in Kontakt zu treten, kam es schliesslich am Mittwochmorgen zum Polizeieinsatz. In deren Verlauf verbarrikadierte sich der Mann. Daraufhin versuchten Spezialisten der Polizei mehrmals mit dem Mann das Gespräch aufzunehmen - ohne Erfolg.

Bleibende Schäden beim Opfer?

Das Drama um Peter K.* war in der Nacht zu Donnerstag eskaliert: «Um 1 Uhr ist der Täter aus dem Haus gekommen und hat mit einem Gewehr ohne Vorwarnung auf die Polizisten geschossen», sagte ein Polizeisprecher. Der Beamte sei trotz einer schusssicheren Weste schwer verletzt worden. Nach einer Notoperation sei der Gesundheitszustand stabil. Gemäss einer Aussage des Berner Polizeidirektors Hans-Jürg Käser vor dem Grossen Rat in Bern sei aber nicht sicher, was aus dem Leben des Mannes in Zukunft werde.

Die Polizei suchte den ganzen Vormittag im Lindenquartier nach Peter K. «Ein Armeehelikopter kreiste zwischen 7 und 8 Uhr mehrmals über dem Gebiet», erklärten mehrere Leser-Reporter gegenüber 20 Minuten Online. Dieser habe mit einer Wärmebildkamera den bewaffneten Mann zu lokalisieren versucht, sagt ein Beobachter. Offenbar stellten die Spezialeinheiten erst am Nachmittag fest, dass sich der Senior nicht mehr in seinem Haus aufhielt. «Die Polizei hat aber bereits um 10 Uhr gesagt, dass der bewaffnete Mann in der Gegend herumirre», sagte eine Anwohnerin zu 20 Minuten Online. Die Polizei weitete daraufhin das Suchgebiet laufend aus. Es machte den Anschein, als hätte die Polizei lange Zeit keine Ahnung gehabt, wo sich der flüchtige Rentner aufhielt.

Wer ist der bewaffnete Mann?

Wer ist der 67-Jährige, der sich seit über 28 Stunden einen aussichtslosen Kampf mit Spezialeinheiten der Polizei liefert? «Er ist im Quartier als komischer Kauz bekannt», sagte eine Anwohnerin zu 20 Minuten Online. Seit mehr als einem Jahr seien in dem dreistöckigen Haus die Rollläden geschlossen. Der Garten sei völlig verwildert. «Er hat manchmal mitten in der Nacht mit einer Stirnlampe auf dem Kopf den Rasen gemäht», sagte eine Nachbarin. Der Mann habe ihre Grüsse nie erwidert. Er sei sowieso fast nur nachts aus dem Haus gegangen. Der Mann habe schon mit seinen Eltern in dem Haus gelebt, das nun einer Erbgemeinschaft gehöre.

Nach einem Entscheid des Zivilgerichts Biel soll das Haus jetzt zwangsversteigert werden. Der Senior drehte gestern Morgen offenbar durch, als der erste Besichtigungstermin für sein Haus anberaumt war.

Zu einer Zwangsversteigerung kann es kommen, wenn Zahlungsverpflichtungen gegenüber Banken nicht erfüllt werden, wie der Regierungsstatthalter erklärte. Möglich ist eine Versteigerung auch in einem Erbschaftsfall, wenn sich die Erbengemeinschaft nicht einig wird. Dann wird die Liegenschaft versteigert und der Erlös den Erben zugeteilt.

*Name der Redaktion bekannt


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  • Fritz Meyer am 14.09.2010 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Teurer Wahnsinn

    Die Polizei hat schon mehr Geld ausgegeben, als das Haus wert ist. Da sieht man wieder wo die Prioritäten liegen. Schämt euch und lasst den alten Mann in Ruhe.

  • N. Iveau am 14.09.2010 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht Informiert

    Seine Schwester will den Erbanteil, er hat das Geld nicht, also erreicht sie vor Gericht eine Zwangsversteigerung, von dessen Erlös die Hälfte an sie gehen soll. Nichts mit Behördenwillkür. Dann entscheidet er sich dafür auf einen Polizisten zu schiessen und nun wird er gejagt. Hoffentlich mit Erfolg. So etwas geht einfach nicht. Dieser Mann ist NICHT im Recht. Wer das nicht einsieht, der hat aus meiner Sicht ein Problem. Allgemein sind viele Kommentare hier wieder vom untersten Niveau.

  • McGyver am 14.09.2010 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Hoert auf dem Mann ein Denkmal schmieden zu wollen. Shaltet mal Euer Gehirn, ein bevor Ihr was schreibt. Genau Ihr seit es naehmlich die vielleicht einmal Hilfe benoetigt von Polizei und Staat. Und obwohl mich die Steuerrechnung(en) und die Gesetze auch nerven bin ich froh um die Sicherheit in der Schweiz. In einer Gesellschaft braucht es Gesetze sonst laufen wir ins Chaos. Ich hoffe auf Chris's genesung und wuensche seiner Familie viel Kraft. Und Euch Polizisten da drausen Viel Erfolg und lasst Euch nicht unterkriegen.