Seeraser

30. Juli 2010 07:23; Akt: 30.07.2010 10:43 Print

«Ich habe Mist gebaut»«Ich habe Mist gebaut»

Neue Hinweise im Bootsdrama vom Bielersee: Ein Mann hat sich bei seiner Versicherung nach der Haftung bei Personenschäden mit einem Motorboot erkundigt.

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Am Abend des 11.7.2010 sind Stephan F. und Angela A. mit einem Gummiboot in der Nähe der St. Peterinsel im Bielersee unterwegs. Plötzlich rast ein Motorboot auf das Pärchen zu. Trotz Rufen und Handzeichen der beiden ändert das Motorboot seine Richtung nicht. Um sich zu retten, springen die beiden ins Wasser. Stefan F. kann sich in Sicherheit bringen, seine Freundin wird von der Schiffsschraube erfasst und getötet. Der Fahrer flüchtet. 13.7.2010: Eineinhalb Tage nach dem Unfall sind bei der Polizei Dutzende Hinweise eingegangen. Gesucht wird ein wein- oder alt-bordeauxrotes Schiff, das dem Typ «Boesch» oder «Pedrazzini» ähnlich ist. Der Bootsführer wird als 55- bis 65-jähriger Mann mit einer leichten Stirnglatze beschrieben. An Bord des Schiffes dürften sich weitere Personen aufgehalten haben. 14.7.2010: Die Polizei weiss nicht, in welchem Kanton das Boot immatrikuliert sein könnte. Es wäre auch denkbar, dass der Bootslenker sein Schiff noch am gleichen Abend aus dem Wasser gezogen und abtransportiert hat. Das hätte er bei einer Auswasserungsstelle tun müssen (siehe Karte). Zudem ist der Bielersee mit dem Neuenburger- und dem Murtensee verbunden. Über die mögliche Ursache des Unfalls wird spekuliert. Bootsbesitzer vom Bielersee berichten von Sauforgien auf dem See. Stephan F., der Freund der Verstorbenen, wendet sich derweil an den Todesfahrer: «Stell dich, damit Angela und ihre Familie Ruhe finden können.» 15.7.2010: Ein wichtiger Hinweis? Eine Bieler Motorbootlehrerin, die glaubt, das Boot am Tag der Tat im Bieler Hafen gesehen zu haben, meldet sich bei der Polizei. Ihre Beschreibung passt auf die Täterbeschreibung. 19.7.2010: Stephan F. ist an einem ruhigen Ort untergetaucht. Der Fokus richtete sich derweil auf einen gewissen Michel B. Er ist der Mann, den die Bieler Bootslehrerin gesehen hat. Vier Tage lang galt er als Hauptverdächtiger. Doch er sagt: «Ich bin unschuldig und habe ein reines Gewissen.» 28.7.2010: Beim Campingplatz Sutz transportiert die Seepolizei mit einem Schleppkahn ein verdächtiges Boot ab. Es handelt sich um ein 25-jähriges Motorboot vom Typ «Boesch». 30.7.2010: Der Verdacht erhärtet sich: Die Polizei bestätigt, dass gegen den 74-jährigen Mann Tatverdacht besteht und sein Boot abtransportiert wurde. Er und seine beiden Begleiterinnen, die am fraglichen Sonntag auf dem See unterwegs waren, bestreiten, mit dem Unglück etwas zu tun zu haben. Der Mann steht laut Polizeiangaben aber «im Zentrum der Ermittlungen».

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Am Dienstag hat die Berner Polizei laut Medienberichten ein Boesch-Boot von einer Seevilla am Bielersee abtransportieren lassen (20 Minuten Online berichtete). Offen ist, ob es sich um das Boot des See-Rasers handelt, der am 11. Juli die 24-jährige Angela totgefahren hatte.

Nun scheint die Polizei eine weitere Spur zu haben: Wie Tele M1 berichtete, habe sich nach dem Unfall ein 74-jähriger Mann bei einer Versicherung gemeldet, um sich nach der Haftung bei Personenschäden mit einem Motorboot zu erkundigen. Der Mann habe gesagt, er habe Mist gebaut. Das Alter stimme genau mit jenem des Besitzers des beschlagnahmten Bootes überein.

Dieser beteuerte gegenüber Tele Bielingue seine Unschuld. Er sei zwar am 11. Juli auf dem See gewesen, sagte er gegenüber «Schweiz aktuell». Mit dem Drama habe er aber nichts zu tun. Er hat einen Anwalt eingeschaltet. Die Polizei hüllt sich weiter in Schweigen.

(mlu/20 Minuten)