Bau bewilligt

02. Juli 2009 16:14; Akt: 02.07.2009 17:48 Print

Langenthal erlaubt MinarettLangenthal erlaubt Minarett

Die Stadt Langenthal hat die Baubewilligung für den Bau eines Minaretts erteilt. Es soll auf dem bestehenden Vereinslokal der Islamischen Glaubensgemeinschaft Langenthal entstehen.

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Die Mahmud-Moschee in Zürich wurde 1963 eingeweiht. Es war das erste Minarett in der Schweiz. An der Eröffnungsfeier am 22. Juni 1963 nahm auch der damalige Zürcher Stadtpräsident Emil Landolt teil. Der Bau dauerte nur zehn Monate, Einsprachen gab es keine. Das Minarett ist 18 Meter hoch. Beim zweiten Minarett in der Schweiz, das zur Moschee von Petit-Saconnex in Genf gehört, kam es zu Einsprachen. Die Moschee wurde am 1. Juni 1978 eingeweiht. Das Minarett ist 22 Meter hoch. Den Bau entworfen hat ein Genfer Architekt türkischer Herkunft. Bei der Einweihung waren der damalige Bundespräsident Pierre Aubert und der saudische König Khaled Bin Abdulaziz Âl Saud anwesend. Ein Muslim liest vor dem Freitagsgebet im Koran in der Moschee von Petit-Saconnex in Genf. Das dritte Minarett in der Schweiz entstand erst 2005 in Winterthur. Es sorgte kaum für Aufregung. Die Moschee des Islamisch-Albanischen Vereins steht in einem Industriequartier. Gläubige beten in der Winterthurer Moschee, die in einem vorhandenen Gewerbebau untergebracht ist. Für grössere Aufregung sorgte das Minarett in Wangen bei Olten. Mehrere Einsprachen blockierten das Vorhaben des Türkischen Kulturvereins, bis schliesslich im Juli 2007 das Bundesgericht zugunsten des Vereins entschied. Am 9. Januar 2009 wird das in der Türkei vorgefertigte Minarett auf dem Dach des bestehenden Gebäudes angebracht. Am 27. Juni 2009 wurde das Minarett von Wangen bei Olten eingeweiht. Mehrere Politiker blieben der Feier fern, da der türkische Kulturverein der nationalistischen Organisation der Grauen Wölfe nahestehen soll. Ein weiteres Minarett soll in Langenthal entstehen. Das Gebäude, aufgenommen im August 2006, gehört dem albanischen Verein Xhamia e Langenthalit. Am 2. Juli 2009 erteilen die Behörden die Baubewilligung für das Minarett. Aufnahme des Gebetsraums in Langenthal. Viele Moscheen oder Gebetsräume haben in der Schweiz kein Minarett. In Basel teilen sich eine Moschee und ein Gugge-Treff den Eingang. Neben Türken und Albanern stammen viele Muslime aus Bosnien-Herzegowina. Die bosnische Gemeinde hat in Emmenbrücke eine Moschee. Ein Islamisches Zentrum steht auch in Lausanne. Es bietet Platz für rund 600 Gläubige. Der Imam hält die Freitagspredigt am 7. November 2008 im Islamischen Zentrum in Lausanne. Die bosnische Moschee in Emmenbrücke ist nach Genf die zweitgrösste Moschee der Schweiz. In Zofingen (AG) hat das Bosnische Kulturzentrum einen Gebetsraum. In Zürich gibt es neben der Mahmud-Moschee weitere Gebetsräume ohne Minarett. Gläubige beten zu Beginn des Fastenmonats Ramadan Ende Oktober 2003 in der Moschee der türkisch-islamischen Stiftung. Die rituelle Fusswaschung in der Moschee der türkisch-islamischen Stiftung in Zürich.

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Neben dem Minarett entsteht auf dem Gebäude zudem eine Dachkuppe. Auch die Fassade des Gebäudes wird saniert. Gebetsrufe eines Muezzins soll es in Langenthal keine geben.

Heftige Reaktionen

Das geplante Minarett hatte in Langenthal für heftige Reaktionen in der Bevölkerung gesorgt. So wurden etwa Unterschriften für eine Petiton gegen den Minarettbau gesammelt.

Aus der Nachbarschaft gingen rund 70 Einsprachen gegen ein erstes Baugesuch ein. Nachdem der Kanton Bern im April 2007 auf die Beschwerden eingetreten war, mussten die Gesuchsteller nochmals über die Bücher und insbesondere ein Betriebs- und Nutzungskonzept vorlegen.

Wie aufgeladen die Stimmung zeitweise war, zeigte nicht zuletzt auch der Wirbel um ein temporäres Kunst-«Minarett», das im Rahmen einer Ausstellung 2008 auf dem Dach des Kunsthauses Langenthal montiert wurde. Der Gemeinderat entschied schliesslich, dass die Kunstinstallation bis zum Ende der Ausstellung dort bleiben konnte.

Sikh-Tempel ohne Widerstand

Ganz im Gegensatz zum Minarett hat ein mindestens ebenso auffälliges Bauvorhaben einer anderen Religionsgemeinschaft in Langenthal kaum für Aufsehen gesorgt. Seit mehreren Jahren steht dort inmitten von Industriebauten nämlich ein auffällig bunt verzierter Sikh-Tempel.

Nebst architektonischen Aspekten spielten auch die Umstände der Zeit und das gesellschaftliche Image einer Religion bei der Aufnahme solcher Vorhaben in der Bevölkerung eine wichtige Rolle, wie Andreas Tunger-Zanetti, Koordinator des Zentrums für Religionsforschung, Anfang Juni im Rahmen einer Ausstellung zum Thema in Biel sagte.

Der Islam werde heutzutage leicht in Verbindung gebracht mit Anschlägen, Kriegen und Gewalt. Dagegen habe der Buddhismus eher ein Image des Friedens.

Anti-Minarett-Initiative

In Wangen bei Olten ist Ende Juni ein mindestens ebenso umstrittenes Minarett eingeweiht worden. Weitere Minarette gibt es seit vielen Jahren in Genf, Zürich und Winterthur.

Das Seilziehen um die geplanten Minarette in Wangen und Langenthal war Auslöser für die Anti-Minarett-Initiative. Ein Komitee aus SVP- und EDU-Politikern reichte die Initiative im Juli 2008 ein. Der Initiativtext besteht aus einem einzigen Satz: «Der Bau von Minaretten ist verboten.»

Die eidgenössischen Räte lehnen die Initiative ab. Das letzte Wort wird das Volk haben.

(sda)