Florapark-Mord

07. September 2010 14:32; Akt: 07.09.2010 14:43 Print

100 tödliche Stiche und Gewaltfantasien100 tödliche Stiche und Gewaltfantasien

Seit dem frühen Morgen steht in Bern eine 24-jährige Frau vor Gericht, die 2008 im Berner Flora-Park einen Mann erstochen haben soll. Sie sieht sich als zwiespältige Person.

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Die junge Frau habe erzählt, sie habe die Tötung im Florapark positiv erlebt.

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Die 24-jährige Frau, die im November 2008 im Berner Florapark einen Mann aus Sri Lanka mit rund 100 Messerstichen umbrachte, sieht sich selbst als sehr zwiespältig. Heute tut ihr die Tat leid, damals verschaffte sie ihr ein Machtgefühl.

Am Tatabend wollte sich die zierlich wirkende, junge Frau die Möglichkeit für ein Delikt offen halten, wie sie bei der Befragung zum Prozessbeginn am Dienstag vor dem Kreisgericht Bern aussagte. Sie habe Panik gehabt vor der bevorstehenden Weihnachtszeit sowie wegen ihrer ungewissen Wohn- und Betreuungssituation.

Ihrem Opfer begegnete sie als Prostituierte und hatte vor der Tat Sex mit ihm. Plötzlich begann sie auf den 52-järigen Mann wie wild einzustechen und tötete ihn mit um die 100 Messerstichen, wie der rechtsmedizinische Sachverständige dem Gericht erläuterte.

Der Mann sei an der Gesamtheit der Verletzungen, die zu einem grossen Blutverlust führten und auch die Lunge betrafen, gestorben.

Erstaunlich war, wie klar und ohne jede Beschönigung sich die junge Zürcherin zur Tat äusserte. Es ist ihr bewusst, dass sie noch Jahre brauchen wird, um aus der schweren Persönlichkeitsstörung herauszufinden, die ihr das psychiatrische Gutachten bescheinigt.

Sie hofft aber, dass es ihr gelingt, denn das Schlimmste wäre für sie, auf unbestimmte Zeit verwahrt zu werden.

Macht und Kontrolle

Gewaltphantasien, die darin gipfelten, jemanden umzubringen, seien immer wieder da gewesen, bekannte die Frau. Eine frühere Aussage, während der Tat ein Glücksgefühl empfunden zu haben, schwächte sie jedoch ab.

Als positiv habe sie aber die Macht und Kontrolle über das Opfer erlebt. Laut Gutachter war sie zeitweise auf der Brust des Mannes gesessen und habe ihm immer weitere Stiche, versetzt.

Selber sieht sie die Tat im Florapark als Kurzschlusshandlung. Sie widerspricht damit der psychiatrischen Gutachterin, die vor allem auch wegen des mitgeführten Messers einen hohen Planungsgrad dahinter sieht.

Die Täterin sagte auch, es sei ihr nicht mehr bewusst gewesen, dass es sich beim Opfer um einen Menschen handelte.

Die Tat hatte vor zwei Jahren im ganzen Land Aufsehen erregt. Es entbrannte eine Debatte, weshalb die Frau, die schon eine beachtliche Psychiatrie-«Karriere» aufweist, trotz ihrer offensichtlichen Gefährlichkeit lediglich in einer betreuten Wohngemeinschaft leben konnte und nicht in einer geschlossenen Anstalt untergebracht war.

Als 16-Jährige hatte sie versucht, ihren Bruder mit einem Messer zu töten. Später griff sie die Polizei immer wieder auf.

Aufmerksamkeit gesucht

Deutlich wurde vor Gericht, wie wichtig es für die junge Frau war, wahrgenommen zu werden und Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn sie wieder einmal aus einer psychiatrischen Institution ausgebrochen war, genoss sie es förmlich, von der Polizei aufgegriffen zu werden: «Sie nahmen mich wahr», sagte sie vor Gericht.

Am Tattag legte sie es nicht, wie sonst, darauf an, von der Polizei ertappt zu werden, bevor etwas geschehen konnte. Vielmehr setzte sie ihre Gewaltphantasien in die Tat um. Zuvor war sie als Erwachsene nicht straffällig geworden, weshalb sie die Behörden gar nicht festhalten konnten.

Am Mittwoch stellen Staatsanwalt und Verteidigung ihre Anträge zum Tötungsdelikt. Am Freitag ist das Urteil vorgesehen.

(sda)