Steffisburger Verdingbub

06. September 2010 23:05; Akt: 07.09.2010 09:37 Print

«Niemand hat  je richtig für mich geschaut»«Niemand hat je richtig für mich geschaut»

von Patrick Marbach - Mit einem lauten Knall ruft der Selbstmordversuch eines ehemaligen Verdingbuben ein grosses Unrecht in Erinnerung. Die Berner Kantonsregierung soll sich nun entschuldigen.

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Verdingbub B. K. (Foto: Surprise)

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B. K.* kann nicht mehr. Er stellt eine Gasflasche auf den Herd und hofft, dass ihn die Explosion endlich in den Tod reisst. Doch der Selbstmordversuch geht schief: B. K. wird am Sonntag nach der Gasexplosion in Steffisburg nur leicht verletzt ins Spital eingeliefert (20 Minuten berichtete). «Körperlich geht es ihm den Umständen entsprechend gut», sagt Kapo-Sprecherin Ursula Stauffer. Schlimmer steht es um den psychischen Zustand des 53-Jährigen: Er hat die Leiden seiner ­Jugend als Verdingbub nie verwunden und immer wieder Suizidversuche unternommen.

Dieses Schicksalsmuster ist Grossrätin Christine Häsler (Grüne) bekannt: «Manche Verdingkinder erlebten so viel Leid, Gewalt und Not, dass sie ihr ­Leben nie in den Griff bekommen.» Ein hoffnungsloser Fall sei er, sagt B. K. in einem Porträt, das im März im Strassenmagazin «Surprise» erschienen ist: «Richtig geschaut hat nie jemand für mich, nicht die Eltern und auch nicht der Staat.»

So wurden im Bernbiet Zehntausende Kinder als Arbeitssklaven zu Bauern abgeschoben. «Die damaligen Behörden haben sich schuldig gemacht», sagt Häsler. Sie verlangt deshalb mit einem Vorstoss, dass sich der Kanton offiziell entschuldigt. Zudem soll ein Fonds geschaffen werden, der den ­Opfern Hilfe bietet. Mit einem ähnlichen Vorschlag von Peter Bühler (SVP) befasst sich demnächst das Berner Stadtparlament.

*Name der Redaktion bekannt

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  • Karin am 08.09.2010 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist eine Schande!

    Bevor hier jemand gegen Verdingkinder schreibt, sollte man sich erst mit dem Thema befassen. Manch einem würde nach Anhörung der Schicksale, die eine oder andere Träne über die Wange laufen. Es waren Kinder!!! Die Betroffenen leiden noch heute. "Kinder der Landstrasse" wurde aufgearbeitet und entschädigt, aber die Verdingkinder werden vom Kanton unter den Teppich gekehrt. Die, die ausgebeutet haben und der Kanton gehören vor den Richter.

  • h. ulrich am 07.09.2010 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    vorbei

    vorbei ist vorbei. beim damaligen wissensstand wurden sachen gemacht die heute unmöglich sind, aber damals als einzig richtig galt. nach vorne schauen und hoffen die heutigen handlungen brauchen in 70 jahren nicht entschuldigt zu werden.

  • Susanne Reich am 07.09.2010 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch

    Tragisch, dass manchmal - in der Meinung etwas Positives zu tun - so viel Leid angerichtet wird. Eine Entschuldigung wäre das mindeste! Ich denke der in diesem Fall betroffene Mann gibt sich insgeheim selbst die Schuld resp. hat kein wirkliches Selbstwertgefühl. Andere haben ihm dies angetan, deshalb ist er nicht minderwertig. Ich hoffe, dass er doch noch eine Möglichkeit findet, seinem Leben etwas Freude abzugwinnen und sei es nur "aus Trotz". Kann manchmal helfen.