Islamfeindlich

26. Januar 2012 16:55; Akt: 26.01.2012 16:55 Print

Pfarrerin soll sich von Hetz-Blog fernhaltenPfarrerin soll sich von Hetz-Blog fernhalten

Die Seeländer Pfarrerin Christine Dietrich hat sich in verantwortlicher Funktion im Blog «Politically Incorrect» betätigt. Zu diesem Schluss kommt der Rat der Refomierten Kirche.

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Sprachrohr von «Politically Incorrect»: Die Berner Pfarrerin Christine Dietrich mischt seit 2007 beim Islamhasser-Netzwerk mit. Sie soll damals die Verantwortung für das Portal übernommen haben. Im selben Jahr wurde auf der Website verbreitet, sie arbeite nicht mehr für PI. Tatsächlich schrieb die Geistliche unter dem Pseudonym «Thorin Eisenschild» weiter für das Hassportal. Das Bild zeigt sie in einer Reportage von «Russia Today». PI rühmte sich kurz danach mit dem Auftritt der «tapferen Christine», inzwischen ist das Video nicht mehr auf der Seite. Die Verantwortung an Dietrich übergeben haben will Stefan Herre. Er gründete «Politically Incorrect» 2004. Der frühere Lehrer rief ein Portal ins Leben, das sich dem bedingunslosen Kampf gegen den Islam verschrieben hat. 2009 hielt Dietrich bei einem Protest gegen einen Moscheebau in Köln eine Messe. Gegendemonstranten bezeichnete die Schweizerin laut «Zeit» als «pathologisch Gute». Sie sagte sich 2007, 2010 und nun auch 2011 von der Webseite los. Die Kölner Demo wurde von der «Bürgerbewegung Nordrhein-Westfalen» (Pro-NRW) organisiert, deren Gründer Manfred Rouhs ist. Rouhs war zuvor in Parteien wie der NPD, den «Republikanern» und anderen rechten Gruppen wie der «Deutschen Liga für Volk und Heimat» tätig. Sowohl Rouhs als auch Bernd Schöppe vom Vorstand der Pro-NRW sind mit PI-Gründer Herre per Du. Pro-Aktivisten publizieren laut «Frankfurter Rundschau» regelmässig Artikel auf PI. Auch die im Oktober 2010 gegründete Partei «Die Freiheit» ist auf PI aktiv. Gegründet hat sie René Stadtkewitz, nachdem ihn die CDU ausgeschlossen hat. Grund dafür war eine Anti-Islam-Diskussion mit Geert Wilders, die Stadtkewitz mit PI-Gründer Herre organisiert hatte. Sein Stellvertreter ist Marc Doll, der ebenfalls früher bei der CDU war. «Freiheit»-Mitglieder betonen trotz ihrer intoleranten Haltung ihre Treue zum Grundgesetz und opponierten bei Herre teilweise gegen Pro-NRW, die für sie zu weit rechts stünden. Doll log aber auch gegenüber der «Frankfurter Rundschau»: «Keiner von uns ist bei PI drin.» «Freiheit»-Mitglied Marco Pinto schrieb als PI-Autor «Frank Furter»: «Es schadet uns allen, wenn PI so auftritt wie rechte Hetzerseiten.» Und dann über einen PI-Autoren namens «Kewil», er sei «im Grunde der Moslem auf PI. Er kommt, integriert sich nicht, will ständig extra Würste, baut nen Haufen Scheisse und wundert sich dann über das Echo.» Michael Stürzenberger (alias «Byzanz») von der «Freiheit» ist ein hochaktiver PI-Autor. Er war früher Pressesprecher von Monika Hohlmeier. Die Franz-Josef-Strauss-Tochter musste 2004 nach einigen Affären ihren Ministerposten in Bayern räumen. Der «Spiegel» zitiert Stürzenberger, er habe «tiefsten Hass auf diese Ideologie. Meiner vollsten Überzeugung nach muss der Islam von allen Seiten angeschossen werden.» Christian Jung ist Landesvorsitzender der «Freiheit» in Bayern und gehört laut «Frankfurter Rundschau» als «Nockerl» zum engsten PI-Zirkel. Am weitesten rechts steht aber wohl PI-Autor «Michael Mannheimer» (im Bild links), der zum bewaffneten Widerstand aufrief. Ausserdem betreibt Karl-Michael Merkle, so sein wahrer Name, die Website «Nürnberg 2.0», auf der Linke und «Gutmenschen» denunziert werden. Engmaschiges Beziehungsnetz: Die rechte Postille «Junge Freiheit» schrieb an PI: «Lieber Stefan, es wäre klasse, wenn du die Geschichte über ‹Linkstrend stoppen› auf PInews weiterdrehen könntest.» Im April 2011 wollte PI-Gründer Herre Terry Jones von «Stand Up America» einladen. Der Pastor hatte für Furore gesorgt, als er angekündigt hatte, öffentlich den Koran verbrennen zu wollen. Dirk Hülsenbeck, Geschäftsführer der CDU-Senioren, schrieb laut «Frankfurter Rundschau», er habe «Sympathien» für das PI-Engagement und wolle deshalb gelegentlich «brauchbare Infos» liefern. Der schwedische Rechtsextremist Patrik Brinkmann schrieb an PI: «Hier haben sie einige ‹gute› photos mit einige NS-Msulims, vielleicht können sie die fotos ferr PI verwenden.» PI kann als internationale Hass-Seite gesehen werden, weil sie auch Kontakte zu den Schwedendemokraten... ... zum Niederländer Geert Wilders und seiner «International Freedom Alliance», zur SVP, zur belgischen Vlaams Belang und der English Defence League unterhält. PI-Ortsgruppen sind angeblich in der Schweiz, Österreich und Tschechien gegründet worden.

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Im Fall der Seeländer Pfarrerin Christine Dietrich hat der Synodalrat nach eingehenden Abklärungen ein Machtwort gesprochen: Die Seelsorgerin soll sich künftig von islamfeindlichen Blogs fernhalten.

Zwar könnten ihr keine eigenen hetzerischen Äusserungen gegen den Islam oder gar Hasspredigten vorgeworfen werden. Doch ihre «mitbestimmend-verantwortliche» Funktion im Blog «Politically Incorrect» lasse sich nicht mit ihrer Stellung als bernische Pfarrerin vereinbaren.

Zu diesem Schluss kommt der Synodalrat der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn nach einer Untersuchung über das Verhalten der Pfarrerin, wie er am Donnerstag mitteilte. Er war der Sache nachgegangen, nachdem Medien im letzten Spätsommer über angeblich islamfeindliche Umtriebe der Pfarrerin berichtet hatten.

Mit der externen Untersuchung wurde der frühere Berner Regierungsstatthalter Andreas Hubacher beauftragt. Gestützt auf dessen Erkenntnisse und nach Anhörung der Pfarrerin habe der Synodalrat nun seine Schlüsse gezogen, heisst es.

Die Untersuchung habe keinen Beweis für islamophobe Äusserungen oder Schriften der Pfarrerin von Siselen-Finsterhennen ergeben, hält der Synodalrat fest. Es seien keine «Hasspredigten» bekannt geworden, und die ihr angelasteten hetzerischen Ausdrücke stammten nicht von ihr.

Insbesondere seien keine derartigen Verfehlungen im Pfarramt der jetzigen Kirchgemeinde bekannt. In dieser Beziehung nehme der Synodalrat die Pfarrerin in Schutz.

Teilnahme an Demos in Deutschland

Für Auftritte an islam- und fremdenfeindlichen Veranstaltungen in Deutschland sei Dietrich schon im August 2010 gerügt und ermahnt worden - namentlich, weil sie auf einer islamfeindlichen Kundgebung eine Andacht gehalten und an einer solchen Demonstration Übersetzerdienste geleistet habe.

Es gebe keine Hinweise darauf, dass Dietrich diese Mahnung seither missachtet habe. «Die Mahnung hat somit ihre Wirkung getan und wird vom Synodalrat bestätigt», heisst es.

Gutachter Hubacher kam weiter zum Schluss, dass die Pfarrerin beim islamfeindlichen Blog «Politically Incorrect» eine mitbestimmende Funktion wahrgenommen habe, auch wenn der Hauptverantwortliche offenbar ein anderer gewesen sei.

In dem Blog seien herabwürdigende und hetzerische Artikel publiziert worden. Daher sei es für eine bernische Pfarrerin nicht angezeigt, sich «in leitender Stellung» an der Website zu beteiligen. Der Synodalrat erteilte Dietrich deshalb formell mehrere Weisungen, sich von solchen Blogs fernzuhalten.

Blog-Tätigkeit eingestellt

Dietrich habe zugesichert, sich an die Weisungen zu halten. Nach Erkenntnissen des Synodalrats gab sie ihre Tätigkeit bei «Politically Incorrect» schon im vergangenen Sommer auf.

Dietrich selber machte verschiedentlich geltend, sie trete vor allem für die Menschenrechte - zum Beispiel der islamischen Frauen - ein und für das Existenzrecht des Staates Israel. Sie stehe auch dem Dialog mit einem aufgeklärten Islam positiv gegenüber.

Der Kirchgemeinderat Siselen-Finsterhennen schreibt auf seiner Website, Dietrich habe nie Muslime beleidigt. Sie stelle jedoch kritische Fragen, wenn die Rechtsgleichheit in einem demokratischen Staat aus Gründen religiöser Rücksichtnahme nicht gewährt werden solle. Die Stellungnahme ist von Dietrich mitunterzeichnet.

(sda)

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  • Peter, Bern am 27.01.2012 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Hetz-Blog

    Ich kenne Politically Incorrect gut. PI ist keine Hetzsite, sondern setzt sich im redaktionellen Teil kritisch mit Themen wie unreflektiertem Antiamerikanismus, Multikulturalität ohne Leitkultur, freie Meinungsäusserung in einer engen Mainstream-Medien-Welt. Daraus ergibt sich auch die Ablehnung einer totalitären Idee wie dem Islamismus. Dafür, dass sich im Forum auch einfachere Geister dazu äussern, können die Betreiber nichts.

  • B. S. am 27.01.2012 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    "Sensationelle" Berichterstattung

    Wenn ich nicht aufgeklärt genug wäre, mich über Themen selbst zu informieren, wäre ich da wohl wirklich aufgesessen.

  • nachgedacht am 27.01.2012 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    Das fällt doch auf

    Ich stehe dem Islam nicht unkritisch gegenüber. Aber wenn islamische Geistliche zum Kampf gegen das Christentum aufrufen, was alle aufschreien lässt, entspricht das ungefähr dem, was Frau Dietrich getan hat. Mir scheint, die Herren (alles Männer, ja) Vorschreiber messen mit ungleichen Ellen und haben recht Freude daran, Öl ins Feuer zu giessen.

    • DoraH am 27.01.2012 21:31 Report Diesen Beitrag melden

      Et voilà

      Sie haben WAHRE WORTE gesprochen! Ich kann nur hoffen, dass diese einseitige Berichterstattung, welches gar einer Hetze gleicht, ein friedliches Ende findet.

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