Anti-WEF-Demo

22. Januar 2012 10:21; Akt: 25.01.2012 12:46 Print

Sie mussten gefesselt in die Hosen machenSie mussten gefesselt in die Hosen machen

Die Polizei sorgte dafür, dass gestern in Bern ein Aufruf zur Randale keinen Erfolg hatte. WEF-Gegner fordern eine Untersuchung des Einsatzes. Er sei nicht verhältnismässig gewesen.

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Nach dem Einsatz der Polizei gegen WEF-Gegner in Bern wird Kritik laut. Die Gruppe AntiRep Bern, die den Demonstrierenden im Internet Verhaltenstipps mit auf den Weg gegeben hatte, bezeichnete das Vorgehen der Polizei als unverhältnismässig. Die Behörden hätten ihr Vorgehen mit einem Gewaltaufruf im Vorfeld gerechtfertigt, doch der angebliche Aufruf könne weder den Organisatoren noch möglichen Teilnehmern zugeordnet werden, schreibt AntiRep in einem Communiqué vom Sonntag.

Die Organisatoren hätten zudem noch am Freitag in einer öffentlichen Stellungnahme betont, sie wünschten eine reibungslose Kundgebung ohne Zwischenfälle. Die im Bollwerk eingekesselten Personen hätten der Polizei über Lautsprecher ebenfalls mitgeteilt, dass es sich um eine friedliche Demonstration handle.

In die Hosen gemacht

Kritisiert wurde auch die teils langen Wartezeiten im Festhalteraum Neufeld. Die Demonstranten hätten zuerst lange in den Autos vor dem Park Ride warten müssen. Der Gang zur Toilette sei ihnen während dieser Zeit untersagt gewesen.

«Mehrere Personen waren gezwungen, gefesselt in die eigenen Kleider zu urinieren», schreibt AntiRep. Die letzten Festgehaltenen seien erst nach Mitternacht aus dem Gewahrsam entlassen worden.

«Nause führt Wahlkampf»

Die Junge Alternative (JA!) forderte den Gemeinderat auf, die Verhältnismässigkeit des Einsatzes zu untersuchen und die Kosten offenzulegen. Es dürfe nicht sein, dass vollkommen friedliche Kundgebungen einfach im Kern erstickt und Unbeteiligte festgenommen würden.

Dem zuständigen Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) warf die Partei vor, er führe Wahlkampf mit Steuergeldern. Mit einer massiven Machtdemonstration der Sicherheitskräfte habe Nause offenbar rechte Kreise besänftigen und damit seine Wiederwahl sichern wollen.

Zufriedener Sicherheitsdirektor

Nause hatte am Samstagnachmittag eine positive Bilanz des Polizei-Einsatzes gezogen: Man habe einen Umzug der WEF-Gegner in der Innenstadt verhindern wollen, was gelungen sei. «Es gab im Vorfeld der Kundgebung Aufrufe zur Gewalt, die wir ernst nehmen mussten.» Die anonymen Organisatoren der unbewilligten Demonstration hätten sich nie von diesen Aufrufen distanziert.

In einem mitgeführten Fahrzeug und einem Kanalisationsschacht wurden mehrere grosse Pfeffersprays, Vermummungsmaterial sowie Helme gefunden. Über 100 Personen wurden unter anderem wegen Landfriedensbruch angezeigt.

Mehr als 150 Anzeigen

Die Kantonspolizei Bern will mehr als 150 Aktivisten wegen Landfriedensbruch anzeigen. Das teilte sie am Sonntag mit. Nach ihren Angaben hat sie insgesamt 172 Personen angehalten und kontrolliert. Die meisten von ihnen gehörten zur Gruppe, die beim Bollwerk in Bahnhof-Nähe von Polizisten eingekesselt worden waren.

Die 37 weiblichen und 135 männlichen Personen stammen laut Polizei mehrheitlich aus den Kantonen Bern und Zürich. Bei mehreren Minderjährigen wurden die Eltern informiert.

Die Polizei stellte insgesamt 153 Anzeigen wegen Landfriedensbruch in Aussicht. Weiter werden sich mehrere Demonstranten wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte, Verstoss gegen das Waffengesetz und Widerhandlungen gegen das Vermummungsverbot zu verantworten haben. Eine Person war zudem polizeilich gesucht worden.

(sda)

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  • José Gabriel am 22.01.2012 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Maghreb - Schweiz

    Man berichtet in den Medien gross über die Proteste im Maghreb und wie die dortigen Machthabern mit unlibsamen Kritikern und deren Protest umgeht. Passiert dasselbe bei uns, applaudieren hier viele. Für welches Verbrechen wurden die 150 Personen angezeigt? Dürfen Kritiker ihren Protest auch hier nicht mehr unbestraft auf die Strasse tragen?

  • Sandra Studer am 22.01.2012 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbildlich

    Vorbildlicher Einsatz; Kosten auf Verursacher verteilen, wenn kein Geld dann abarbeiten lassen.

  • Mark am 22.01.2012 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimme zustände bei der Polizei

    Wenn die Polizei weiter so gegen Demonstranten vorgeht werden dass noch schlimme zustände werden. Schämt euch polizisten das ist unterste schublade!