Bluttat von Grenchen

10. Juni 2009 09:01; Akt: 10.06.2009 12:29 Print

Wurde der geplante Ausstieg zum Todesurteil?Wurde der geplante Ausstieg zum Todesurteil?

Noch immer ist unklar, weshalb die dreiköpfige Familie in Grenchen ermordet wurde. Nun heizt ein Freund der Familie die Spekulationen um einen Schenkkreis weiter an. Der 55-jährigen Mutter soll ihr geplanter Ausstieg zum Verhängnis geworden sein.

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Ein Leichenwagen steht vor einem Mehrfamilienhaus an der Kirchstrasse in Grenchen, wo im obersten Geschoss eine Familie tot aufgefunden wurde, am 6. Juni 2009 in Grenchen. (Bild: Keystone)

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Rauschende Geburtstagsfeste mit Schlagerstars, haufenweise Bargeld in der Wohnung: Die Familie, die letzten Samstag in Grenchen ermordet aufgefunden wurde, soll auf grossem Fuss gelebt haben. Doch das Geld war wohl nicht ehrlich verdient. Schon seit Tagen wird über eine Verwicklung der 55-jährigen Mutter in Schenkkreise spekuliert.

Diese Spekulationen erhalten nun neue Nahrung: Im «Blick» berichtet ein Anwalt und Freund der Familie, dass die Mutter tief im Schenkkreis steckte. Sie sei weit oben im Schneeballsystem angelangt. Er habe sie dann darüber aufgeklärt, dass die ganze Sache illegal sei. Die 55-Jährige bekam Gewissensbisse – und wollte vor rund einem Jahr aussteigen.

Aber es sei gar nicht so einfach gewesen, erzählt der Anwalt weiter. «Sie hatte ein schlechtes Gewissen. Sorgte sich um all jene, die sie in den Schenkkreis gelockt hatte. Sie wollte nicht, dass diese ihre Einsätze verlieren. Darum beschloss sie weiterzumachen, bis alle ausbezahlt wären.»

«Was, wenn sie auspackt?»

Der Freund der Familie vermutet nun, dass ihr dieser Plan zum Verhängnis wurde. «Sie war ja nicht zuoberst in der Hierarchie. Über ihr gab es noch einen engeren Kreis.» Dort sei ihr Vorhaben gar nicht gut angekommen. «Sie wusste so viel – was, wenn sie auspackt?»

Wäre die 55-Jährige abgezogen, wäre dem Schenkkreis viel Geld durch die Lappen gegangen. Der Anwalt vermutet nun, dass sich die inneren Kreise des Systems das Geld zurückholten, bevor es zu spät war. Dies habe er am Montag auch gegenüber der Polizei ausgesagt.

Die Treffen des Schenkkreises haben laut dem Anwalt in Deutschland stattgefunden – dort seien Schenkkreise angeblich legal. Man habe dort Gutscheine getauscht, echtes Geld war nicht im Spiel. Die Gefahr, beim Grenzübertritt mit viel Bargeld erwischt zu werden, sei den Mitgliedern zu gross gewesen. Die Gutscheine seien in der Schweiz dann zu Bargeld gemacht worden.

Kein Kommentar der Polizei

Das Bargeld soll die Familie aus Grenchen in ihrer Wohnung gelagert haben. Ansatzpunkt für eine weitere Theorie: Hat jemand von dem Lager Wind bekommen? War das Blutbad ein Raubmord?

Spekulationen, die von der Polizei nicht kommentiert werden. Die angebliche Verhaftung im Fall Grenchen, die blick.ch gestern gemeldet hat, entpuppt sich wohl als Ente: Auch heute Morgen kommentiert die Kantonspolizei diese Meldung nicht und lässt gegenüber 20 Minuten Online durchblicken, dass da ein falscher Schluss gezogen worden sei. Die Meldung basierte auf Aussagen von Bewohnern, die gestern in Grenchen zivile Polizeiautos mit Blaulicht davonbrausen gesehen haben.

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(mlu)