Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Abstimmung
07. März 2010 16:32; Akt: 26.09.2010 11:28 Print
Bundesrat will offene Debatte über Zweite Säule
Ein so deutliches Nein hatte niemand erwartet: 72,7 Prozent des Stimmvolkes sagt Nein zur Senkung des Umwandlungssatzes. Der Bundesrat will nach dieser Niederlage Massnahmen ergreifen und eine öffentliche Diskussion lancieren.

Niederlage bei der ersten Abstimmung: Sozialminister Didier Burkhalter nimmt zusammen mit Bundespräsidentin Doris Leuthard Stellung vor den Medien. (Bild: Reuters/Michael Buholzer)
Eine saftige Niederlage muss Bundesrat Didier Burkhalter bei seiner ersten Eidgenössischen Abstimmung einstecken. Das Volk hat sich beim Umwandlungssatz deutlich gegen den Bundesrat ausgesprochen. Burkhalter sah an einer Medienkonferenz in Bern vielschichtige Gründe für das Nein. Er will das Abstimmungsergebnis als Ausgangspunkt für eine öffentliche Debatte über die berufliche Vorsorge nehmen.
Die ResultateDas Schweizer Volk hat die Senkung des BVG-Umwandlungssatzes mit 72,7% klar abgelehnt. Bei den ausgezählten Kantonen zeigt sich ein leichter Röstigraben. So haben die Westschweizer Kantone die BVG-Vorlage mit über 75% abgelehnt. Besonders stark war der Nein-Anteil im Jura (84,8%), in Neuenburg (81,6%) und im Wallis (80,9%).
In der Deutschschweiz liegt der Anteil der Nein-Stimmen mehrheitlich unter 70%. Am meisten Befürworter fanden sich im Kanton Appenzell-Innerrhoden, wo 57,7% der Stimmberechtigten Nein sagten. Im Kanton Tessin lehnten 78,6% die Senkung des Umwandlungssatzes ab. (mdr)
Kritik gehört — Vertrauen herstellen
Burkhalter macht das Misstrauen gegenüber der Wirtschaft, das in der Bevölkerung herrsche, für die Abstimmungsniederlage mitverantwortlich. Aber erst eine detaillierte Analyse werde Aufschluss über die genauen Gründe für das Nein geben. Der Bundesrat werde nun aber nicht einfach alle Reformen stoppen. Die Diskussion sei durch das Abstimmungsergebnis nicht beendet, sondern beginne erst, sagte Burkhalter. Er möchte eine öffentliche Debatte über die Zweite Säule beginnen. Weiter ergreift der Bundesrat Massnahmen bei der Überwachung sowie der Finanzierung der Pensionskassen und erstellt einen Bericht. Damit will er das Vertrauen der Bevölkerung wiederherstellen.
Für den Bundesrat sei die Konsolidierung der Sozialwerke eine Priorität. Deshalb will er Lösungen suchen, mit denen die Sozialwerke auf eine langfristig solide Basis gestellt werden könnten, sagte Burkhalter. Die Lösungen müssten den sozialen Bedürfnissen gerecht werden. Ausserdem dürften sie das Gleichgewicht zwischen den Generationen und den Sozialpartnern nicht schwächen. Denn das Thema betreffe alle Generationen, und die Sozialpartnerschaft sei ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Schweiz, sagte Burkhalter. Der Bundesrat habe die Kritik der Bevölkerung gehört.
Problem der Prognose
Die Erhöhung der BVG-Beiträge sei eine Möglichkeit, sagte Burkhalter auf eine entsprechende Frage. Doch am Abstimmungssonntag würden alle Möglichkeiten genannt. Burkhalter will derzeit noch keine Stellung nehmen zu konkreten Massnahmen. Er äusserte jedoch Bedenken gegenüber der heutigen Regelung, bei der sich der Umwandlungssatz auf Prognosen stützt. Ein automatischer Mechanismus sei vorstellbar.
Der Spielraum, um bei der 11. AHV-Revision eine Lösung zu finden, sei nicht gross. Es muss laut Burkhalter gespart werden. Der Bundesrat könne nicht alles wieder ausgeben, was durch die Revision gespart wird. Sonst müsse man die AHV in einigen Jahren wieder sanieren. Der Bundesrat will deshalb für eine Lösung im Parlament kämpfen. Die Gewinner der BVG-Abstimmung hatten nach dem klaren Nein Kritik an der Revision geübt.
Zufriedenheit über Ergebnisse
Bei der Forschung am Menschen habe das Volk einer kohärenten Regelung zugestimmt, sagte Burkhalter. Damit werde die Würde des Menschen geschützt. Bisher habe es keine schweizweite Regelung gegeben. Die Schweiz sei gut positioniert, was den Forschungsplatz betrifft. Der neue Artikel regle, was mindestens nötig ist, aber nicht mehr, als nötig sei, um die Freiheit der Forschung zu bewahren, sagte Burkhalter.
Bundespräsidentin Doris Leuthard wertet das Nein des Volkes zum Tierschutzanwalt als Vertrauensbeweis in das neue Tierschutzgesetz. Es brauche weiterhin verschiedene Aktivitäten, um Tierquälerei zu verhindern. Dazu gehören für Leuthard die Prävention und griffige Sanktionen bei Übergriffen. Die neue Strafprozessordnung werde die Situation noch verbessern, so Leuthard. Vermutlich habe ebenfalls eine Rolle gespielt, dass die Stimmberechtigten die Frage eines Tierschutzanwalts nicht als dringendes Problem erachteten. Dennoch werte der Bundesrat das Resultat nicht als Absage an den Tierschutz.
(mdr/sda)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 32 Kommentare































Das kommt halt davon..
..wenn nur emotional gewählt wird.. einfach die augen vor der realität verschliessen und die wahrheit nicht sehen wollen.. wer soll den die bvg weiterhin finanzieren? etwas die schrumpfende bevölkerung?
72?
Mitnichten, die Schweiz hat 2500 Einkommensmillionäre. Spielt aber auch keine Rolle, die höheren Renten kann man dennoch nicht finanzieren - ausser vielleicht mit späterem Rentenalter. Ich wäre für ~70. Körperlich hart arbeitende natürlich früher - die können eh nicht mehr. Dass der Staat das Volk, also wir alle sind, verstehen einige leider nicht mehr.
Das Vertrauen ist weg!
Das Vertrauen in den Bundesrat und Parlament ist am Boden! Wir das Volk haben genug, da schmeisst der Bundesrat 6. Milliarden der UBS in den Hals und für das Volk will man nichts tun! Weiter so, eine Revolution ist nahe!