Wikileaks-Coup

28. Juli 2010 16:56; Akt: 29.11.2010 11:17 Print

Irak-Whistleblower unter Verdacht

Wer hat Wikileaks die geheimen Afghanistan-Papiere zugespielt? Die Ermittlungen konzentrieren sich auf den gleichen Soldaten, der das Irak-Video veröffentlicht hat.

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Der 22-jährige Bradley Manning war im Mai in Bagdad verhaftet worden. Er hatte online dem Ex-Hacker Adrian Lamo anvertraut, dass er das Video eines tödlichen US-Helikopterangriffs von 2007 sowie weitere Dokumente der Website Wikileaks zugespielt hatte. Lamo verständigte darauf das FBI. Seither wird Manning auf einer Militärbasis in Kuwait festgehalten, ihm drohen ein Prozess vor Kriegsgericht und bis 52 Jahre Haft.

Nun ist er auch in Zusammenhang mit dem jüngsten Wikileaks-Coup, der Veröffentlichung von 75 000 Dokumenten aus dem Afghanistan-Krieg, ins Visier der Ermittler geraten. Der Pressechef des Pentagon bezeichnete Bradley Manning gegenüber der «Los Angeles Times» als «Person von Interesse». Als Angehöriger des militärischen Nachrichtendienstes hatte er Zugang zu Datenbanken und Servern des US-Zentralkommandos, das zuständig ist für die militärischen Operationen im Irak und in Afghanistan.

Als Lady-Gaga-CD getarnt

Unklar ist allerdings, wie er eine derart grosse Datenmenge unbemerkt entwenden konnte. Ein Ermittler erachtet es für möglich, dass er die Daten auf CDs heruntergeladen hat. Tatsächlich beschrieb Manning in seiner Konversation mit Lamo, wie er leere CDs, die als Alben von Lady Gaga getarnt waren, in seinen Laptop geschoben und die Lippen zu den vermeintlichen Songs bewegt habe, während er das geheime Material herunterlud.

Allerdings gehen die Ermittler laut CNN davon aus, dass Manning Zugang zu einem Teil der Afghanistan-Dokumente hatte, aber nicht zu allen. Die Untersuchung werde deshalb auf mögliche Komplizen und weitere Bereiche des US-Militärs ausgedehnt. Der Soldat selber beruft sich auf seine verfassungsmässigen Rechte und verweigert die Zusammenarbeit.

Wikileaks hat nie bestätigt, dass Bradley Manning die Quelle des Bagdad-Videos war. Man kenne die Informanten selber nicht, hiess es. Gründer Julian Assange erklärte jedoch, man werde den Soldaten bei seiner Verteidigung unterstützen.

(pbl)