Dolmetscher in Afghanistan

09. September 2010 14:10; Akt: 09.09.2010 14:26 Print

Amerikaner verstehen nur BahnhofAmerikaner verstehen nur Bahnhof

Amerikanische Dolmetscher in Afghanistan verfügen über mangelhafte Sprachkenntnisse. Das Problem ist seit langem bekannt, aber offenbar unlösbar.

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Manchmal hilft nur noch Zeichensprache: Die Fremdsprachenkenntnisse der amerikanischen Übersetzer sind ungenügend. (Bild: Keystone/AP/Jason Straziuso)

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Als ob es nicht schon genügend Probleme in Afghanistan gäbe: Über ein Viertel der Dolmetscher, die amerikanische Soldaten in Afghanistan auf ihren Einsätzen begleiten, sprechen schlecht Persisch und Paschtunisch (die beiden in Afghanistan verbreiteten Sprachen) – und werden trotzdem an die Front geschickt, berichtet «ABC News». Ehemalige US-Soldaten erzählen von bizarren Gesprächssituationen mit afghanischen Dorfältesten, deren lange Ausführungen schlicht mit «Er sagt: okay» übersetzt wurden.

Die Dolmetscher wurden der US-Armee von der Firma «Mission Essential Personnel» zur Seite stellt. Sie hat dafür 1,4 Milliarden Dollar kassiert. Ein ehemaliger Mitarbeiter, der zeitweise die Rekrutierung der Kandidaten leitete, sagte gegenüber ABC: «Nach den Eintrittstests wurden ungenügende Noten ganz einfach in genügende umgewandelt. Viele, die eigentlich durchgefallen waren, hatten plötzlich bestanden.» Die US-Armee hat bestätigt, dass gegen die Firma eine Untersuchung eingeleitet worden sei. «Mission Essential Personnel» bestreitet die Vorwürfe und gibt an, einer möglichen Klage gelassen entgegen zu sehen.

Schon im Kalten Krieg ein Problem

Sprachprobleme dieser Art sind beileibe keine Neuigkeit. 2007 teilte das amerikanische Aussenministerium mit, von 1000 Angestellten in der US-Botschaft in Bagdad verfügten nur zehn über Grundkenntnisse in Arabisch. Selbst im Kalten Krieg war allgemein bekannt, dass der sowjetische Geheimdienst KGB weit erfolgreicher in der Sprachausbildung seiner Agenten war als die Kollegen bei der CIA.

Die amerikanischen Universitäten spüren die Auswirkungen dieser Defizite. Gemäss der «Modern Language Association», dem wichtigsten amerikanischen Verband für Fremdsprachen, schrieben sich zwischen 2002 und 2006 doppelt so viele Studenten für Arabisch- und Persischkurse ein. Aber offenbar fehlt es am nötigen Durchhaltewillen: 2008 (letzte verfügbare Daten) schlossen gerade einmal 13 Amerikaner ein Hochschulstudium in Arabisch oder Persisch ab.

(kri)