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Erfolgreiche Offensive
02. März 2010 15:52; Akt: 02.03.2010 15:53 Print
Alliierte haben Taliban-Hochburg «gesäubert»
Überraschend schnell hat die grösste Offensive seit dem Afghanistan-Einmarsch 2001 zum Erfolg geführt. Geschlagen aber sind die aufständischen Taliban noch lange nicht. Vieles hängt davon ab, ob die Regierung in Kabul die Kontrolle in der Provinz übernehmen kann.

US-Marines und afghanische Soldaten patrouillieren in Mardschah. (Bild: Reuters)
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Zum ersten Mal seit vier Jahren sind die Taliban und ihre Verbündeten in der Defensive. Wichtige Anführer wie Mullah Abdul Ghali Baradar, der als Nummer zwei hinter Mullah Mohammad Omar gilt, befinden sich in Pakistan in Sicherheitsgewahrsam. Nach zweiwöchigen Kämpfen übernahm die afghanische Regierung zudem die Kontrolle über die Taliban-Hochburg Mardschah in Helmand. Dort beseitigten US-Soldaten am Wochenende die letzten Widerstandsnester.
«Im Grunde kann man sagen, dass Mardschah jetzt gesäubert ist», sagte US-Hauptmann Joshua Winfrey zwei Wochen nach Beginn der grössten alliierten Offensive seit dem Afghanistan-Einmarsch 2001. Mardschah diente den Taliban als Umschlagplatz für Drogen und als logistische Basis.
Nach amerikanischen Militärangaben sollen mehr als 2000 US-Marineinfanteristen und etwa 1000 afghanische Soldaten noch mehrere Monate in der Stadt bleiben, um sicherzustellen, dass die Aufständischen nicht zurückkehren. US-Truppen begannen am Sonntag damit, ihre Stellungen rund um die einstige Taliban-Hochburg sowie im Zentrum auszubauen.
Taliban zu Verhandlungen zwingen
Läuft alles wie geplant, dann werden die Taliban und ihre Verbündeten zunehmend unter Druck geraten, eine Verhandlungslösung zu suchen. Nach Ansicht des Oberbefehlshabers der US- und NATO-Truppen in Afghanistan, General Stanley McChrystal, ist dies der einzige Weg zu einer Beendigung des Konflikts. General David Petraeus, der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Mittleren und Nahen Osten, bezeichnete die Offensive in Helmand nur als Anfang eines Feldzuges, dessen Dauer er auf bis zu 18 Monate schätzte.
Sollten die Taliban ihre Basis in Helmand verlieren, könnten sie sich im Norden der Provinz Urusgan neu aufstellen, besonders wenn die Niederländer wie erwartet dort bis Ende dieses Jahres ihre Truppen abziehen und kein anderer Alliierter einspringt. Die Arbeit der niederländischen Truppen galt als vorbildlich, sie haben die einstige Taliban-Hochburg weitgehend befriedet. Mit entsprechend grossem Bedauern wurde der nach dem Zusammenbruch der Regierung in Den Haag angekündigte Abzug aufgenommen.
Im Sommer Angriff auf Kandahar
Wenn die Gegend rund um Mardschah gesichert ist, wollen sich die NATO und die mit ihr verbündeten afghanischen Regierungstruppen nach Osten und damit einer weitaus grösseren Herausforderung zuwenden: Kandahar. Es ist die zweitgrösste Stadt Afghanistans und die wirtschaftliche und kulturelle Hauptstadt des Südens. Bis zur US-geführten Invasion 2001 war sie auch das geistliche und das Machtzentrum der Taliban.
Nach ihrer Vertreibung konnten die Taliban in Kandahar und Umgebung, wo nur 1000 Kanadier stationiert sind, zuletzt wieder beträchtlich an Boden gutmachen. Mittlerweile kontrollieren sie Dörfer im Norden und Westen Kandahars und haben ihren Einfluss bereits in zahlreiche Viertel der Stadt ausgedehnt. Um diese Entwicklung zu stoppen, will die NATO ihre Präsenz in dem Gebiet in den kommenden Monaten auf 6000 Soldaten ausbauen. Tausende weitere werden vermutlich dazu stossen, wenn die Offensive beginnt. Viele Beobachter gehen davon aus, dass das im Sommer sein wird.
Regierung soll Einfluss ausdehnen
Wenn die Gegend von Kandahar gesichert ist, hofft die NATO auf die Errichtung eines Bogens der Stabilität, der sich von Helmand im Südwesten bis nach Kabul im Nordosten erstreckt. Dies wiederum würde der afghanischen Regierung dabei helfen, ihren Einfluss auf Gebiete auszudehnen, die sich dem bislang entzogen haben. Möglicherweise würden dann mehr Afghanen als jetzt davon ausgehen, dass ihre Zukunft an der Seite der Regierung liegt und nicht an der der Aufständischen.
Der Schlüssel zu dieser Entwicklung liegt darin, die Kapazität und die Effizienz der afghanischen Regional- und Gemeindeverwaltungen zu verbessern. Viele Dorfbewohner berichten, die Taliban seien vor allem deshalb attraktiv, weil sie örtliche Streitigkeiten regelten und für Recht und Ordnung sorgten - und zwar ohne all das Schmiergeld und die Verzögerungen, die Kennzeichen der afghanischen Verwaltung sind.
Ob dies gelingen wird, bleibt zweifelhaft. Der afghanische Vizepräsident Abdil Karim Khalili versuchte am Montag bei einem Besuch in Mardschah, die Menschen zu beruhigen. Man werde sie nicht wie früher im Stich lassen: «Wir werden bleiben, aufbauen und euch verteidigen.» Doch zu oft in der Vergangenheit wurden die Afghanen von Kabul enttäuscht, betont der Korrespondent der britischen BBC. Auch in dieser Hinsicht entsprächen die NATO-Pläne einem Vorstoss in «unerforschtes Gebiet».
(pbl/dapd)


























