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Fritzl-Prozess, Tag 3
18. März 2009 08:12; Akt: 18.03.2009 17:07 Print
«Kein volles Mordgeständnis»
Der dritte Tag im Prozess gegen den Inzest-Vater begann mit einem Paukenschlag: Josef Fritzl bekannte sich in allen Punkten schuldig. Der Gerichtspsychiater befürchtet, dass der 73-Jährige nach der Urteilsverkündung Selbstmord begehen könnte.
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Inzest-Prozess gegen Josef Fritzl
16:40: Cutka verweist einen zweiten Journalisten des Saals und beendet die Pressekonferenz.
Die psychiatrische Gutachterin Adelheid Kastner bescheinigt Fritzl eine «schwere Persönlichkeitsstörung.» (Bild: KEYSTONE/EPA/ROBERT JAEGER)
20 Minuten Online ist live dabei
Vom 16. bis 20. März findet im österreichischen St. Pölten der Prozess gegen den Inzest-Vater Josef Fritzl statt. 20 Minuten Online informiert ab Montag, um 9.30 Uhr, in Zusammenarbeit mit «oe24.at» an jedem der Verhandlungstage live aus dem Gerichtssaal über die aktuellen Entwicklungen im Prozess.
Bis auf Weiteres wird die Öffentlichkeit nicht zum Prozess zugelassen. Die offizielle Pressekonferenz ist wieder für 16.00 Uhr anberaumt. 20 Minuten Online berichtet live.
16:36: Cutka erzählt, dass Josef Fritzl nach seinem Schuldgeständnis den Vorträgen der Gutachten aufmerksam gelauscht habe.
16:33: Der Gerichtssprecher verweist einen Journalisten namens Oswald des Saals.
16:26: Nochmals über die mögliche Anwesenheit E. Fritzls befragt, sagt Cutka, dass er nicht sagen könne, ob sie unter den Zuschauern war. Alle Kameras und Mikrofone, die normalerweise im Gerichtssaal eingeschaltet sind, wurden aus Sicherheitsgründen abgeschaltet bzw. entfernt - dadurch hätte E. Fritzl keine Möglichkeit gehabt, die Verhandlung via Bildschirm zu verfolgen. Weder er noch der Gerichtspräsident hätten Angehörige oder Opfer des Angeklagten in Empfang genommen.
16:25: Cutka erklärt das Prinzip des Fragenkatalogs, der heute erstellt wurde und morgen den Geschworenen vorgelegt wird.
16:19: Fritzl sei heute nach der Verhandlung wieder in psychiatrischer Behandlung gewesen.
16:14: Auf die Frage, ob es üblich sei, dass ein Prozess so schnell zu Ende gehen würde - insbesondere bei einer Straftat, die 24 Jahre lang angedauert habe - meint Cutka, dass die Videoaufzeichnungen den Prozess ungemein beschleunigt hätten.
16:12: Nach dem Urteil komme es darauf an, ob auf Rechtsmittel verzichtet wird oder nicht. Wenn nach der Bedenkzeit kein Einspruch erfolge, wisse man Dienstag Bescheid, ob das Urteil rechtskräftig ist oder nicht.
16:08: Auf die Frage, ob Fritzls Tochter E. im Gerichtssaal anwesend war, gibt es keinen Kommentar. Auf die Frage, ob E. während der Verhandlung in einem Nebenraum gesessen sei, sagt Cutka, dass es keine Nebenräume gebe. Heute sei E. Fritzl auf jeden Fall nicht im Gerichtssaal gesessen.
16:07: Das Urteil ist für den Nachmittag angesetzt, eine halbe Stunde später werde es eine Pressekonferenz geben.
16:06: Cutka stellt fest, dass die Gutachter ihre Expertisen vorgetragen und sich die Richter danach zurückgezogen haben, um über die Fragen für die Geschworenen zu beraten. Um 9 Uhr werde die Verhandlung fortgesetzt und die Fragen werden dann an die Geschworenen gestellt. Staatsanwältin und Verteidiger werden ihre Schlussplädoyers halten. Wenn die Beratung der Geschworenen abgeschlossen ist, dürfen die Journalisten, die davor ausgeschlossen werden, wieder in den Saal. Fotografen sind bei der Urteilsverkündung nicht zugelassen.
16:05: Der Sprecher bekräftigt, dass Fritzl heute zu allen Anklagepunkten ein Geständnis abgelegt hat
16:00: Cutka begrüsst die Anwesenden mit einer Klarstellung bezüglich der Beschwerden von Journalisten beim Ministerium, ausgeschlossen worden zu sein. Ab morgen früh werde es Bilder nach der Ankunft des Angeklagten im Saal geben.
15:56: Gerichtssprecher Franz Cutka betritt das Medienzelt.
15:43: Das Pressezelt vor dem Gerichtsgebäude füllt sich wieder, in Kürze findet hier das heutige Pressebriefing statt - wir berichten live.
15:31: Wieder Ärger bei den Medien: Es wird beklagt, dass es am dritten Verhandlungstag infolge einer Entscheidung des Gerichts keine Bilder vom Inzest-Prozess in Sankt Pölten gab. Von «unüblichen Regelungen» und «unklarer Situation» wird gesprochen.
15:02: Als «kein volles Mordgeständnis» Fritzls wertet Strafrechtler Helmut Fuchs die Aussage des Angeklagten, der heute gesagt hatte: «Ich bekenne mich schuldig. Ich hätte erkennen müssen, dass es dem Baby schlecht geht». Allenfalls liege ein Geständnis in Richtung fahrlässige Tötung vor, so Fuchs. Fritzl hätte sagen müssen: «Ich habe zumindest für möglich gehalten, dass das Kind stirbt».
14:24: Gerichtspsychiater Reinhard Haller gibt zu bedenken, dass Fritzl nach der morgigen Urteilsverkündung suizidgefährdet sei, vor allem, wenn der Angeklagte eine sehr lange Strafe erhalte.
14:02: Sollte Fritzl nach seinem Geständnis auch wegen Sklavenhandels schuldig gesprochen werden, wäre dies - entgegen aller bisherigen Meldungen - nicht die erste Verurteilung nach dem Paragraf 104 Strafgesetzbuch. Bereits 2002 gab es in Innsbruck eine Verhandlung, bei der Sklavenhandel ein Anklagepunkt war. Der Angeklagte war damals schuldig gesprochen worden.
13:30: Aus dem elektromechanischen Gutachten, das die Richterin heute verlesen hat, geht hervor, dass, selbst wenn jemand die Tür zum Verlies entdeckt hätte, er kaum in den Keller gelangt wäre: Fritzl hatte die Schleuse zu den Kellerräumen, in denen seine Tochter und die drei Kinder leben mussten, mit einer Funkfernsteuerung versehen. Daneben war ein Schalter, mit dem man die Schleuse nur in einer speziellen Stellung öffnen konnte - von innen liess sich die Schleuse überhaupt nicht öffnen.
Bildstrecke: Das Inzest-Verlies
13:14: Für den renommierten Psychiater und Gerichtsgutachter Reinhard Haller kam das Geständnis nicht überraschend. «Ich habe in irgendeiner Art und Weise mit einem Zusammenbruch gerechnet».
12:56: Die Gutachterin rät im Falle eines Schuldspruches zu einer Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.
12:40: Immer noch beraten die Berufsrichter hinter verschlossenen Türen über die Fragen, welche morgen den Geschworenen gestellt werden. Anhand dieser Fragen soll den 12 Geschworenen die Wahrheitsfindung und somit ihre Entscheidung erleichtert werden. Fritzl selbst hat indessen sein Mittagessen serviert bekommen.
12:11: Aus dem heute präsentierten Gutachten geht hervor, dass Fritzl sich seine drittgeborene Tochter ganz bewusst als Opfer ausgesucht hat. Sie sei ihm «am ähnlichsten» gewesen. Dem Angeklagten sei es darum gegangen, gerade ihren Willen zu brechen, sagte Kastner.
11:41: Wieder Ärger bei den Journalisten: Weder der ORF noch die Austria Presseagentur konnten heute Fotos von Josef Fritzl machen, obwohl es so vereinbart war. Die APA hält in einer Mitteilung fest: Die beiden APA-Pool-Fotografen waren - ebenso wie das ORF-TV-Team für den Fernseh-Pool - am Vormittag entgegen den geltenden Pool-Vereinbarungen vor Verhandlungsbeginn aufgrund einer Anordnung des Gerichtes nicht zugelassen worden. Begründet wurde dies von Gerichtssprecher Franz Cutka offiziell mit «erhöhten Sicherheitsmassnahmen» und daraus resultierendem Platzmangel im Gang des Landesgerichtes St. Pölten.»
11:15: Mayer erklärt den Reportern auch, warum er glaubt, dass Fritzl sich plötzlich voll schuldig bekannt hat: Einerseits, so der Anwalt, dürfte Fritzl das Video zu seinem überraschenden Geständnis in sämtlichen Anklagepunkten bewogen haben. Immerhin habe der Angeklagte gestern psychiatrischen Beistand erbeten, um die erstmals gesehenen Szenen mit den belasteten Angaben seiner Tochter verarbeiten zu können. «Es hat bei ihm eine grosse Erschütterung stattgefunden». Ausserdem könnte die Anwesenheit seiner Tochter im Saal - so sie wirklich da war - einen «Grossteil der Erschütterung» ausgemacht haben.
11:07: Fritzls Verteidiger Rudolf Mayer ist fassungslos: Das umfassende Geständnis seines Mandanten sei mit ihm, Mayer, nicht abgesprochen gewesen. Die plötzliche Schuldeinsicht Fritzls in den Anklagepunkten Mord durch Unterlassung und Sklavenhandel wäre auch für ihn «eine Überraschung» gewesen, so der Anwalt vor Journalisten.
10:50: Jene 95 Journalisten, die vorher im Saal waren, versammeln sich inzwischen im Pressezelt, um ihre Eindrücke aufzuzeichnen oder weiterzugeben. Heute werden sie nicht mehr im Gerichtssaal zugelassen.
10:41: Die drei Berufsrichter ziehen sich zur Beratung über den Fragenkatalog zurück, den die Geschworenen zu beantworten haben. Diese Fragen werden morgen um 9.00 Uhr im Landesgericht St. Pölten öffentlich verlesen.
10:34: Das Beweisverfahren zum Fritzl-Prozess ist abgeschlossen - ein Urteil erfolgt am Donnerstag. Möglicherweise verzichtet die Richterin auf die zwei weiteren, für heute geplanten technischen Gutachten.
10:26: Im Anschluss an das psychiatrische Gutachten wird ein lüftungstechnisches Gutachten verlesen. In diesem wird erklärt, ob die Opfer im Kellerverlies erstickt wären, wenn Fritzl sie im Stich gelassen hätte.
Bildstrecke: Josef Fritzl im Zeugenstand
10:04: Aus dem Gerichtssaal sickert die Aussage Josef Fritzls zu seinem Schuldbekenntnis durch: «Ich weiss nicht, warum ich nicht geholfen habe. Ich war der Hoffnung, dass er das durchsteht.» Auf Befragen der Richterin räumt Fritzl ein, dass er bei der Zwillingsgeburt dabei war und bemerkte, dass der Säugling schwer atmete. «Ich bekenne mich schuldig. Ich hätte erkennen müssen, dass es dem Baby schlecht geht». Und auf Vorhalt der Richterin, dass in jenen 66 Stunden, bis der Säugling starb, Zeit gewesen wäre, ihn ins Spital zu bringen, sagt der Angeklagte noch einmal: «Ich hätte etwas tun müssen. Ich habs einfach übersehen. Ich war der Meinung, der Kleine wird überleben.»
09:57: Kastner begründet, warum Fritzl unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leidet und berichtet den Geschworenen, dass sich der Angeklagte während der insgesamt sechs Sitzungen kooperativ gezeigt habe.
09:44: In ihrem Gutachten kommt die Expertin zu dem Schluss, dass Fritzl während des gesamten Tatzeitraums zurechnungsfähig war und damit für seine Untaten verantwortlich gemacht werden kann.
09:30: Die psychiatrische Gutachterin Adelheid Kastner beginnt mit ihren Ausführungen zu Fritzls Psychogramm.
09:15: Nach dem überraschenden Geständnis von Josef Fritzl fragt die Richterin den Angeklagten, was ihn zu seinen Sinneswandel bewogen habe. Der 73-Jährige verweist auf das Video mit der kontradiktorischen Einvernahme seiner Tochter, das gestern den Geschworenen zur Gänze gezeigt worden war.
09:10: Inzwischen sickert durch, dass Josef Fritzls Tochter am gestrigen Prozesstag im Gerichtssaal anwesend war.
09:03: Josef Fritzl bekennt sich völlig überraschend in sämtlichen Anklagepunkten schuldig. Das nun mehrteilige Geständnis umfasst auch den inkriminierten Mord durch Unterlassung und den Sklavenhandel. Bisher hatte sich der Angeklagte nur teilweise der versuchten Vergewaltigung, der schweren Nötigung, der Freiheitsentziehung und der Blutschande schuldig erklärt.
09:03: Die psychologische Gutachterin Adelheid Kastner beginnt nit ihren Darlegungen aus dem Gutachten. Sie bescheinigt Fritzl eine schwere Persönlichkeitsstörung.
08:50: Josef Fritzl wird, eskortiert von zehn Justizwachbeamten, in den Gerichtssaal geführt. Im Saal wird es ruhiger. Kein Fotograf darf sich heute im Gerichtssaal aufhalten, d.h. es gibt keine Bilder vom Angeklagten.
08:47 Uhr: Auch die Geschworenen sowie Richterin Andrea Humer und Staatsanwältin Christiane Burkheiser haben Platz genommen. Fritzls Verteidiger Rudolf Mayer befindet sich ebenfalls im Gerichtssaal. Die 95 Journalisten warten gespannt auf den Angeklagten: Wird er sein Gesicht wieder verdecken?
08:45: Die psychiatrische-Gutachterin Adelheid Kastner betritt den Gerichtssaal. Sie wird als Erste ihr Gutachten vortragen. Im Vorfeld hatte sie Fritzl für sechs lange Sitzungen getroffen, um ihre 130-seitige Expertise zu erstellen.
08:40: Die zum Prozess zugelassenen Medienvertreter haben im Saal Platz genommen. Heute wird die Verhandlung nicht via Bildschirm ins Pressezelt, das sich vor dem Gerichtsgebäude befindet, übertragen.
08:20: In Kürze wird Josef Fritzl, begleitet von zehn Polizisten, in den Gerichtssaal geführt. Anders als am Dienstag bekommen Journalisten jedoch keine Gelegenheit, ein mögliches Statement vom Angeklagten zu hören.
08:00: Heute ist die Öffentlichkeit wieder zum Prozess zugelassen. Die Journalisten werden ins Gerichtsgebäude gelassen. Wieder müssen sie sich den strengen Sicherheitskontrollen unterziehen. Um 9 Uhr beginnt heute die Verhandlung.
Schwere Persönlichkeitsstörung
Die Gutachterin Heidi Kastner hat am zweiten Tag des Prozesses dem 73-Jährigen eine schwere Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Danach sollen nach Justizangaben technische Expertisen zu den Gegebenheiten in dem Keller verlesen werden, in dem Fritzl seine Tochter Elisabeth 24 Jahre lang gefangengehalten und vergewaltigt hatte.
Auch drei der sieben Kinder, die er mit ihr zeugte, mussten in dem Keller leben. Drei weitere Kinder holte er nach oben und zog sie mit seiner Frau auf. Ein weiteres Kind starb kurz nach der Geburt, weil Fritzl keine Hilfe geholt haben soll. Dazu sagte bereits am Dienstag ein Experte aus. Im Mittelpunkt des zweiten Verhandlungstags stand jedoch die Aussage der Tochter, die auf insgesamt elf Stunden langen Videobändern aufgenommen wurde.
Erwartet wird, dass sich das Gericht im Anschluss an die Gutachten am Nachmittag zu Beratungen zurückzieht. Dann könnten am Donnerstag zunächst die Plädoyers und nachmittags das Urteil folgen, einen Tag früher als geplant.
Am Montag wurde eine Videoaufnahme von Fritzl ohne Ordner vor dem Gesicht veröffentlicht (Zeitlupe)
(Quelle: APTN Video)
(kle/oe24.at)


























