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Atom-Ausstieg
08. Juni 2011 12:19; Akt: 08.06.2011 19:04 Print
«Auch ohne FDP schaffen wir die Mehrheit»
Bis kurz vor der Abstimmung haben die Ausstiegs-Befürworter in der Wandelhalle um jede Stimme gekämpft. Nun gilt es, den Ständerat zu überzeugen und konkrete Massnahmen für den Umstieg einzuleiten.
Nick Beglinger, Präsident des grünen Wirtschaftsverbands Swisscleantech, ist zufrieden mit dem Abstimmungsresultat zu den Ausstiegs-Motionen. «Der Nationalrat hat damit ein klares Zeichen gesetzt - und ein solches braucht die Wirtschaft.» Dass die zentrale Motion von CVP-Nationalrat Roberto Schmidt mit 101 Stimmen sogar eine absolute Mehrheit auf sich vereinen konnte, freut ihn besonders. «Das zeigt: Auch ohne die FDP schaffen wir die Mehrheit.» In einen Freudentaumel mag Beglinger aber nicht verfallen. Denn noch sei offen, ob und welche Massnahmen der Nationalrat für die Energiewende beschliesse. Beglinger: «Es darf nicht sein, dass der Ausstieg beschlossen und dann bei den Massnahmen gezaudert wird.»
Atomenergie in Europa14 der 27 EU-Staaten setzen derzeit auf Atomkraft. Die Klima- und Energieversorgungs-Diskussion der letzten Jahre hatte die meisten Regierungen in ihrer atomfreundlichen Haltung bestärkt.
Die Atomkatastrophe in Japan verstärkte zwar in den meisten EU- Ländern den Widerstand gegen die Kernenergie. Aber nur gerade die deutsche Regierung beschloss Anfang Juni, die 17 AKW schrittweise bis 2022 abzuschalten. Am 8. Juli sollen Bundestag und Bundesrat (Länderkammer) über die Vorlage befinden. In Deutschland deckt die Kernenergie rund einen Viertel des Strombedarfs.
Die übrigen EU-Staaten mit eigenen AKW wollen an ihrem bisherigen Kurs festhalten. Polen, das bisher noch keinen eigenen Atomstrom produziert, hält am geplanten Bau eines AKW fest. Wie andere mittel- und osteuropäischen EU-Mitglieder will das Land nicht zu stark in die energiepolitische Abhängigkeit Russlands geraten.
In Italien, das nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 seine vier AKW stillgelegt hatte, plant die Regierung von Silvio Berlusconi seit längerem den Wiedereinstieg. Ihr Versuch, eine Volksabstimmung darüber zu verhindern, scheiterte am Urteil des Kassationsgerichts in Rom: Am 12. und 13 Juni stimmt Italien über den Wiedereinstieg ab. Österreich, das keine Kernkraftwerke betreibt, aber Atomstrom aus dem Ausland bezieht, macht sich seit Fukushima für einen internationalen Atomausstieg stark.
Die EU führt als Konsequenz aus Fukushima seit Anfang Juni «Stress-Tests» in allen AKW durch. Geprüft werden Risiken bei technischem und menschlichem Versagen und bei Naturkatastrophen, nicht aber bei Terror-Anschlägen. Auch die Schweizer AKW lassen sich testen.
«Der Ausstieg muss ein Umstieg sein», forderte auch Pascale Bruderer (SP/AG). Nach dem der Rat A gesagt habe, gelte es nun B zu sagen und den Umstieg einzuleiten.
Euphorisch zeigt sich der Urheber der zentralen Ausstiegs-Motion, der Walliser CVP-Nationalrat Roberto Schmidt: «Das isch e hüeregüete Tag», meint er lachend. Besonders stolz ist er, dass sein Vorstoss mit 101 Stimmen die absolute Mehrheit geschafft hat. «Noch heute Morgen habe ich jemanden für ein Ja überzeugen können», sagt er. In den letzten Tagen hat er die Unentschlossenen in seiner Fraktion intensiv bearbeitet, so dass am Schluss nur einer Nein stimmte und einzelne sich enthalten haben.
«Noch viel Lobbyarbeit»
Für Schmidt ist der Ausstiegs-Entscheid ein wichtiges Zeichen an die Wirtschaft und die Bevölkerung: «Wir wollen die Energiewende.» Das Resultat im Nationalrat sei zudem ein klares Signal an den Ständerat, ebenfalls auf den Atomausstieg zu setzen. Der Ständerat entscheidet voraussichtlich im Herbst. Schmidt ist zuversichtlich: «Es braucht noch viel Lobbyarbeit, aber auch im Ständerat wird es für eine Mehrheit reichen.»
Erfreut über das Ja des Nationalrats ist auch die Allianz «Nein zu neuen AKW». Präsident Jürg Buri spielt den Ball gleich an den Ständerat weiter: «Der Ständerat muss nun den doppelten Ausstiegsentscheid des Nationalrates und des Bundesrates vorantreiben, denn es gilt jetzt Nägel mit Köpfen zu machen, verbindliche Massnahmen zur Durchsetzung einer umfassenden Energieeffizienz-Strategie zu beschliessen und förderliche Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien definitiv einzurichten.»
Wirtschaft bedauert Entscheid
Keinen glücklichen Eindruck machte hingegen FDP-Präsident Fulvio Pelli. Selbst wenn seine Partei Nein gestimmt hätte, statt sich der Stimme zu enthalten, hätte die Schmidt-Motion eine Mehrheit gefunden. Er sei nicht enttäuscht, das Resultat sei voraussehbar gewesen, sagt Pelli aber. Man werde nun versuchen, im Ständerat Korrekturen durchzubringen. Pellis zentrales Anliegen: «Es darf kein Technologieverbot geben!»
Dies möchte auch der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse verhindern. «Wir bedauern, dass die Mehrheit des Nationalrats nicht dafür gesorgt hat, dass vor einem derart wichtigen Beschluss solide Entscheidungsgrundlagen erarbeitet wurden», schreibt der Verband in einer Mitteilung. So seien die Einspareffekte unrealistisch hoch eingeschätzt worden, das Potenzial für erneuerbare Energien überschätzt und die volkswirtschaftlichen Auswirkungen nicht untersucht worden.
Was der Atomausstieg für die Schweiz heisst - und was er kosten wird
Im Grossformat auf dem Videoportal ![]()
(Quelle: Keystone)
(rus/jep/sda)
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Alle 103 Kommentare






























Fakten
Aktuelle, unbestrittene Zahlen aus Deutschland: Alle AKW-Betreiber hatten 2010 einen REINgewinn von 10 Milliarden Euro! Jetzt weiss man, warum die AKW-Lobby unbedingt Laufzeitverlängerungen will!! Würde man die Stromproduktion verstaatlichen und die Gewinne den Bürgern weitergeben, würde der Strompreis um 10 Milliarden sinken! Die Margen sind brutal. Zudem: Die Merheit der dt. Professoren sagt, dass der Strompreis pro 4er Haushalt zwischen 20 und 60 Euro / Jahr steigen ohne Atom. Mit Verstaatlichung des Stroms wäre Strom ohne AKW billiger als mit AKW !!!!
Der billige Atomstrom
Das Tolle an unserm billigen Atomstrom ist doch, dass spätere Generationen die wahren Kosten bezahlen. Einen Vorgeschmack dazu liefert uns die Chemiemüll-Entsorgung in Kölliken AG.
Zu schneller Entscheid
Je schneller, diskussionsloser und emotionaler ein Entscheid, desto schneller wird er auch wieder revidiert. Spätestens wenn sich der Strompreis vervielfacht hat, die Industrie deshalb nicht mehr konkurrenzfähig ist und Zehntausende Arbeitsplätze verloren gehen.
Strompreis
Wenn man ehrlich rechnet wird sich der Strompreis sowieso massiv verteuern, ob nun mit oder ohne Atomkraft. Neue AKWs kosten eine Unsumme (Siehe Projekt in Frankreich) zudem schaffen sie nur kurzfristig Arbeitsplätze. Ebenfalls muss Uran importiert werden, teilweise aus unstabilen Staaten. Andere Energieformen und Technologien bieten hingegen eine riesen Chance auf Know How und Arbeitsplätze hier in der Schweiz. Alles in allem, also der richtige Weg.
Irrtum
Nach 38 Jahren entscheiden ist zu schnell? Aktuelle Versicherungssumme 1. Mia. Fr. Schaden in Japan bis jetzt ca. 50 Mia. Fr.! Versicherungssumme muss 100 x höher sein. Evakuierungsplan & -kosten fehlen. = Massiv höherer Strompreis. Plus Entsorgungskosten (unbekannt), ungelöst. KKW werden importiert, Mia gehen ins Ausland. Nur Beton und Betrieb sind schweizerisch. Versorgung Brennstäbe erfolgt zu 100% aus dem Ausland. Rückbau durch wen? Preise aus alternativer Energie sinken laufend (Serienproduktion läuft an).
@ Wurzel
Das ist so. Auf was ich allerdings am meisten gespannt bin (wie ein Pfeilbogen...): wie "verkaufen" - vor allem die links-grünen - Parteien das dann dem Wähler? Ich freue mich jetzt schon auf ihr "rumgedruckse"....!