Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Atomstreit
09. Februar 2010 07:57; Akt: 09.02.2010 19:02 Print
Iran macht Ernst mit Uran
Trotz drohender internationaler Sanktionen hat der Iran nach eigenen Angaben die Produktion höher angereicherten Urans aufgenommen. Das Verfahren begann in der Atomanlage Natans in Anwesenheit von Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).
Seit Dienstag werde Uran bis auf 20 Prozent angereichert, zitierte das staatliche Fernsehen den iranischen Atomchef Ali Akbar Salehi. Mit einer so hohen Anreicherung käme der Iran der Produktion waffentauglichen Urans einen grossen Schritt näher, das eine Reinheit von etwa 90 Prozent oder mehr haben muss.
Die internationale Staatengemeinschaft reagierte prompt auf die Verschärfung im Atomstreit mit dem Iran: US-Verteidigungsminister Robert Gates forderte umgehend, im UNO-Sicherheitsrat nun rasch den Weg für neue Strafmassnahmen gegen die Islamische Republik freizumachen.
Scharfe Töne aus Russland
Sogar Russland verschärfte seinen Ton gegen Teheran deutlich: Erstmals räumte der Chef des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, Zweifel an der friedlichen Nutzung der Atomenergie im Iran ein. Er warnte vor einer militärischen Eskalation. Damit deutete sich an, dass Russland seine zögerliche Haltung im UNO- Sicherheitsrat aufgeben und neuen Sanktionen zustimmen könnte.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte «sofortige und lähmende Sanktionen». China rief dagegen alle Seiten auf, weiter auf eine Einigung über das IAEA-Angebot zur Weiterverarbeitung niedrig angereicherten iranischen Urans im Ausland hinzuarbeiten.
Die internationalen Massregelungen riefen iranische Milizionäre auf den Plan: Sie demonstrierten in Teheran vor den Botschaften Deutschlands, Italiens und Frankreichs gegen die europäische Haltung im Atomstreit. Dutzende Mitglieder der paramilitärischen Bassidsch- Miliz zogen von Botschaft zu Botschaft und beschimpften die jeweiligen Regierungen. Zu grösseren Schäden kam es nicht.
Internationales Angebot
Bislang hatte der Iran in seiner unterirdischen Anlage bei Natans Uran nur auf die zur Atomenergiegewinnung nötigen 3,5 Prozent angereichert. Für den Weiterbetrieb eines Forschungsreaktors in Teheran braucht das Land aber bald Brennelemente aus 20-prozentigem Uran.
Um für mehr Kontrolle zu sorgen, hatte die IAEA ein internationales Angebot vermittelt, das vorsah, das Material im Ausland auf 20 Prozent anzureichern und zu Brennelementen zu verarbeiten. Der Iran stellt dafür aber Bedingungen, die für die sogenannte Sechsergruppe aus den fünf UNO-Vetomächten und Deutschland unannehmbar sind.
Salehi sagte der Agentur Isna, in Natans seien für die Höheranreicherung des Urans 164 Zentrifugen zusammengeschaltet worden. Monatlich könnten drei bis fünf Kilogramm hergestellt werden. Das wäre deutlich mehr als die für den Forschungsreaktor benötigten 1,5 Kilogramm.
Der Iran verfügt aber nicht über die nötigen Fähigkeiten zur Verarbeitung des angereicherten Urans in die Art von Brennelementen, die für den Teheraner Reaktor benötigt werden.
Eskalation als Verhandlungstaktik
Sollte sich der Iran zu einer noch höheren Anreicherung für militärische Zwecke entscheiden, würde er nach Einschätzung von Experten allerdings auch nach dem jüngsten Schritt mehrere Monate brauchen, um die Anlage in Natans dafür bereitzumachen.
Zudem könnte wegen der UNO-Sanktionen die Beschaffung dazu nötiger Technik erschwert werden. Die neue Eskalation kann deshalb auch als Verhandlungstaktik interpretiert werden.
(sda)




























