Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Kernenergie
05. Mai 2011 07:07; Akt: 05.05.2011 08:25 Print
Atom-Gegner kritisieren AKW-Überprüfung
von Antonio Fumagalli - Die Nuklear-Aufsichtsbehörde präsentiert neue Sicherheitsauflagen für die AKW-Betreiber. Die Anti-Atomlobby findet die Fristen zu lang – und die Forderungen ohnehin lasch.

Befürworter und Gegner des AKW Mühleberg streiten sich darum, wie lange der bald 40-jährige Reaktor der Schweiz noch in Betrieb sein soll. (Bild: Keystone)
Seit dem Reaktordesaster im japanischen Fukushima ist die Sicherheit der Atomkraftwerke wieder in aller Munde – auch in der Schweiz. Neben einer Reihe von Sofortmassnahmen hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) deshalb eine Woche nach dem Unglück verfügt, dass die Schweizer Atomkraftwerke die Auslegung ihrer Anlagen gegen Erdbeben und Hochwasser «unverzüglich überprüfen». Dabei ging es insbesondere um Fragen zur Kühlung der Brennelementlagerbecken.
«Diese Abklärungen waren dringend nötig, handelt es sich bei der Decke des Mühleberg-Abklingbeckens doch um eine bessere Schulhausdecke – genau wie in Fukushima», sagt Rechtsanwalt Rainer Weibel, der über hundert Gegner des Kernkraftwerks Mühleberg vertritt, gegenüber 20 Minuten Online. Die Betreiber mussten die Sicherheitsfragen des ENSI bis am 31. März beantworten – und taten dies auch termingerecht. Die von den Behörden geforderten Abklärungen sind laut Weibel aber bei Weitem nicht ausreichend, insbesondere die potenzielle Gefahr von Flugzeugabstürzen oder Terroranschlägen auf einen Atomreaktor werde von der Behörde sträflich vernachlässigt.
«Mühleberg ist sicher»
Am schlimmsten stehe um das Atomkraftwerk Mühleberg. Weibel bezieht sich dabei auf ein Gutachten, welches das ENSI (damals noch als HSK) bei der deutschen Prüfanstalt TÜV Nord in Auftrag gab. Dieses ergab, dass die Zuganker, welche die seit längerem vorhandenen Risse im Kernmantel des AKW sichern sollten, untauglich, ja gar gefährlich seien. «Es ist unverständlich, weshalb das ENSI den Betrieb von Mühleberg trotz der eindeutig negativen Bewertung der Zugankerkonstruktion weiterhin zulässt», wird das deutsche Prüfinstitut in der WOZ zitiert.
Gesuch für AKW-Stopp
Für Weibel und seine Mandanten war das deutsche Gutachten eine Steilvorlage: Der Anwalt reichte am 21. März ein 47-seitiges Gesuch um den «Entzug der Betriebsbewilligung des Kernkraftwerks Mühleberg» zuhanden des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) ein. Weil es aus der brisanten, aus Sicherheitsgründen aber geheim gehaltenen Expertise des TÜV Nord zitiert, hätte es ebenfalls nicht veröffentlicht werden dürfen. Die WOZ, der das Gesuch zugespielt wurde, tat es dennoch – mit dem Hinweis, die Bevölkerung habe ein Recht dazu, die Gefahren zu kennen. Das UVEK hat die Behandlung dieses Begehrens vorläufig eingestellt und es dem ENSI zur Prüfung des gleichzeitig gestellten Gesuchs um vorsorgliche Ausserbetriebnahme übermittelt.
Heute will das Nuklearinspektorat die ersten Ergebnisse der AKW-Überprüfungen den Medien präsentieren. Rechtsanwalt Weibel kennt Auszüge daraus bereits: «Innerhalb verschiedener Etappen werden die AKW-Betreiber Abklärungen treffen müssen.» Die gewährten Fristen – die längste dauert bis Dezember 2012 – seien aber viel zu grosszügig bemessen. Zudem würde auf die allfällige Erkenntnis, dass bauliche Anpassungen nötig sind, dann eine jahrelange Bauphase folgen. Zumindest für das AKW Mühleberg sei dies viel zu viel Zeit. Weibel und seine Mandanten beharren deshalb auf ihrer Forderung: «Das AKW Mühleberg muss sofort abgeschaltet werden.»
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 44 Kommentare






























Mal was anderes...
Was, wenn ein Flugi/Beben/Attentat die Grande Dixence zerstört? Übersteht dieser Damm ein Beben Stärke 7? Hundertausend Tote in nicht mal einer Stunde; Milliardenschäden ebenfalls ohne Versicherung. Chaos und Tod bis nach Genf. Unbekannte giftige Substanzen aus Chemiedepots/Labors/Industrien/Fabriken in Rhone und Genfersee; Böden verseucht, Strassen/Schienen/Häuser/Raffinerien/Treibstoffdepots: alles zerstört und im See. Aber zum Glück keine Strahlung - wenn wir Glück haben und nichts aus Labors/Spitälern usw. entwichen ist. Aber keiner regt sich auf und hinterfragt. Und andere Dämme?
Risiko Kernenergie wird überschätzt
Leider ist es bei 95% der Leute so dass sie von Radioaktivität nicht den Hauch einer Ahnung haben und deshalb das Risiko und die Gefahren massivst überschätzen. Ich empfehle all diesen Leuten den Fachbeitrag "wie gefährlich sind radioaktive Strahlen?" (Google-Suche 2. Eintrag) von Walter Rüegg (Kernphysiker ETH und jahrelang Chefphysiker der schweizer Armee). Sein Wissen kann wohl niemand anzweifeln und er hat mir mit einem Vortrag die Augen geöffnet. Wer in diesem Thema mitdiskutieren möchte sollte diesen Beitrag zwingend lesen. Nur zu empfehlen...
@markus
und du gehörst also zu den 5% die es besser wissen ?
Lustig
Egal was fuer Vorkehrungen wir treffen es koennte immer ein Meteroid auf das AKW fallen und radioaktiven Staub ueber die ganze Schweiz wirbeln. Entweder den Behoerden die wir gewaehlt haben vertrauen, dass anstaendige Leute verantwortlich sind fuer die Sicherheit oder AKWs abschalten. Dann muss aber auch die SBB abschalten da die Zuege etwa ein AKW brauchen und wir steigen alle wieder auf's Auto um. Und Waermepumpen sollte man wieder fuer Oelheizungen austauschen. Elektroherde fuer Gasherde, etc.