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Egli wird barsch
09. Juni 2011 18:40; Akt: 22.07.2011 15:23 Print
Leinenzwang fürs Restrisiko – jetzt!
von Lukas Egli - Der vom Nationalrat beschlossene AKW-Ausstieg ist wie das Kampfhundegesetz: nachhaltiger Schwachsinn. Denn auch bei der Energiewende ging der Pudel-Effekt vergessen.

Noch nie haben die Volksvertreter so schnell und mutig auf eine neue Bedrohungen reagiert. Ausser als es um die Kampfhunde ging, natürlich. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)
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Das Schweizer Parlament arbeitet immer schneller. Wer im vergangenen Januar Politiker in der Bundesstadt nach der Energiesteuer fragte, welche die Grünliberalen als Ersatz der hochkomplizierten Mehrwertsteuer vorgeschlagen hatten, bekam Antworten wie: «Völlig undenkbar!», «Warum ein funktionierendes Steuersystem aufgeben?» oder «Pardon, von was reden Sie überhaupt?»
Infografik AKW-Standorte SchweizEndlager für radioaktive AbfälleSo wirkt radioaktive Strahlung auf den KörperSo läuft eine Kernschmelze abUnd jetzt das: Der Nationalrat will aus der Kernenergie aussteigen! Da ist sie, die beschworene Energiewende – nur drei Monate nach Beginn der Reaktorkatastrophe von Fukushima, ausgelöst durch ein gigantisches Seebeben und einen ebenso gigantischen Tsunami im fernen Japan. Wahnsinn!
In Mühleberg gibt es keine Tsunamis, werden Stänkerer nun rufen. Blödsinn! Mühleberg ist nicht halb so provinziell, wie Sie immer denken. Und das dortige AKW ist voll mit japanischer Technologie, wie geheime Berichte beweisen.
Böse Technologie, gefährlicher Wohlensee – noch nie haben unsere Volksvertreter so rasch und mutig auf eine neue Bedrohung reagiert.
Noch nie? Falsch!
Ähnlich dezidiert gingen sie vor, als es 2005 um die Kampfhunde ging. Nach dem tragischen Fall des 6-jährigen Süleyman, der im fernen Oberglatt von Pitbulls getötet wurde, ging ein Ruck durchs Land. Bund und Kantone machten ihren Gesetzgebern Beine, zackig wie nie kamen einschlägige Gesetze und Vorschriften zustande: Jedes Dorf konnte mit Rasselisten, Haltegeboten, Beissverboten auftrumpfen. Schneller als alle anderen Länder der Welt schaffte die Schweiz die Hundewende. «Wir haben das Restrisiko schlicht unterschätzt», sagte danach Hundeministerin Leuthard reuig.
Dennoch wird Fukushima nun zu Unrecht zum Fall Süleyman der Energiebranche stilisiert. Zwar setzen wir bald auf einen Maulkorb für die Atomlobby, den Leinenzwang fürs Restrisiko, ein Kotverbot für AKWs. Doch anders als die Kampfhunde will der Bund die bösen AKWs nicht sofort vom Netz nehmen.
Zudem soll das Verbandsbeschwerderecht gelockert werden, so dass bald gigantische Windräder, Solaranlagen und Tsunami-hohe Staumauern gebaut werden können. Das ist, wie wenn man zugleich Kampfhunde verbieten und Kampfkatzen fördern würde, kritisieren besorgt Umwelt- und Naturschützer.
Was es wirklich braucht, ist eine Rasseliste für böse Technologien, ein Einhaltegebot für Kettenreaktionen, ein gaumässiges Eingreifen halt – jetzt! Oder ein Beschlussmoratorium im Bundesamt für unausgegorene Ideen, ein Stresstest für Politiker.
Denn: Was lehrte uns das Kampfhundeverbot? Auch Pudel beissen.
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Alle 85 Kommentare





























Stromlobby nur für Grosskraftwerke
Der Atomausstieg ist richtig - vorausgesetzt das Parlament versteht sich als Vertreter des Volkswillens: Dieser ist eindeutig. Ein eigentlicher Paradigmawechsel hat leider nicht stattgefunden; nämlich vom Business zur Volksversorgung - schliesslich bleibt die Stromversorgung ein öffentlicher Auftrag. Letzlich ist es der Stomlobby egal wie das Geld verdient wird, ob mit Gas oder Atom: Hauptsache ein Grosskraftwerk, das Strom exportiert. Nicht interssiert ist die Lobby an Hausbesitzern, die Wärmepumpen, Solarpanels oder Minigaswerke im Keller installieren. Aber genau darin liegt die Lösung!
neues Thema? nein, nur akuter
Atomausstieg ist nicht erst seit 3 Monaten ein Thema. Das Wie war (und ist) das grösste Problem. Für mich nur eigenartig wie Politiker sich in 3 Monaten mit genau der gleichen selbstherrlichkeit für eine Thema um 180 Grad umkehren können-inklusive Frau Leuthard. Sachzwänge? Die gab es schon vorher. Ein andere Triebkraft? ja vielleicht der eigene Machtanspruch - und da muss man eben mit dem Gefühl der Leute arbeiten-das sonst doch so was von egal ist (KK-Prämien). DIe Politik ist verlogen und situativ.
Vor 13 Jahren dasselbe wie heute
Der "Blödsinn" ist nur der, dass jetzt in völliger Hysterie argumentiert und "gearbeitet" wird. Wie war das 1998? Genau dieselben Worte, genau dieselben schrillen Schreie nach Atomausstieg. Und was ist bisher geschehen? Nichts, ausser, dass man Privaten, die auf ihrem Häuschen Solarpannels installieren wollten, dies verboten wurde. Weshalb wohl? Nun, die entsprechenden Gemeinden hatten wohl Angst, weniger Strom verkaufen zu können! Deshalb: Bitte erst denken, dann planen, dann handeln. Und nicht umgekehrt.