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Atomstreit
17. August 2010 09:25; Akt: 17.08.2010 09:26 Print
Kalkulierter Wahnsinn
von Omid Marivani - Hat der tägliche Wahnsinn im Iran System? Je widersprüchlicher, grausamer und bizarrer die Nachrichten, desto besser funktioniert angeblich die «Madman»-Theorie.

Brüder im Geiste? Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad und ... (Bild: Reuters/Aly Song)
Der Präsident leugnet den Holocaust. Die Justiz spricht Todesurteile aus – nicht aufgrund von Beweisen, sondern von Intuition. Ein Geistlicher beschuldigt unislamisch gekleidete Frauen, sie lösen Erdbeben aus. Das Kulturministerium veröffentlicht einen Katalog empfohlener Männerfrisuren. Die Armee hebt vorsorglich Massengräber für US-Soldaten aus. Nachrichten aus dem Iran sind oft verstörend, manchmal lächerlich (aber nie wirklich zum Lachen) und lassen den Betrachter stets verwirrt zurück.
... der frühere US-Präsident Richard Nixon.(Bild: Keystone)
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Irans Atomreaktor Buschehr
Infografik
Das iranische AtomprogrammPolitisches System des IranTimeline Iran
Seit Jahr und Tag versuchen Analysten, das politische System des Irans zu entschlüsseln – vergeblich. Die westliche Welt hängt an Präsident Ahmadinedschads Lippen, aber laut Verfassung hat Staatsoberhaupt Chamenei das letzte Wort. Die Revolutionsgarden kontrollieren grosse Teile der Wirtschaft, aber irgendwo im Hintergrund soll auch die graue Eminenz und Multimilliardär Haschemi Rafsandschani an einigen Strippen ziehen. Kurzum: Der Iran ist ein grosses Rätsel, irgendwie geht nichts auf. Die «Madman»-Theorie stellt all dies in den grösseren Zusammenhang des iranischen Atomprogramms. Und plötzlich ergibt vieles Sinn.
«Wütend und die Hand auf dem Atomknopf»
Der Begriff der Madman-Theorie (madman: engl. der Verrückte) stammt aus der Zeit des Kalten Kriegs und wurde von Richard Nixon, US-Präsident von 1969 bis 1974, höchstpersönlich geprägt. Seine Regierung versuchte andere Länder davon zu überzeugen, dass Nixon verrückt und sein Verhalten irrational und launisch sei. Aus Angst vor einer unberechenbaren amerikanischen Reaktion, so die Theorie, würden es die kommunistischen Länder nicht wagen, die USA zu provozieren. Frustriert über den Verlauf des Vietnamkriegs und den zähen Widerstand der Nordvietnamesen soll Nixon zu seinem Stabchef gesagt haben: «Wir lassen sie einfach wissen, dass Nixon ein besessener Antikommunist ist. Wir können ihn nicht zurückhalten, wenn er wütend ist - und er hat seine Hand auf dem Atomknopf.»
Die Madman-Theorie ist ein Versuch, die Abschreckungskraft einer Atombombe zusätzlich zu erhöhen, indem der Entscheidungsträger vorgibt, irrational zu denken und unberechenbar zu handeln. Auf diese Weise soll das sogenannte «Gleichgewicht des Schreckens», das zwischen zwei Atommächten besteht, aufgehoben werden. Denn dieses beruht auf der Annahme, dass beide Parteien rational denken, also für die Zerstörung des Gegners nicht die eigene Zerstörung in Kauf nehmen. Auf das 21. Jahrhundert und den Iran umgemünzt hiesse das: Je abstruser die Aussagen und je irrationaler das Verhalten seiner Entscheidungsträger, desto grösser die Angst Amerikas, Israels und der Golfmonarchien vor einem nuklear-bewaffneten Iran. Das Land könnte so die Abschreckungskraft seines Atomprogramms maximieren und sich neuen Spielraum in der Aussen- und Sicherheitspolitik verschaffen. Vor diesem Hintergrund erscheint Ahmadinedschads Gerede plötzlich nicht mehr wirr, sondern wohlüberlegt und als Teil einer übergeordneten Strategie.
Wenn die Theorie versagt
Wie jede Theorie hat auch diese ihre Schwachpunkte. Ob sie in der Vergangenheit funktioniert hat, ist umstritten. Immerhin verloren die USA trotz Atombombe und «Madman» Nixon den Vietnamkrieg. Mehr noch, indem Nixon Bereitschaft signalisierte, für einen Sieg jeglichen Preis zu bezahlen, motivierte er die Nordvietnamesen, ebenfalls bis zum Äussersten zu gehen. Israel macht derzeit einen ähnlichen Eindruck, und es gibt Anzeichen, dass der Judenstaat in naher Zukunft auch ohne grünes Licht der USA die iranischen Atomanlagen bombardieren wird. Ward Wilson, Experte für nukleare Abschreckung, hegt grundsätzliche Zweifel an der Wirksamkeit nuklearer Abschreckung – mit oder ohne Madman – weil diese von zwei rational denkenden Konfliktparteien ausgeht. Er vermutet aber, dass sich Menschen in Kriegs- oder Krisensituationen eher von Emotionen als von der Vernunft leiten lassen. Weder vorgetäuschte Irrationalität noch echte Rationalität wären demnach plausible Annahmen über den Gegner.
Die iranische Führung glaubt vielleicht trotzdem an die Madman-Theorie. Dass sie rational denken und handeln kann, beweist schon die über 30-jährige Existenz ihrer islamischen Republik. Insofern zeugt auch das Atomprogramm eher vom Willen zur Selbsterhaltung als zur Selbstzerstörung. Aber eben: Ob das wirklich so aufgeht, ist eine andere Frage.
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Alle 144 Kommentare































Und was passiert
1. wirklich und 2. mit den eben aus dem Irak abgezogenen US-Sodaten??? etwa Ruhe vor dem Sturm ???
Iranische A-Bombe
Israel und Amerika schreien seit 1992, dass es nur noch wenige Jahre bis zur Iranischen Atombombe sind. Alle paar Jahre wieder heisst es dann, der Iran steht kurz davor, noch fünf Jahre, noch zwei Jahre usw. Ein Grund für eine "Okkupation" Irans währen die Uran vorkommen. Uran dürfte wesentlich früher zur Neige gehen als Erdöl und der Iran hat grosse Vorkommen von beidem. Ich glaube eher daran, dass es bei diesem Krieg um die Vormachtstellung und Ressourcen geht und nicht um eine allfällige Bombe. Auch die Einkreisung Chinas und Russland könnte eine Rolle spielen- siehe "the grand chessboard
@Dummschwätzer
Dein Mitgefühl für den Iran ist merkwürdig, nur die Saudis, die Kuwaiter, Ägypter, von Indien und anderen ganz zu schweigen, alle fürchten einen Iran mit A-Bombe! Auch ich als Türke sehe ich mit Besorgnis diese Entwicklung und die Machtlosigkeit der USA und des Westens diese Gefahr abzubahnen, die uns bevorsteht. Der Iran provoziert immer wieder und er wird auch die Konsequenzen ziehen müssen, leider auch andere, die es dazu kommen liessen. Der Westen lässt an der Nase führen. Gespräche mit Teheran? Die der will nur Zeit gewinnen.
Allah gegen den iranischen Atomreaktor
Nahe des iranischen Atomreaktors Bushehr ist am Dienstag ein iranisches F-4-Phantom-Kampfflugzeug abgestürzt (ShortNews berichtete). Informierte Militärbeobachter meinen nun, dass der Absturz in sechs Kilometer Entfernung durch die eigene iranische Luftabwehr, eine russische TOR-M1, verursacht wurde. Schon am 1.August sollen sich am Reaktor mysteriöse Abstürze von drei Flugdrohnen ereignet haben, bei denen fünf Reaktormitarbeiter ums Leben gekommen sind.