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Jungfrau-Drama
17. November 2009 14:06; Akt: 18.11.2009 13:23 Print
Überlebender: Erst Vorfreude, dann Skepsis
Ein Überlebender des Unglücks, ein heute 22-jähriger Gebirgssoldat, wurde am zweiten Prozesstag als erster Zeuge befragt. Er sagte unter anderem, der Aufstieg zum Jungfraugipfel sei eine Bewährungstour gewesen.
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Anfänglich habe bei einem Teil der Deutschschweizer Gebirgsrekruten Skepsis geherrscht, doch sei diese mit der Planung der Freude gewichen. Bei der Tour sei es vor allem darum gegangen, Führungsqualitäten zu beweisen und keine groben Fehler mehr zu machen. Er attestierte den beiden angeklagten Bergführern, die die Verantwortung für das Unternehmen im Jungfraugebiet trugen, hohe fachliche Kompetenz. Seine Kameraden und er hätten ihnen vertraut, weil sie im Gebirge sehr erfahren gewesen seien, sagte er.
Die beiden Bergführer vor Gericht: Die Lawinengefahr war nicht erheblich.(Bild: Keystone/Zeichnung Linda Graedel)
Der Aufstieg zum Jungfraugipfel sei am Vorabend in der Mönchsjochhütte diskutiert und gemeinsam geplant worden, sagte der 22-Jährige. Beim Aufstieg habe er keine Alarmzeichen wahrgenommen. Die Lawinengefahr sei an diesem Tag mässig gewesen. Die letzte Pause vor dem Lawinenabgang im Gipfelhang, bei dem sechs Militärangehörige ums Leben kamen, sei von den Bergführern verkürzt worden. «Wir standen unter Zeitdruck. Dies hat einer der Bergführer kommuniziert. Ich weiss nicht mehr welcher», sagte der Zeuge. Beim Aufstieg sei die normale Route verlassen worden, die angeblich wegen Neuschnees zu viel Spurarbeit gefordert hätte.
«Kameraden stürzten mir entgegen»
Den Entscheid für den Aufstieg in der Falllinie am 45-Gradhang erfuhr der Augenzeuge von einem Seilkameraden. Kurz darauf hörte er einen Knall. «Beidseits rutschte neben mir Schnee in die Tiefe. Auch einige Kameraden stürzten mir entgegen. Ich wurde selber ein Stück weit mitgerissen», schilderte der Augenzeuge den Ablauf des Unfalls.
Sie hätten beim Aufstieg keine Alarmzeichen feststellen können, hatten zuvor der 34-jährige Berufsunteroffizier und der 47-jährige Bergführer übereinstimmend erklärt. Sie hätten zwar auch Schneeverfrachtungen und -rutsche bemerkt, aber erst nach dem Unfall, beim Warten auf den Rettungshelikopter. Der Unfalltag war laut dem Gerichtspräsidenten nach starken Schneefällen der erste schöne Tag in der Region. Solche Tage gelten bezüglich Lawinen als besonders gefährlich. Dies hätten sie bei der Beurteilung der Situation im Gipfelgebiet auch einbezogen, sagten die Angeklagten. Am Vortag habe aber nicht wirklich schlechtes Wetter geherrscht. Somit sei der Unfalltag auch nicht der erste schöne Tag gewesen.
Am Tag vor dem Unglück waren die Angeklagten mit den Soldaten zum Mönch aufgestiegen. Dabei hatte der ältere Bergführer zu Ausbildungszwecken ein Schneebrett ausgelöst. Der Berufsunteroffizier sagte dazu, das Schneebrett sei sehr schnell zum Stillstand gekommen. «Dies war für mich ein Zeichen, dass die Festigung zwischen Alt- und Neuschneeschicht gut war», sagte er vor Gericht. Die Verhandlung dauert voraussichtlich bis am Freitag.
(dapd)


























