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04. Oktober 2007 14:35; Akt: 13.11.2009 17:27 Print
Jungfrau: Soldaten lösten Todeslawine aus
Nach dem Tod von sechs Soldaten an der Jungfrau vom vergangenen 12. Juli wird gegen die beiden Bergführer der Tour wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Ein Gutachten im Auftrag der Militärjustiz kam zum Schluss, dass die Absturzursache eine Lawine war, die höchstwahrscheinlich von den Soldaten selber ausgelöst wurde.
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Drama am Berg
Knapp drei Monate nach dem fatalen Ende der Ausbildungstour der Gebirgsspezialisten-RS Andermatt auf die Jungfrau hat die Militärjustiz am Donnerstag über den Abschluss der vorläufigen Beweisaufnahme informiert. Für den Tod der sechs Soldaten im Alter von 20 bis 23 Jahren war demnach eine Lawine die Ursache, wie der militärische Untersuchungsrichter Christoph Huber in Bern sagte. Er stützte seine Erkenntnisse vor allem auf ein Gutachten des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos.
Das Gutachten des Lawineninstituts kommt zum Schluss, dass die sechs Soldaten an der Jungfrau durch eine Lawine umgekommen sind und sie diese höchstwahrscheinlich selbst ausgelöst haben. Die Lawinengefahr am Unglückstag vom 12. Juni stuften die Experten als «erheblich» ein. Beim Unfallhang handle es sich um einen «Extremhang».
Die Experten des Eidgenössischen Instituts für Schnee und Lawinenforschung (SLF) Davos führten noch Unfalltag eine Begehung am Unfallort durch und hatten bei ihrem Gutachten im Auftrag der Militärjustiz volle Akteneinsicht. Dazu gehörten auch die Protokolle der Befragungen. Gestützt auf ihre Erkenntnisse über Menge und Art des Neuschnees, das Vorhandensein von Triebschnee und frische Lawinenabgänge schätzen die Experten die Lawinengefahr für den Unfalltag in der Jungfrau-Region als «erheblich» ein. Dies entspricht der dritthöchsten Gefahrenstufe der Europäischen Lawinengefahrenskala. In diesem Fall ist auf Grund der teilweise ungünstigen Verhältnisse Erfahrung in der Lawinenbeurteilung erforderlich, und Steilhänge der angegebenen Exposition und Höhenlage sind möglichst zu meiden.
Der Unfallhang oberhalb des Rottal-Sattels muss laut den Experten aus lawinentechnischer Sicht auf Grund der Steilheit und der Exponiertheit als so genannter «Extremhang» bezeichnet werden. Die gegen Südosten geneigte Flanke liegt zwischen rund 3.900 und 4.000 Metern über Meer und hat eine Neigung zwischen 40 und 45 Grad. Der Unfallhang sei ausgesetzt und absturzgefährlich, heisst es in dem am Donnerstag veröffentlichten Gutachten. Die Unfalllawine war laut den Experten rund 80 Meter breit und hatte eine Anrissmöglichkeit von zehn bis 40 Zentimetern. Auf Grund der noch relativ tiefen Temperaturen habe die Sonneneinstrahlung um 10.00 Uhr im Unfallhang jedoch kaum Einfluss auf die Lawinenauslösebereitschaft gehabt.
Die Experten gehen unter Berücksichtigung aller Fakten und Aussagen davon aus, dass die Personen beim Direktaufstieg mitten im Hang oberhalb des Rottal-Sattels die Unfalllawine auslösten. Eine Auslösung durch Dritte inklusive Tiere oder ein spontaner Abgang seien «höchst unwahrscheinlich». «Nach Einschätzung des SLF ist der Absturz auf den Lawinenabgang zurückzuführen. Eine andere sinnvolle Erklärung der Unfallursache gibt es nach Auffassung des SLF nicht und widerspricht den Tatsachen», heisst es in der Expertise.
Die oberen beiden Seilschaften seien mit dem Lawinenschnee in Richtung Rottal abgestürzt. Die nachfolgenden Personen am Rande der Lawine seien am Hangfuss wieder zum Stillstand gekommen. Dass nicht alle Beteiligten sofort erkannt hätten, dass eine Lawine abgegangen sei, widerspreche diesem Unfallhergang nicht. Denn es sei durchaus möglich, dass ein Lawinenabbruch von den hinteren Personen nicht sofort als solcher wahrgenommen werde.
Die Experten weisen darauf hin, dass sich die Lawinengefahr im Sommer auf Tage unmittelbar nach Schneefällen konzentriert. So seien in den vergangenen 36 Jahren insgesamt 32 Menschen in den Monaten Juli und August in Lawinen ums Leben gekommen. Mehrmals seien ganze Seilschaften betroffen gewesen.
(dapd)


























