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Sex-Skandal
11. Februar 2011 15:54; Akt: 11.02.2011 15:54 Print
«Ich bin ein Sünder, aber...»
Silvio Berlusconi wehrt sich gegen die Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft zu einer Sexaffäre mit einer Minderjährigen. Das sei «eine Jagd wie in der DDR».
Dem Ministerpräsidenten droht derzeit ein Prozess im Zusammenhang mit einer Sex-Affäre um eine junge Marokkanerin. Die Mailänder Staatsanwaltschaft beantragte am Mittwoch ein Schnellverfahren wegen Amtsmissbrauchs und sexueller Beziehungen zu einer Minderjährigen.
Bildstrecken Aus Berlusconis MundeRuby, die HerzensbrecherinTausende «Berlusconis» protestieren gegen BerlusconiDoch der «Cavaliere» wehrt sich vehement gegen die Ermittlungen. Er wolle sogar vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte klagen, erklärte am Donnerstag Aussenminister Franco Frattini. Der italienische Ministerpräsident könnte sich wegen Verletzung seiner Privatsphäre an das Gericht wenden.
«Ich bin ein Sünder – wie alle anderen auch»
In einem Interview mit der rechts positionierten Zeitschrift «Il Foglio» stellt Silvio Berlusconi nun seine Sicht der Dinge dar und kritisiert dabei die «parteiischen Medien und Justizbehörden» heftig. Nach den Worten des Regierungschefs verbringen die Richter ihre Zeit vor allem damit, ein Komplott gegen ihn zu schmieden. Weiter spricht er von einer «Anti-Berlusconi-Lobby» und von «absurden Ermittlungen, die an die Jagd der Spione in 'Das Leben der Anderen' im kommunistischen Deutschland erinnern» und das Ganze «in einen internationalen Skandal verwandeln».
In dem Interview räumte Berlusconi ein, er sei «genauso wie alle anderen manchmal ein Sünder». Doch fügte er hinzu, moralistische Richter versuchten ihn um die Macht zu bringen und die italienische Gesellschaft zu verändern. «Jene, die eine Republik der Tugend predigen von puritanischer und jakobinischer Art wollen in Wahrheit eine autoritäre Demokratie, die das Gegenteil eines Systems ist, das auf Freiheit, Toleranz und einem reinen öffentlichen und privaten moralischen Gewissen beruht», sagte Berlusconi.
«Wir sind nicht bolschewistisch»
Inzwischen hat der oberste italienische Verfassungsrichter die öffentlich geäusserten Zweifel von Ministerpräsident Silvio Berlusconi an der Überparteilichkeit des Gerichts zurückgewiesen. Den 15 Richtern des Verfassungsgerichts in Rom vorzuwerfen, sie würden ihre Urteile auf Grundlage ihrer politischen Haltung fällen, sei «verleumderisch» und «zutiefst beleidigend», sagte Gerichtspräsident Ugo De Siervo am Donnerstag vor Journalisten in Rom. Er bezeichnete Berlusconis Angriffe als «übertrieben und neurotisch».
Das Gericht zog unter anderem scharfe Kritik von Berlusconi auf sich, als es im Januar ein umstrittenes Immunitätsgesetz für Regierungsmitglieder aufhob. «Wir sind nicht bolschewistisch», entgegnete der Präsident des Verfassungsgerichts nun.
Berlusconi wird verdächtigt, bei Partys auf einem seiner Anwesen die damals minderjährige Ruby für Sex bezahlt zu haben. Er soll zudem im Mai sein Amt missbraucht haben, um Rubys Freilassung zu erwirken, als diese wegen Diebstahlverdachts in Polizeigewahrsam war.
(kle)



























