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08. Juli 2011 08:59; Akt: 08.07.2011 15:15 Print
Berlusconi will nicht mehr antreten
Der Cavaliere sagt «ciao»: Laut eigenen Angaben will der italienische Ministerpräsident Silvio Bersluconi 2013 nicht mehr kandidieren. Der jetzige Justizminister Alfano sei ein geeigneter Kandidat.
Der skandalumwitterte Premierminister Silvio Berlusconi bestimmt die Politik Italiens seit fast zwei Jahrzehnten. Nun kündigt er in einem Interview mit der römischen Zeitung «La Repubblica» seinen Abtritt für 2013 an. Auf die Frage, ob er für eine Wiederwahl zur Verfügung stehe, sagte Berlusconi: «Ganz klar, nein.» Der heutige Justizminister Angelino Alfano werde 2013 als «Kandidat des Mitte- rechts-Lagers antreten», erklärte der 74-jährige Medienzar.
Bildstrecken Bunga Bunga bei BerlusconiAus Berlusconis Munde«Ich mache noch die Wahlkampagne und helfe Alfano als ‹nobler Vater›', aber mit 77 ist man nicht mehr Regierungschef», beteuerte Berlusconi. Darüber seien sich auch in der Koalition alle einig.
Beobachter gaben bisher einer funktionierenden Zusammenarbeit zwischen dem christdemokratisch konservativ geprägten Alfano und dem aktuellen Bündnispartner Berlusconis, der rechtspopulistischen Separatisten-Partei Lega Nord, nur geringe Chancen. Ohne die Stimmen der Lega hätte Berlusconi keine Regierungsmehrheit.
Der 40-jährige gebürtige Sizilianer Alfano gilt schon länger als politischer Ziehsohn Berlusconis und wurde schon öfters als möglicher Nachfolger des «Cavaliere» gehandelt. Er wurde Anfang Juli neuer Chef von Berlusconis Regierungspartei PdL (Volk der Freiheit).
Ankündigung verhallt in Italien fast ohne Echo
Was im Ausland wie eine Donnerschlag klingen könnte, verhallte in Italien zunächst ohne grosses Echo. Tatsächlich wirkt Berlusconi zunehmend innenpolitisch geschwächt.
Während er sich nach dem Bruch mit seinem ehemaligen Verbündeten Gianfranco Fini noch zu behaupten wusste, machten ihm die Sex- und Justizskandale - allen voran der «Ruby»-Prozess um Sex mit einer minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch - zu schaffen.
Zuletzt musste er mehrere politische Niederlagen hinnehmen. Ende Mai verlor Berlusconi haushoch bei Kommunalwahlen, die er selbst zu einem Stimmungstest für seine Regierung erklärt hatte. Besonders schmerzhaft war die Niederlage in seiner politischen Hochburg und Heimat Mailand.
Kurz darauf folgte als schallende Ohrfeige das Debakel bei einer Volksabstimmung unter anderem über den von ihm vorangetrieben Wiedereinstieg in die Atomkraft. Das Ende der «Ära Berlusconi» ist nah, prophezeiten seine Gegner.
Auch keine Ambitionen auf Präsidialamt
Wenig verwundert es daher, wenn der Medienmogul nun der «Repubblica» versichert, «wenn ich könnte, würde ich schon heute aufhören». Seine Niederlagen haben der schwachen linken Opposition erstmals wieder Aufwind gegeben.
Und nach dem jüngst beschlossen Sparplan - laut Wirtschaftsminister Giulio Tremonti «dringend notwendig», um Italien vor einem griechischen Schicksal zu retten - stehen dem Land in der nächsten Legislaturperiode harte Zeiten bevor.
Auch Ambitionen auf den Sessel des Staatschefs, die ihm seit langem nachgesagt werden, wies Berlusconi von sich. «Das ist nichts für mich», erklärte er. Im «Palazzo del Quirinale» sehe er eher seinen Getreuen Gianni Letta: «Letta ist der richtige Mann, ein grosser Mann, der auch die Stimmen der Linken hätte.»
(sda)



























